Torre del Lago/Puccini Festival
MADAMA BUTTERFLY – 22.8.2026

Foto: Klaus Billand
Emotional mitreißend!
Diese „Madama Butterfly“ auf der riesigen Freilichtbühne von Torre de Lago im Rahmen der 72. Ausgabe des Festivals, gleich neben der Villa des großen Italieners und Komponisten Giacomo Puccini, war schlicht emotional mitreißend. Alles wird an dieser Pilgerstätte der Puccini-Liebhaber, Liebhaber des Belcanto und des sehr guten italienischen Operngesangs noch einmal auf eine andere Ebene gehoben. Elena Stikhina hatte am Erfolg dieses Abends zentralen Anteil. Ja, er stand ganz in ihrem Zeichen als für alle im Publikum eindrucksvoll und authentisch leidende Butterfly. Stikhinas Interpretation der Cio-Cio San war emotional berührend, auch ihre Interaktion mit dem kleinen Jungen und ihrer Begleiterin Suzuki. Und dazu ihr leuchtender wohltimbrierter und bestens intonierter Sopran mit dramatischem Aplomb und einer ausgezeichneten Technik und Projektion. Er spricht in allen Lagen bestens an.

Foto: Klaus Billand
Mit dieser Stimme hatte Elena Stikhina 2014 in Linz mit der großen Arie der Leonore „Tacea la notte placida“ aus G. Verdis „Troubadour“ den 1. Preis der Competizione dell’Opera gewonnen und seither eine beachtliche Karriere hingelegt, unter anderem mit einer Salome in Zürich und von Kritik und Publikum bewunderten Auftritten bei den Salzburger Festspielen. Bei den im Piano gesungenen intimeren und introvertierten Passagen kam ihr auch der Dirigent zum Hilfe. Maestro Antonino Fogliani ließ mit dem Orchester das Puccini Festivals gerade die zarten Seiten der Partitur wunderbar erklingen. Sie sind ja gerade im Vorspiel zum 2. Akt so wichtig, wenn beide der erhofften Rückkehr von Pinkerton harren. Hier nahm das Bühnenbild von Pier Francesco Maestrini, der auch für die geschmackvollen, ganz in japanischen Stil gehaltenen Kostüme verantwortlich zeichnete, im Licht von Valerio Alfieri wunderschöne intime Blautöne an. Musik und Optik passten auf wundersame Weise zusammen…

Elena Stikhina. Foto: Klaus Billand
Das Leading Team schaffte es mit dieser Produktion der japanischen Seele in der Interpretation dieser Oper außerordentlich nahe zu kommen, und das wurde durch das Orchester und das hervorragende Sängerensemble musikalisch bestens umgesetzt. Ein großer, meist weißer Fächer bildete den Bühnenhintergrund, zwei kleinere zur Seite. Das war auch akustisch gut. Im Zentrum des Fächers öffnete sich ein Fenster, in dem einmal die stürmische, dann die ruhige See zu sehen ist, je nach Stimmung der Protagonisten. Sogar die Ankunft der Groß-Seglers Abraham Lincoln war hier zu sehen. Man sieht auch typisch japanische Landschaften, oft nur symbolisch oder überhöht angedeutet, Bäume, die berühmten Hügel und Berge. Immer sehr geschmackvoll, niemals kitschig!
Im Vorspiel sah man, wie ein Schmetterling aufgespießt wird und Blut herausströmt, eine Referenz an Cio-Cio Sans späteren Kommentar zu Pinkerton… Man wird also gleich eingestimmt auf das tragische Ende dieser wunderbaren Oper, von der Gérard Mortier einmal sagte, dass man sie nicht mehr aufführen könnte…

Laura Verrecchia. Foto: Klaus Billand
Die übrigen Sänger waren ebenfalls sehr gut, und zwar Laura Verrecchia als Suzuki mit einem herben Mezzo, der aber zum leuchtenden Sopran der Stikhina gut passte als ihr Alter Ego, die realistischen Einschätzung des wahrscheinlich Kommenden. Luciano Ganci war ein Pinkerton von passendem Format. Ein heller, strahlender Tenor mit allen Höhen, aber eben auch die Leichtfertigkeit seines Gebarens vokal offenlegend. Er glänzte mit strahlenden Spitzentönen. Nicola Alaimo als mahnender Konsul Sharpless präsentierte einen kraftvollen Bariton. Vom Klang der Stimme her schon etwas älter, aber er interpretierte die emotionalen Wendungen der Rolle darstellerisch und stimmlich sehr überzeugend. Er war sozusagen das gute Gewissen des Geschehens.
Andrea Galli war ein engagierter Goro, Murat Can Güven ein frustrierter Prinz Yamadori und Deyan Vatchkov ein prägnant polternder Bonzo. Die weiteren Nebenrollen waren, wie in Torre del Lago üblich, ebenfalls bestens besetzt. Diesen gelungenen Abend am Lago di Massaciùccoli wird und kann man so schnell nicht vergessen.
Schlussapplaus: Foto: Klaus Billand
Dr. Klaus Billand

