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VARNA: DON PASQUALE- Don Pasquale muss umziehen

22.08.2015 | Oper

 

 SOMMER OPER VARNA 20. und 21.8. 2015

Don Pasquale muss umziehen

 Wie schnell sich das Wetter auch hier im Süden ändern kann, merkte ich noch nie so krass. Aber auch am Schwarzen Meer gibt es schwarze Wolken. Am 18. 8. war man während der Aida noch im Hitzeschock, doch zwei Tage später kam der Regen und die Kältewelle aus dem Westen. So saßen wir am 20. voll Erwartung auf die Vorstellung im Auditorium des Sommertheaters unter Bäumen, als pünktlich statt der Ouverture der Dauerregen begann. Da die Wetterwarte für die nächsten 48 Stunden keine Besserung versprechen konnte, mussten die Gäste nach Hause geschickt werden. Ihre Karten haben nun für die Operngala am 25.8. Gültigkeit und für einen Teil der Besucher gab es die gestrige 21. 8. Aufführung im Opernhaus, das aber nur knapp 500 Besucher fasst, während die Sommerarena rund 2500 Plätze bietet.

Svilen_Nikolov
Svilen Nikolov

Somit war es auch interessant, einmal eine Aufführung im Opernhaus zu erleben. Die Inszenierungen, die man im Theater im Freien sehen kann, sind bis auf kleine Ausnahmen immer die Inszenierungen des Hauses, die für die Arena adaptiert werden.

Diese Produktion des Don Pasquale hatte ihre Premiere im April dieses Jahres. Die Ausstattung kam vom Teatro Comunale di Modena, es ist eine sehr kluge Entscheidung der Direktorin Daniela Dimova, mit anderen Häusern zu kooperieren. Das Bühnenbild ist einfach, bietet einen Hintergrung mit einer sehr schöner Aussicht auf Rom und sehr hübschen Möbel als praktische Versatzstücke,  damit auch die Umbauten zügig vorangehen können. Die Kostüme von Elena Ivanova waren eine Modeschau einiger Epochen. Pasquale noch Barock,  bis Ernesto so vorletzte Jahrhundertwende wie Danilo und Malatesta irgendwo dazwischen, wie Norina.  Ebenso war auch die muntere Dienerschar gekleidet. 

Das Orchester spielte nach Turandot und Aida nun sehr spritzig und schwungvoll unter seinem Chefdirigenten Svetoslav Borisov, der auch sehr gut die Bühne im Griff hatte. Ein Extralob geht an den perfekt einstudierten Chor unter Stefan Boyadzhiev. Der Dienerchor war wirklich ausgezeichnet und auch sehr gut inszeniert von Kuzman Popov, der auch fuer die ganze Oper eine lustige und absolute repertoiretaugliche Regiearbeit ablieferte.

Das Sängerteam kam ausschließlich aus dem Ensemble. Es bot sehr gute Qualität und so manche Überraschung, wie die Norina von Irina Zhekova.  Ein lyrischer Sopran mit flotter Gurgel und auch breiter Mittellage. Also keine soubrettige Norina, wie es manchmal passiert, sondern schon fast eine Lucia.  Die junge Dame ist auch eine sehr ambitionierte Darstellerin und sorgte mit ihren Kollegen für einen sehr vergnüglichen Opernabend. In der Titelrolle war Evgeniy Stanimirov zu hören, der auch eine sehr gute Darstellung bot. Ein junger Bass mit einer sehr schönen, aber nicht allzu großen Stimme, die er auch flexibel für die Parlandostellen einsetzen kann. Nachdem Pasquale kein 70jaehriger Tattergreis ist, kann er das auch sehr gut spielen, wie vor vielen Jahren auch Oscar Cervenka als junges Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper.

Georgi Sultanov
Georgi Sultanov

Der Dottore Malatesta ist Svilen Nikolov mit sehr viel Spielfreude und einem wunderschönen Timbre. Dieser Bariton fließt bei Verdi sicher besser, weil diese Stimme für den *komischen* Donizetti bereits zu reif geworden ist. Diesen Sänger würde ich gerne als Posa hören. Eine kleine Entdeckung ist der Ernesto von Georgi Sultanov, der sich wie alle seine Kollegen voll ins Geschehen wirft. Man hört eine sehr weiße, aber dennoch interessante Stimme, sehr sichere Höhen, die er bestimmt noch lockerer nehmen könnte. Manchmal hat man den Eindruck, dass er bald ins Spintofach rutschen wird, und dann ist wieder alles im fast Rossinistil gesungen. Daran sollte der junge Künstler arbeiten. Der Notar war ein Kollege aus dem Chor.

 PS: Am verregneten Vorabend hörte ich beim Verlassen des Theaters wienerische Töne und lernte so in der Fremde Merker Fans kennen.

Elena Habermann

 

 

 

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