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TTT: Kulturkommentar + Musiktheaterdenken Theaterfremd? Weltfremd? Bayreuther „KI – Ring“ 2026 KI – Hype versus Allzeit – Kunst

25.07.2026 | Themen Kultur

TTT: Kulturkommentar + Musiktheaterdenken

 Theaterfremd? Weltfremd? Bayreuther „KI – Ring“ 2026

 KI – Hype versus Allzeit – Kunst

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 KI ist potentes Werkzeug zur Inspiration /Effizienzsteigerung. Kunst entsteht durch analog – humane Inspiration / Intuition. KI kennt keine seelische Tiefe, physisch psychisch   Menschliches, bleibt Werkzeug, kann Menschen nicht substituieren.

 Statt neuen natürlichen Erkenntnissen reflektierender Wissenschaften, nutzt man synthetische künstliche Intelligenz. Dieser Text korrespondiert mit „Visionen, Transformationen etc.“ erscheint bald im Online Merker.  

 Bayreuther Festspiele 2026 „Ring des Nibelungen“: kuratierte KI – Bildgebung ersetzt Inszenierung, will sich durch Projektionen definieren. Man arbeitet ohne Regisseur, verzichtet komplett auf übliche Bühnenbilder. Technologie der Etikette KI soll Menschenwerk Regie und Inszenierung ersetzen.

Kuratieren bedeutet hier,  alles Visuelle auf der Bühne zu entwickeln, zu verantworten.

Richard Wagners Musik ertönt – und eine „KI – Maschine“ spuckt aus, was dazu so gem. Programmierung variabel sortiert wird. So eine multimediale Installation begleitet Musik Wagners visuell. Den inszenierten Rahmen bestimmt KI Technologie. Sänger agieren in einer „ruhigen, fast skulpturalen Präsenz“ ohne komplexe Handlungsvorgaben, was eher einer konzertanten Aufführung mit visueller Untermalung gleicht statt szenischer Inszenierung.

 Team: wenig mehr als Autodidakten künstlicher Intelligenz aufgrund fehlender Ausbildungen oder nachhaltiger beruflicher Erfahrungen, die eigentlich eher aus traditionellen Tätigkeiten / Ausbildungen darstellender Kunst kommen, überlassen die Inszenierung künstlicher Intelligenz. Ist die Blamage bei der Fußball-WM nicht genug?

 Konkrete Ausbildung und beruflicher Hintergrund der Experten, Kuratoren der KI – Inszenierung.

 Teamchef ist kein klassischer KI – Ingenieur oder Informatiker sondern gem. Ausbildung nur gelernter Opernsänger, der als Regisseur, Ausstatter und Autor arbeitet, seit März 2019 künstlerischer Leiter der neu gegründeten „Akademie für Theater und Digitalität“ ist.

 Ein Programmierer, Musiker und Theaterautor ist verantwortlich für  künstlerisch-technische Konzeption und Creative Code/Visual Art (?), hat Informatik studiert, entwickelt Virtual Reality in Performance-Kontexten und Visualisierungssoftware.

 Ein Forscher immersiver Theaterformen, Digital-Künstler und „Creative Technologist“ ist zuständig für Creative Code und Visual Art, hat Medieninformatik studiert.

 Verantwortlich für Digital- und KI – Storytelling ist ein  Autor und Dramaturg im Schwerpunkt hybrider Theaterformen, mit Studium „Szenisches Schreiben“ und Regie.

 Dramaturg der Kuratierung hat naturwissenschaftlichen Hintergrund, studierte Philosophie,  Musikwissenschaft, und theoretische Physik, hat „Master of Advanced Studies“ im Kulturmanagement, arbeitet als Opern- und Konzertdramaturg. 

 Was unglaublich erscheint: es gibt bei den Machern überhaupt keine ausgewiesenen KI – Fachleute gem. Tätigkeit und Ausbildung. Damit scheint die Schaffung individueller künstlicher Intelligenz – Räume  ausgeschlossen, auch wenn eine offensichtliche Datensammlung als diese ausgegeben wird.

