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UNKNOWN USER

15.07.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Unknown User~1

Ab 16. Juli 2015 in den österreichischen Kinos
UNKNOWN USER
Unfriended  / USA  / 2014 
Regie: Levan Gabriadze
Mit: Shelley Hennig u.a.

Erwachsene, die noch in anderen Zeiten und Welten domestiziert wurden, können nach wie vor nur den Kopf schütteln, aber eine Teenager-Jugend, die mit Computer, allen möglichen Handy-Formen und sozialen Medien aufgewachsen ist, lebt ganz selbstverständlich in ihrer Cyberwelt. So ist es eine absolut nahe liegende, sogar höchst einsichtig-überzeugende Version eines zeitgemäßen Krimis, diesen ausschließlich auf dem Computer-Schirm stattfinden zu lassen…

Sagen wir gleich, dass es für Erwachsene, die froh sind, ihre Mails zu schreiben und abzurufen, im Netz ein bisschen Zeitung zu lesen und ein bisschen Wikipedia zu recherchieren, wirklich nicht leicht ist, dem Geschehen zu folgen. Nicht nur, weil ein Bildschirm – auch auf der Kinoleinwand – eine kleinteilige Sache ist. Sondern weil man nicht weiß, wie es gemacht wird, obwohl es zweifellos völlig realistisch und für die Kids ganz selbstverständlich ist zu wissen, wie man in anderer Leute Computer hineinbegibt, wie da ganze Konferenzen junger Leute stattfinden… und dass die Freaks dort unterwegs sind, das weiß man ohnedies.

Unknown User~1

Dennoch geht es natürlich auch um die Dämonisierung des Mediums, das da zu einer großen Bedrohung heranwächst, und als Erwachsener fragt man sich, warum die Beteiligten nicht einfach „aussteigen“ und zur Not halt den Stecker ziehen, statt sich fürchterlich kreischend zu fürchten… Auch wenn man es ihnen mit Drohungen verbietet, einen Versuch wäre es doch wert. Aber wahrscheinlich glauben sie (sie gehen ja auch ins Kino), dass das blutig gerächt werden könnte: Schließlich ist der thematische Ausgangspunkt der Geschichte ja alles andere als harmlos und in unserer Welt alles andere als ungewöhnlich: dass sich ein junger Mensch umgebracht hat, weil er dem gnadenlosen Mobbing seiner Altersgenossen ausgesetzt war…

Die Geschichte spielt in Californien, könnte aber überall vorkommen. Die Handlung wird – wie gesagt, für Erwachsene stellenweise durchaus verwirrend – als Video-Chat abgewickelt, sechs Schulkollegen sitzen nicht gemütlich in der Kneipe, sondern jeder vor seinem Bildschirm. Ein Unbekannter, der „Unknown User“ des Titels, schaltet sich zu ihnen – und siehe da, es ist angeblich die Tote, die sich vor einem Jahr das Leben genommen hat. Na ja, die Rächer kommen zurück, man kennt das ja aus anderen Horror-Filmen – und dieser ist wahrlich einer. Da werden die sechs Freunde (sympathisch sind sie eigentlich nicht!) am Bildschirm von einem „Allwissenden“ regelrecht aufgeblättert und… Na, man soll nicht zu viel verraten.

Regisseur Levan Gabriadze kann die permanente Unruhe, die durch die verschiedenen Zugriffe auf dem Laptop gegeben ist, natürlich nicht beschwichtigen, lässt es aber gewissermaßen ganz normal angehen – man „chattet“ halt über dieses und jenes, natürlich auch über (geplanten) Sex. Und man schaut sich alte Videos an, etwa jenen, der einst zum Selbstmord von Laura geführt hat… Zu Blaire (Shelley Hennig) gesellt sich ihr Freund Mitch (Moses Storm), und wenn die anderen dazu kommen, sind es Gespräche von erschütternder Banalität, die sich entfalten. Bis ein unbekannter User ganz plötzlich fragt, wer eigentlich das Video ins Netz gestellt hat, das zum Selbstmord von Laura Barns (Heather Sossaman) geführt hat. Und die Todesdrohungen folgen auf dem Fuß.

Die Handlung wird immer kreischender und undurchsichtiger, und die anfangs faszinierende Form (sobald man kapiert, dass es kein anderes Bild geben wird als den Bildschirm!) nützt sich ja doch ab. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass hier ein Regisseur einfach den richtigen Zugang zum Thema gefunden hat – wenn man auch hoffen möchte, dass via Internet noch nicht gemordet werden kann. Das bleibt doch hoffentlich dem Horror-Movie vorbehalten. Oder?

Renate Wagner

 

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