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VERBORGENE SCHÖNHEIT

16.01.2017 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmCover  Verborgene Schönheit~1

Filmstart: 20. Jänner 2017
VERBORGENE SCHÖNHEIT
Collateral Beauty / USA /  2017
Regie: David Frankel
Mit: Will Smith, Kate Winslet, Edward Norton, Helen Mirren, Keira Knightley, Naomie Harris u.a.

Es ist nun auch schon mehr als ein Jahrzehnt her, dass Will Smith auf „Kuschelfilme“ umgestiegen ist. Wenn man bedenkt, wie er vor einem Vierteljahrhundert (Time flies!) angetreten ist – als Rapper und Bad Boy, als Actionheld, der auch sehr komisch sein konnte (beides kombiniert in „Men in Black“)… Harmlos war er jedenfalls nicht – bis er den Schwenk zu den klebrigen „Familien“-Filmen unternahm (und man froh sein muss, wenn er einem nicht noch seine Kinder aufs Auge drückt).

Das muss erwähnt werden, weil die „Verborgene Schönheit“ zu jenen Kitsch-Produkten zählt, die sich tiefsinnig und lebensweise geben und den Zuschauern die Tränen abdrücken sollen, die den Darstellern so oft in den feuchten Augen stehen. Und wenn sie nicht halb schluchzen, sehen sie jedenfalls alle durch die Bank unglücklich drein. Möglicherweise tröstet das ein Kinopublikum, das zum großen Teil vielleicht auch nicht glücklich ist?

Regisseur David Frankel hatte bisher nur einen großen, berechtigten Filmerfolg, und das war „Der Teufel trägt Prada“. So giftig griffig ist er hier wahrlich nicht, er lässt das Pathos schwingen, wenn Will Smith als trostloser Vater verweigert, weiterhin ein nützliches Mitglied der Kapitalismus-Gesellschaft zu sein. Das wäre übrigens der einzige interessante Aspekt des Drehbuchs von Allan Loeb: Dass die Mitarbeiter in der Firma dieses Howard Inlet ganz realistisch fürchten, den  Bach hinunter zu gehen, wenn der über den Tod seiner kleinen Tochter exzessiv trauernde Mann nicht bald wieder „funktioniert“.

Diese drei Besorgten sind vor allem mit Kate Winslet, aber auch mit Edward Norton (in seiner üblichen Verbissenheit) und Michael Peña stark besetzt, und nach und nach erfahren wir, dass auch sie sehr unglücklich sind und Trost brauchen… und bekommen.

Als Küchentisch-Psychologie für ihren Chef, der verzweifelte Briefe an die „Liebe“, die „Zeit“ und den „Tod“ schreibt (elementarer geht es wohl nicht), denken sie sich nun eine besondere Therapie aus: drei arbeitslose Schauspieler werden engagiert, um Howard (im winterlichen New York, das sehr fotogen ist, besonders die Skiläufer vor dem Rockefeller-Center) quasi zufällig zu begegnen und ihn in tiefsinnige Gespräche zu verwickeln.

Und in einer „All Star“-Besetzung tauchen da keine Geringeren als Helen Mirren und Keira Knightley (verstärkt von Jacob Latimore) auf, und das macht den Film dann für Freunde feiner Schauspielkunst natürlich kostbar: Allein, wie die Mirren den abwehrenden Howard in die U-Bahn verfolgt, ist ein Gusto-Stück… Und sie und die immer so schöne Knightley und die immer so herrliche Winslet auf einem Fleck zu haben: Welch eine Phalanx britischer Schauspielkunst!

Nachdem man billige Weisheit mit dem Riesenlöffel hineingeschaufelt bekommen hat, zeigt sich, dass einzig die Liebe alles heilt, wobei die Beziehung von Howard zu Madeleine (Naomie Harris, auch immer tränenfeucht) seltsam ist und sich erst nach und nach klärt. Aber dann ist alles gut. Amen.

Aber, wie gesagt, diese Schauspieler!

Renate Wagner

 

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