 Tatsächlich wird es wohl eine nahezu konzertante Aufführung mit wechselnden Bildern in behaupteten KI generierten Projektionen, ohne inszenierte Körpersprache / Bewegungschoreografie im Raum. Eingeräumt wird, dass Abfolge und Mischung der Bilder „nicht zu 100 Prozent KI generiert“ erfolgen kann, limitierten Datensätzen unterliegen. Es soll  ein KI – System sein, das zwar eigenständig Bilder generiert, aber strikten Vorgaben und Limitierungen unterliegt. 

 Diese KI – Bilder rekonstruieren Vergangenheit durch Datenstatistik und fixieren damit Stand der Technik. Da KI sich sehr rasch exponentiell entwickelt, hat diese rein visuelle Darstellung ohne „Wort – Ton – Synthese“ nur ganz kurze Gültigkeit.

 KI in vitaler Biosphäre der Protagonisten, über statische Bildgebung hinaus, gibt es nicht! (s. Folgetext in Kürze zu Anwendung von Quantenphänomenen u. a. in Musiktheater – Inszenierungen). Von allgemein propagiertem KI – Tun abweichend,  hat diese KI keinen Zugriff auf das Internet.

 Algorithmisch generierte Bilder (gemachte Technik ist künstlich, war bisher nie künstlerisch) zeigen beliebige, aber vorgegebene KI Trainingsdaten aus Vergangenheiten (letztlich historisierend), dokumentieren Stand der KI als flüchtigen Moment.

 Momentaufnahme jenseits aller temporären Dimensionen (s. Matrix: was ist, war, sein wird, sein könnte) hat also auch nur in jeweiligem Moment Geltung, Bedeutung etc. … und KI wächst ja exponentiell: „heute ist da morgen schon vorgestern“!

  Die visuelle Gestaltung soll sein … durch speziell trainierte künstliche Intelligenz. Diese KI arbeitet nicht autonom im offenen Internet, sondern greift zurück ausschließlich auf kuratierte Daten aus Libretto, Musik, Partitur, Bildmaterial der Bayreuther „Ring“-Aufführungen von 1876 bis 2024, ausgewählte Dokumente der Welt-/ Zeitgeschichte, auf repräsentative historische Ereignisse von jedem der 150 Festival – Jahre.

Ausschließlich kuratierte historischen Daten sollen also „Sedimentschicht“ der Bayreuther Geschichte erschaffen!

D.h. entgegen „Universalwissen“, mit  KI suggeriert, unterliegt die KI in Bayreuth enger Limitierung. Kann KI gelenkt, eingeschränkt, begrenzt werden, ohne Bedeutung zu minimieren?

Ist dies noch generative KI oder nur angewandte variable digitale Recherche in eingeschränktem Datensatz?

Funktional setzte man Parameter und präsentiert rein technisch – digitales Ergebnis behaupteter Kunst ohne künstlerische menschlich resonante Aktivität.  

Dieser angeblicher Meilenstein hat leider spezifische Beschränkungen. Man beschreibt die Musik als „Skulptur“ (wohl kaum ausschließlich fest und statisch, also auch kinetisch (beweglich), virtuell, raumoffen? Das wäre nicht neu sondern Tradition!), die durch live generierte, sich ständig verändernde Bildwelten visuell untermauert wird und es sind nur diese Bilder. Das alles klingt mehr nach werblichem „Gesäusel“ als nach Fakten!

Es fanden lediglich vier Tage Proben mit dem Ensemble statt, Begründung: da keine komplexen Bühnenbilder gebaut oder Lichtstimmungen manuell einprogrammiert werden.

Da die Akteure lediglich „Programmierungsproben für die KI“ machten, Proben am Theater eigentlich seit allen Ewigkeiten als „Verabredung“ – also als Grundvoraussetzung für das gemeinsame Erleben und Gestalten einer Inszenierung – gelten, soll diese mit KI wohl durch Zauberhand geschehen?

