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VENEDIG/ Teatro La Fenice: TURANDOT

11.05.2019 | Oper

Bildergebnis für venedig la fenice turandot

10.05.2019. Teatro la Fenice. „Turandot“

Eine große Oper für ein zu kleines Haus? Das ist nur bedingt richtig. Puccinis letzte Oper erfordert große stimmen, ein gutes Orchester und eine ordentliche Inszenierung.

Letzteres ist gegeben, denn das Leading Team hat ganze Arbeit geleistet: die Regie von Cecilia Ligorio lässt die Geschichte mit vielen richtigen Details erzählen, ohne das Werk zu stören. Turandot ist die Despotin, die sich ihren Freiern mit einigem Geschick und viel Grausamkeit entzieht und auch Kalaf mit allen Mitteln loswerden möchte. Kalaf hat die Zähigkeit, auch um den Preis von Lius Tod sein Ziel zu erreichen. Auf der beiden Zukunft lastet also Schuld. So weit, so klar.

Die Bühne ist karg aber ausreichend bestückt (Alessia Colosso), nur ein Podium dient der Trennung Hausmacht zu den Eindringlingen. Ein bisschen Nebel, schöne Kostüme (Simone Valsecchi), mehr brauchte es nicht, um das Geschehen anschaulich zu gestalten.

Die großen Stimmen waren da. Oksana Dyka in der Titelrolle konnte ihren mächtigen Sopran bestens einsetzen, wenn sie loslegte, blieb kein Auge trocken. Walter Fraccaro sang den Kalaf mit seiner gewohnt kräftigen Stimme, mühelos setzte er sich gegen die Klangwogen durch. Ein triumphales „Vincero“ krönte seine Leistung. Auch Carmela Remigio als Liu war bestens bei Stimme, nach anfänglicher Unsicherheit steigerte sie sich, sehr berührend war dann ihre Todesszene. Ausgezeichnet sangen auch Marcello Nardis (Altoum); Simon Lim (Timur), sowie die drei Minister (Alessio Arduini als Ping, Paolo Antognetti als Pang und Valentino Buzza als Pong).

Eine weniger erfreulich Leistung bot das Orchester. Unter der bemühten Leitung durch Daniele Calligari spielten die Damen und Herren sehr uneinheitlich. Nebst Lärmorgien der grausamen Art waren zwischendurch recht verwaschene Klänge zu hören, die als Begleitung für die Sänger wenig hilfreich waren. Als Entschuldigung mag die räumliche Beengtheit im Orchestergraben dienen, die eine volle Entfaltung der Qualitäten der Klangkörpers doch einigermaßen erschweren. Womit mein Einleitungssatz seine Berechtigung erhält.

Johannes Marksteiner

 

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