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TOMB RAIDER

14.03.2018 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 16. März 2018
TOMB RAIDER
USA / 2018
Regie: Roar Uthaug
Mit: Alicia Vikander, Dominic West, Kristin Scott Thomas, Daniel Wu, Walton Goggins u.a.
So ganz versteht man es nicht. Wenn man das Remake eines einstigen Erfolgs anpeilt, dann sollte man ihn doch nach Möglichkeit noch übertreffen können. 2001 und 2003 spielte Angelina Jolie in zwei Filmen die Comic-Heldin Lara Croft, die durch sie bemerkenswerte Leinwandpräsenz erhielt. Nun hat man die Jolie dennoch nie für eine große Schauspielerin gehalten – die heute gerade 30jährige Schwedin Alicia Vikander hingegen hat man schon oft bewundert, ob in „The Danish Girl“, wofür sie den Nebenrollen-„Oscar“ erhielt, oder in „Tulpenfieber“. Sie ist eine hervorragende, zu den raffiniertesten psychologischen  Nuancen fähige Schauspielerin. Sie ist allerdings dermaßen nicht Lara Croft, dass das schier Unmögliche eintritt – man sehnt sich nach Angelina Jolie zurück…

Denn sie gab der Comic Figur alles – körperliche Geschmeidigkeit, Glaubwürdigkeit und Aggressivität in allen wilden Action-Szenen, sexy Glamour, kurz, lebendiger konnte das gezeichnete Supermädchen nicht werden. Alicia Vikander ist eine schlanke bis dürre junge Frau, die zwar alles ausführt, was man von ihr an wüsten Aktionen verlangt, aber dabei immer steif und unüberzeugend bleibt. Sie sieht permanent ernst und betroffen drein, nie mit dem Quentchen Humor und Ironie, mit dem Filme dieser Art anzupacken sind. (Das mag wohl auch der Fehler des Regisseurs gewesen sein.) Kurz, nichts, was sie tut, überzeugt eine Sekunde lang – und wenn der Film am Ende ganz deutlich die Schienen in eine Fortsetzung legt, so fragt man sich, ob man sie noch einmal in dieser Rolle sehen will.

Dabei tut das Drehbuch alles, um uns diese Lara Croft als „körperliches“ Ereignis vorzustellen: In der ersten Szene boxt sie, dann gibt es eine (prächtig gefilmte) Fahrrad-Hatz durch London, und wenn sie dann in Hongkong von jungen Männern mit Messern bedroht wird, dann setzt sie diese mit einigen Kampfsport-Tricks außer Gefecht. Und laufen kann sie, das muss sie immer wieder beweisen… ja, und Bogenschießen kann sie auch. Aber sie tut alles nur als Pflicht, nicht als lockere, selbstverständliche, bewundernswerte Kür.

Lara Croft ist – der Film unterscheidet sich in der Struktur kaum von den vorangegangenen – wieder die reiche Tochter, die das ererbte Herrenhaus allerdings ebenso verschmäht wie den Konzern-Reichtum, den Papa (Dominic West erlebt man jung und alt) ihr vermacht hat. Dessen Tod will sie nicht akzeptieren – in vielen Rückblenden auf die kleine Lara als Kind wird die innige Beziehung zwischen Vater und Tochter klar, und er ist offenbar nur weggegangen, um die Welt zu retten.

Als sie in der Familiengruft seine Unterlagen findet, die ihn (nicht wie im vorigen Film nach Kambodscha) nach Japan geführt haben, macht sie sich sofort auf den Weg. Zusammen mit einem erst widerstrebenden, dann hilfreichen Chinesen (Daniel Wu) bricht sie von Hongkong zu der japanischen Insel auf… Seesturm und Schiffbruch inbegriffen.

Man braucht die stereotype Handlung nicht zu erzählen, es versteht sich, dass dort ein Bösewicht (Walton Goggins) die Kontrolle übernommen hat, Papa wohl auch auftaucht und Lara die unmöglichsten Kunststücke vollbringen muss, um in das Grab einer japanischen Kaiserin zu gelangen (u.a. jongliert sie auf einem abstürzenden Flugzeugwrack über einem Wasserfall).

Dass man die Unmöglichkeit und Dummheit der Geschichte immer merkt, zumal wenn man in das Grabgewölbe eintritt, ist der Fehler der Regie – das Ganze müsste als Märchen seine eigene, selbstverständliche Qualität gewinnen, die man nicht mit Logik hinterfragt. Der Norweger Roar Uthaug sorgt zwar als Regisseur  für die nötige Action, aber nicht für die Stimmung, die ein Film dieser Ar braucht.

Dass hier in winzigen Nebenrollen (Derek Jacobi) herrliche Schauspieler walten und dass sich Kristin Scott Thomas, die so viel falsche Liebenswürdigkeit verströmt, möglicherweise als die Gegnerin in zukünftigen Filmen herausstellt – es macht die Sache nicht besser. Alles scheitert daran, dass dieser Lara Croft-Film ohne Lara Croft auskommen muss. Wer immer für diese Besetzung verantwortlich ist – der Missgriff ist ähnlich wie jener, Hollywood scherzt noch heute darüber, Tony Curtis einst als Wikinger auf die Leinwand gebracht zu haben…

Renate Wagner

 

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