Licht ist ebenfalls KI – gesteuert, wodurch auf zeitaufwändige Beleuchtungsproben verzichtet wird. Allerdings hat auch KI noch keine prophetische Gabe, um Positionen der Protagonisten beim Ausleuchten zu berücksichtigen.

Da es keine szenischen Proben für Interaktion mit Projektionen gibt, sollen Singende also Teil einer musikalischen, aber tatsächlich absehbar langweiligen statischen Skulptur, nach Ansage des Dirigenten Ch. Thielemann, auf einer  Position werden, die sich nur an musikalischer Dramaturgie orientieren soll (?), ohne Proben (z. B. Körpersprache) also nur improvisiert sein kann.

Ob der Bayreuther KI – Ring als Dokumentation wissenschaftlichen Fortschritts geeignet ist, hängt von der Definition „Wissenschaft“ ab. Als Dokumentation des Fortschritts in angewandter Informatik, Mustererkennung und Medientechnologie könnte das Projekt wohl relevant sein und zeigen, wie komplexe neuronale Netze in Echtzeit Entscheidungen treffen, Datenmengen in Bilder umsetzen können. Aber wozu? Zum Team gehören keine Forscher, Wissenschaftler, KI – Entwickler.

 Ob damit Kunst in eingeschränkter KI gemacht werden kann, dürfte dann neuen Definitionen überlassen werden.

 „Verkauft“ als „neuronale Kunst“ sollen  zwei Hauptformen gelten: künstlich generierte Kunst (KI-Algorithmen,die z .B .Bilder oder Musik erschaffen) und Neuroästhetik (die Erforschung der neuronalen Prozesse beim Kunstschaffen und -betrachten). Künstlich nicht künstlerisch generierte Kunst? Grenze zwischen Kunst und künstlich ist somit in Bayreuth aufgehoben.

 Bleibt also Kunst oder nur „Momentaufnahme dessen, was gerade technisch möglich ist?“, wie der Teamchef einräumt. 

 KI bleibt Werkzeug, da menschliche Kreativität, ästhetisches Urteilsvermögen zur Kunst unersetzlich bleiben, vitale Erfahrung und emotionale Tiefe fehlen, die für eine künstlerische Aufführung essenziell sind.

Menschlicher Kern: Live-Erlebnis und Präsenz echter Menschen auf der Bühne gelten als unersetzlich. Eine Maschine, die mit EDV errechnete Worte, Bildgebungen aneinanderreiht, kann  Kern von Kunst nicht transportieren.

Metaphysische Visionen, künstlerische Transformationen, Quantenphänomene, Parallelwelten bis zu sinnlich kulinarischen Verhältnissen in Naturgesetzen werden in solchen nur kognitiven Anstrengungen genauso wenig erreicht wie im Regietheater.

 Theaterpraxis muss einen kritischen und reflektierten Umgang mit Technologien wie KI pflegen. KI ist Werkzeug, aber menschliche Kreativität und ästhetische Urteile bleiben  unersetzlich, sonst werden Naturgesetze entwurzelt. KI fehlt leiblich sinnliche Erfahrung, Kontextwissen und emotionale Tiefe, die für künstlerische Aufführung essenziell sind. Menschlicher Kern ist Live-Erlebnis und Präsenz echter Menschen.

 Technik und KI dienen im Theater als Mittel, eigentliche Kunst entsteht nicht im Code, sondern in analoger Arbeit von Menschen vor, auf und hinter der Bühne, die auf menschlicher Erfahrung und natürlichen Prozessen basiert.

 Und nochmal:  KI und Digitalisierung sind Werkzeuge der Informatik, Theater in seiner Kunst lebt von analoger Präsenz der Menschen. Kunst folgt keinen technischen, sondern natürlichen emotionalen Gesetzen, kann nicht strukturiert sein.

 Dominanz: Wer Informatik –  Parameter in KI als fertige Kunst behauptet, erst recht als Autodidakt ohne nachhaltigen fachlich gelebten Hintergrund, mordet Analoges und gewachsene Theater – Universen, da seinem Werkeln menschliche Resonanz fehlt, Ergebnisse reine Vabanque – Spiele sind, hochriskant in Schlüssigkeit, theatralem Wert, zur Theater – Zukunft.

