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VARNA/ Sommeroper: NORMA

23.08.2016 | Oper

VARNA / Sommeroper: „NORMA“ 22.8.2016

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Daria Masiero. Copyright: Rossen Donev

Die Norma fand sehr spät nach Bulgarien. Die keltische Götterwelt war erst 1972 erstmals in Varna auf der Bühne, wurde dann aber an vielen anderen Opernhäusern Bulgariens nachgespielt.

Nun startet Norma zum zweiten Mal in der Stadt am Schwarzen Meer. 

Das beeindruckend schöne Bühnenbild, eigentlich nur ein sehr fantasievoller farbschöner Hintergrund mit ein bis zwei Versatzstücken und einem Treppenhalbrund schuf der Regisseur Kuzman Popov, der auch eine einfache und sehr verständliche Personenführung gestaltete. Die Geschichte wurde ohne jeglichen Bezug auf heutige internationale Tagespolitik klar erzählt. Die Kostüme von Asya Stoimenova sind nicht nur wunderschön, sondern auch sehr gut farblich zum Buhnenbild passend abgestimmt. Die Lichtgestaltung (3D Mapping) ist ein Kunstwerk von Polina Gerassimova.

Die musikalische Leitung oblag der noch sehr jungen Maestra Viliana Valcheva. Sie kommt von der Korrepetition, was natürlich einen guten Zugang zu den sängerischen Leistungen erwarten lässt. Sie leitete klar und sicher den Abend, etwas mehr Transparenz wäre allerdings noch wünschenswert, aber Dirigenten brauchen auch viel Erfahrung und gerade diese Belcantoopern werden sehr gerne als einfach unterschätzt. Speziell Bellini ist in wissenden Fachkreisen als sehr schwierig bekannt.

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Copyright: Rossen Donev

In der Titelrolle debutierte die junge, aus Alessandria bei Torino stammende Italienerin Daria Masiero. Es war nicht nur das Hausdebut, sondern ihre erste Norma überhaupt. Mit erstaunlich wenig Proben wurde eine sehr gute Leistung geboten. Eine sehr schöne Sopranstimme mit großer Pianokultur. Das Piano zum Casta diva war von nahezu überirdischer Schönheit. Erstaunlich ist, wie ausgewogen die Gestaltung der Rolle bereits ist. Ein bisschen weniger Vibrato im Forte würde alles perfekt machen.

Adalgisa war Daniela Dyakova. Ein sehr heller Mezzosopran, eigentlich ein zweiter Sopran, der sich kaum wesentlich von der Stimme der Norma unterschied, nur dass alles ein wenig lyrischer klang. Was dann doch wieder einen guten Kontrast ergab. Sie war die Einzige, die ihre Rolle schon weltweit gesungen hat. Die Duette der beiden Künstlerinnen waren sicher die Höhepunkte des Abends.           

Boris Lukov hatte die unangenehme Aufgabe, die Rolle des Pollione zu singen. Es ist gar nicht einfach, diese Rolle zu singen, weil sie für eine Belcantooper so ungewöhnlich geschrieben ist. Ein Tenore di Grazia erwürgt sich, eine Spintostimme hat es auch nicht leicht und ein ganz dramatischer Tenor harmoniert weder mit dem Orchester noch mit den Damenstimmen. Lukov hat eine gute Spintostimme, die besser sitzen sollte, dann müsste er auch nicht so abdunkeln. Die Arie klang leider tatsächlich sehr unsicher, da sollte man die Nervenbelastung einrechnen, aber er steigerte sich später sehr und sang im Finale wirklich sehr gut.

Sehr Ähnliches gibt es über Eygeniy Stanimirov als Oroveso zu berichten. Tolles Material. Aber auch hier wäre noch etwas Arbeit mit einem Maestro angesagt. Vielleicht spielten auch im ersten Akt die Nerven mit, nach der Pause lief es doch viel besser.

In den sehr kleinen Rollen fielen Vyara Zhelezova als Clotilde und Hristo Ganevski mehr als positiv auf.

Entzückend die beiden Kinder Normas, das Töchterchen gespielt von Bella Petrova ist bereits eine kleine Persönlichkeit und auch sehr lieb, wenn auch ein wenig schüchtern, der Bub dargestellt von Boris Obreshkov.

Die Chöre waren von Stefan Boyadzhiev exakt einstudiert. Und klangen auch sehr kräftig.

Ein ganz großes Lob an die Maskenbildner, die speziell Oroveso eine sehr gute Alterung verpassten.    

Sehr erfreulich war der Besuch, es war ausverkauft !!!!. Schade, dass es nur einmal gespielt wurde, wie alle anderen Opern auch. Aber das ist die Tradition des Opersommers in Varna am Schwarzen Meer, wo in einem schönen Sommertheater unter Sternenhimmel musiziert wird, nur manchmal gestört von einem Flugzeug oder von der etwas zu lauten Musik des benachbarten Ringelspiele.

Elena Habermann

 

 

 

 

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