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USA, ATLANTA / High Museum of Art: GO WEST!

10.11.2013 | Ausstellungen

OLYMPUS DIGITAL CAMERA  Go West Buffalo Bill

USA, ATLANTA (GEORGIA) / High Museum of Art: 
GO WEST!
ART OF THE AMERICAN FRONTIER FROM THE BUFFALO BILL CENTER OF THE WEST
Vom 3. November 2013 bis zum 13. April 2014 

Realität und Nostalgie

Das war der Wilde Westen – in unzähligen Filmen beschworen, im deutschen Sprachraum besonders von Karl May romantisiert, hat die Eroberung des Westens durch die Weißen für das heutige Amerika zwei Gesichter: Auch hier herrscht Indianer-Nostalgie und Sehnsucht nach einer „guten alten Zeit“. Aber man ist sich absolut dessen bewusst, dass man die „Indianer“ dämonisiert und zum Feindbild gemacht hat, um eine Art von „Berechtigung“ zu gewinnen, sie ihres Landes zu berauben und sie mit geringen, in Reservaten lebenden Resten auszurotten.. Dennoch ist die Ausstellung „Go West“ in einem der schönsten Museen der USA, dem High Museum of Art in Atlanta, auch ein Schauvergnügen, das gut 250 edelster Objekte aller Art zusammen getragen hat.

Von Heiner Wesemann

Die stufenweise Eroberung    Nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg schien die Zeit gekommen, das Land nicht nur an seinen Küsten zu besiedeln, sondern tief in noch unbekannte Regionen vorzudringen. 1803 hatte der berühmte „Louisiana Purchase“ (Napoleon hatte die französischen Gebiete verkauft) der neuen Nation zu riesigen Landgewinnen verholfen. Die wollten erobert werden.  Zuerst kamen die Künstler, die Forscher und – die Geschäftemacher: Man muss sich vorstellen, dass hier zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Kontinent scheinbar (nach Sicht der Weißen) nur darauf wartete, in Besitz genommen (und ausgebeutet) zu werden. Man ging nach Westen und malte die landschaftlichen Schönheiten, man interessierte sich für Flora und Fauna (eine Welt der Büffel und Mustangs), auch für die Einheimischen. Und man erkannte sofort, dass hier grenzenlose Möglichkeiten bestanden, Geschäfte zu machen.

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Die Indianer werden gefunden     Es waren die Forscher Meriwether Lewis und William Clark, die 1804 westlich des Mississippi vordrangen, Berge, Wüsten, Prärien fanden – und die Indianer, die dieses Land bewohnten. Diese Indianer und ihre pittoresk scheinenden Lebensformen wurden zum Objekt des Interesses – die Ausstellung bietet sowohl die Originale, die gesammelt wurden, wie die Reflexionen der Weißen auf Gemälden und später Fotos. Realität und Romantik (der „edle Wilde“) konnten (und können bis heute) nicht gänzlich zur Deckung gebracht werden. Maler konnten sich an den neuen Sujets nicht sattsehen, Indianer bei der Büffeljagd etwa wurden eines der beliebtesten Motive (ein ausgestopfter Bisonkopf hängt anklagend in einem der Räume aus der Wand). Bis klar wurde, dass ebendiese Indianer ein Hindernis bei dem darstellte, was rücksichtslos unternommen wurde: Die Okkupation und Inbesitznahme von Land, das ihnen gehörte, durch den „Weißen Mann“.

Heldentum und rauchende Colts    Bald zogen ganze Trecks in das Innere des Kontinents, und das Leben der Pioniere war hart. Immer wieder fungierten Einzelne als Grenzgänger zwischen Indianern und Weißen. Kundschafter begleiteten die Siedler, es kam zu Zusammenstößen mit Indianern, die dann auch berühmte Figuren der Geschichte (und der Geschichten) wurden. Und nach und nach waren es Typen wie Sheriffs oder Cowboys, die in der Mythologie des Wilden Westens unabdingbar wurden.

Go West Bueffeljagd Nostalgie  Go West Bierstadt Der letzte Bueffel

Der Westen als Landschaft     Ein großer Teil der Ausstellung ist den Gemälden gewidmet, die die Naturschönheiten und die Genreszenen des „Wilden Westens“ einfingen – manche der Maler wie der deutschstämmige Albert Bierstadt (1830-1902) schuf mit seinem Gemälde „The Last of the Buffalo“ (von ca. 1888) ebenso Nostalgie, wie sie die Stämme später selbst herstellten, wenn sie Lederhäute mit Jagdszenen bemalten…

Die Kommerzialisierung des Mythos    Im Vorraum des Museums kann man seinen Kopf durch ein Pappbild von Annie Oakley („Annie, get your gun!“) und Buffalo Bill Cody stecken und sich solcherart selbst als Westernlegenden fühlen. Buffalo Bill ist der Höhepunkt dieser Kommerzialisierung des Westens, er reiste mit seiner „Show“ durch die ganze Welt (er war auch 1906 in Wien und zeigte seine Show im Prater). Gerade zu dieser Tournee hat die Ausstellung eine Menge Material zu bieten.

Fotos, Waffen, Objekte     Der Wilde Westen war, wie immer man es nimmt, eine Kampfzone, und den Waffen kam große Bedeutung zu. Die „Winchester“ wurde so legendär, dass man sogar einen Kinofilm danach nannte, und viele Schießwerkzeuge aller Art finden sich ausgestellt. Interessant auch die Fotos berühmter Personen, etwa des legendären Häuptlings „Sitting Bull“. Objekte gleicherweise von Indianern und Siedlern runden das Bild einer Ausstellung, die ihr Thema „schön“ präsentiert, ohne es schön zu färben.

Bis 13. April 2014 

 

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