Historische Vabanquespiel der Antike ist z. B.  Cäsars Überschreitung des Rubikon (49 v. Chr.)  Mit der Überschreitung des Grenzflusses Rubikon mit seiner Armee missachtete er das Gesetz, das Generälen das Betreten Italiens mit Truppen verbot. Er wusste, dass es kein Zurück gab („Alea iacta est“ – Der Würfel ist gefallen).

Oder die  Kubakrise (1962) mit  Nikita Chruschtschow und John F. Kennedy im Vabanquespiel: Sowjetunion stationierte Atomraketen auf Kuba, vor der Haustür der USA. Kennedy reagierte mit Seeblockade und stellte Ultimatum. Beide setzten alles auf eine Karte. Fehler hätte atomaren Holocaust bedeutet.

Im Gegensatz zu technischem Experiment, das Daten liefert, dokumentiert meine Doktrin  (s. https://onlinemerker.com/ttt-doktrin-musiktheater-inszenierungen-2026-sein-oder-nichts-sein/) Prozesse der Wahrnehmungserweiterung.  Während der Bayreuther KI-Ring algorithmisch generierte Bilder zeigt ( „gemachte“ Technik), beherrschen „gewachsene“ Strukturen der Naturphilosophie die Bühne. „Messlatte“ ist Schlüssigkeit der Gedanken und Fähigkeit  „Parallelwelten“ zu eröffnen, die tieferen Wahrheiten entsprechen, statt  historische Daten zu rekonstruieren. 

Prozesse der Wahrnehmungserweiterung.  Während der Bayreuther KI-Ring algorithmisch generierte Bilder zeigt ( „gemachte“ Technik), beherrschen „gewachsene“ Strukturen der Naturphilosophie die Bühne. „Messlatte“ ist Schlüssigkeit der Gedanken und Fähigkeit  „Parallelwelten“ zu eröffnen, die tieferen Wahrheiten entsprechen, statt  historische Daten zu rekonstruieren. 

 Der fundamentale Unterschied zwischen Bayreuther KI und meinem Ansatz liegt in der Herkunft und Natur der generierten Inhalte. Bayreuther KI ist ein datenbasiertes, deterministisches (unflexibles) System, vergangenes Bildmaterial. Behauptete Kreativität  ist statistisch beliebige Neuanordnung von Historie innerhalb programmierter Grenzen. Es handelt sich um eine Simulation von Rezeptionsgeschichte, nicht um die Erschließung neuer, naturgegebener Dimensionen neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse.

 Mein Gegensatz sind z. B. universelle Naturgesetze wie Quantenphänomene. Die sind „natürliche Möglichkeiten“ frühere Zeitschienen zu reaktivieren und in die Zukunft zu führen. Damit wird auf Integration von Gegenwärtigem und Universellem gezielt, unabhängig von menschlicher Kulturgeschichte.  

 Bayreuther Ring – KI – Kuratierung ist z. B. nicht geeignet Fortschritte im Verständnis von Quantenphänomenen oder feinstofflichen Stukturen humanen Lebens zu dokumentieren.

 Statt  Theater der Informatik und KI, dem Ende analoger dramatischer Kunst, sollten sich Naturgesetze – z. B. gestützt auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Feinstofflichem und Quantenphänomenen – organisch weiterentwickeln; denn während digitale Technik von heute morgen schon überholt ist, wird  in Naturgesetzen verwurzelte dramatische Kunst unsterblich bleiben.

 Kernkonflikt zwischen KI – Hype und dramatischer Allzeit –  Kunst liegt im Bewusstsein, in Intentionen. Während KI – Generatoren technisch durchaus beeindruckende Bilder erzeugen, fehlt (z. B. nach Philosophem Dieter Mersch) Fähigkeit zu reflexivem historisch, gegenwärtig, futuristisch und im Konjuntiv verankertem Denken der Reproduktionen durch KI.

 25Juli 2026

Tim Theo Tinn

 

 

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