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Film: VERLIEBT IN MEINE FRAU

18.11.2018 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 23. November 2018
VERLIEBT IN MEINE FRAU
Amoureux de ma femme / Frankreich / 2018
Regie: Daniel Auteuil
Nach dem Theaterstück von Florian Zeller
Mit: Daniel Auteuil, Sandrine Kiberlain, Gérard Depardieu, Adriana Ugarte

Der Kinobesucher, der auch Theaterbesucher ist, braucht keine zehn, was heißt, fünf Minuten, um zu wissen: Das kenne ich doch! „Verliebt in meine Frau“ ist die Umsetzung eines Theaterstücks von Florian Zeller auf die Kinoleinwand. Was wir 2016 in den Josefstädter Kammerspielen gesehen haben (mit Michael Dangl und Marcus Bluhm, mit Sona MacDonald und Alma Hasun), damals unter dem Titel „Die Kehrseite der Medaille“, hat Daniel Auteuil für seine fünfte Regiearbeit, mit sich selbst als Hauptdarsteller, ausgewählt. Dass dieser Schauspieler schon für Michael Haneke auf höchstem Niveau tätig war, können wir hier getrost vergessen. Mit einem „César“ spekuliert er hier wohl nicht – vielleicht mit Publikumsscharen, die sich in Komödienwelten vergessen wollen?

Florian Zeller ist ein Boulevard-Autor mittleren Zuschnitts (und entsprechend erfolgreich, weil mangelnder Anspruch beim Publikum schon sehr hilft), und Daniel Auteuil versteckt sich auch gerne hinter den belanglosen französischen Durchschnittsfilmen, mit denen die Nation ihren einst singulären Ruf großer Filme vergeigt…

Immerhin, geben wir zu: Die Sache hat Humor und Ironie, und vielleicht sollte man wirklich meinen, hier möchte eine Nation, die die heterosexuelle Erotik liebt, das Rad zurückdrehen, möchte die Zeichen nicht auf #Metoo-Sturm setzen, sondern auf das seufzende Geplänkel zwischen den Geschlechtern…

Es steckt ja einiges Wahres drinnen in der Geschichte, es ist nicht zu leugnen. Ein nicht mehr ganz frisches Ehepaar – Auteil selbst als der freundlich-mittelmäßige-mittelständige Daniel und Gattin Isabelle, von Sandrine Kiberlain mit dem Grad von Verkniffenheit dargestellt, der manche Frauen nach vielen Ehejahren überkommt. Und dann trifft man einen alten Freund, und wenn dieser Patrick aussieht wie Gérard Depardieu, fett und nicht eben jugendlich, wäre es ja kein Problem. Bloß, dieser Mann, dem die Selbstzufriedenheit aus den Knopflöchern strahlt, hat eine junge Freundin (er ist ja reich genug). Und als er diese Emma zum Abendessen bei Daniel / Isabelle mitbringt, erweist sich die dunkelhaarige Exotin (Adriana Ugarte) als der feuchte Traum aller Möchtegerne-Frauenhelden… Wer da nicht schrecklich neidisch wird (ob Mann, ob Frau…)?

Nun gibt es schon im Theaterstück die „Traumszenen“, wo Daniel seine Ehefrau zum Teufel haut und sich mit Emma Flirt, Näherkommen, Gemeinsamkeit, künftige Dauerbeziehung vorstellt, alles wie aus dem Bilderbuch, und das war auf der Bühne gar nicht so leicht zu bewerkstelligen. Das Kino kann das wunderbar, kann auch die Schauplätze wechseln, kann die Schnitte in die Wirklichkeit so hart und pointiert setzen, wie man es sich nur wünscht, kann auch herrlich übertreiben, weil Traum ja nicht Wirklichkeit ist. Kurz, als Drehbuch besser denn als Bühnenstück…

Aber was ist es außer ein bisschen männliche Sehnsucht, ein bisschen männlicher Hahnenkampf, zähneknirschendes weibliches Sich-Messen und das erotische Flirren der Frau, die sich darauf versteht? Es weiß doch ohnedies jeder, dass Ehemänner in 90 Prozent aller Fälle bei ihren Ehefrauen bleiben – und dass Phantasien eben Phantasien sind, unverbindliches Spiel mit Möglichkeiten, schön wär’s…

Das ist alles harmlos, gestrig, gewissermaßen geradezu herzig und eher belanglos. Aber, um es zu wiederholen, ironisch genug ausgestellt, um nicht in den Verdacht zu geraten, irgendetwas sei ernst gemeint. Es ist ein Traum. Ein Traum von einer Welt, wo eine Frau Signale aussenden kann, ohne gleich vergewaltigt zu werden (und noch Schuld daran zu tragen), und wo Männer sich die romantischsten Situation mit sich selbst als stürmischen Helden zu Füßen einer verführerischen Schönheit ausmalen… und sogar ein bisschen lüstern sein dürfen. Nein, ein „ekelerregender film“, wie der „Spiegel“-Rezensent streng aburteilte, ist das sicher nicht. Eine Vorstellungswelt von gestern halt. Hat es sie je gegeben? Oder war das ohnedies nur im Kino so? Arme Männer, das Opfer der Frauen?

Renate Wagner

 

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