Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

TODESFÄLLE – STAND MAI 2020

27.04.2020 | Todestage

TODESFÄLLE – STAND MAI 2020

Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

 Sir John TOOLEY ist am 18.3.2020 verstorben

 Geboren am 1. Juni 1924 in Rochester (Kent); Biographie des ehemaligen Generaldirektors der Covent Garden Oper London auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/John_Tooley

 

Edward H. TARR ist am 24.3.2020 in Rheinfelden (Baden) verstorben

 Geboren am 15. Juni 1936 in Norwich (Connecticut); er war Schüler der Orchestertrompeter Roger Voisin (Boston Symphony Orchestra) und Adolph Herseth (Chicago Symphony Orchestra). 1959 zog er nach Europa, um an der Universität Basel Musikwissenschaft zu studieren. 1972-2001 unterrichtete er sowohl an der Musikhochschule Basel als auch an der Schola Cantorum Basiliensis. 1985-2004 war er Direktor des Trompetenmuseums Bad Säckingen. Ab 2005 hatte er eine Professur an der Hochschule für Musik Karlsruhe inne. 2013 wurde ihm durch die Europäische Kulturstiftung Pro Europa der Europäische Solistenpreis verliehen. Edward H. Tarr lebte mit seiner Frau Irmtraud Tarr im Ortsteil Eichsel von Rheinfelden. Edward H. Tarrs Repertoire umfasste neben Schwerpunkten aus der Barockzeit und der Romantik auch zeitgenössische Kompositionen. Der Komponist Mauricia Kagel widmete ihm eine Reihe von Werken. Als Musikforscher war Tarr Herausgeber zahlreicher Urtextfassungen bekannter Trompetenkonzerte, sowie der Komplettausgabe der Trompetenwerke von Giuseppe Torelli. Weiterhin wirkte er an der Entwicklung neuer Instrumentenmodelle (mit Yamaha in Hamamatsu) und an der Rekonstruktion historischer Blechblasinstrumente (mit Meinl und Lauber in Geretsried sowie Adolf Egger und Sohn in Basel) mit. Als Autor hat er mehrere Bücher verfasst, darunter das Standardwerk „Die Trompete“. Über 50 Originalwerke aus dem Bereich Alte Musik gab Edward Tarr in der Reihe Brass Collection Edward H. Tarr, erschienen im Musikverlag Martin Schmid Blechbläsernoten, heraus.

 

Wolfgang MARSCHNER ist am 24.3.2020 verstorben

 Geboren am 23. Mai 1926 in Dresden; er entstammte einem alten Musikergeschlecht, dessen berühmtester Vertreter der Opernkomponist Heinrich Marschner (1795–1861) ist. Als Vierjähriger wurde er jüngstes Mitglied der Orchesterschule der Staatskapelle Dresden. Als er neun Jahre alt war, debütierte er mit Tartinis Teufelstriller-Sonate und setzte seine Studien mit vierzehn Jahren am Mozarteum Salzburg fort, wo er, inspiriert von Vása Príhoda, Clemens Krauss und Ermanno Wolf-Ferrari, sein 1. Divertimento für Streichquartett unter der Leitung des Ersten Konzertmeisters des Mozarteum-Orchesters aufführte. Mit knapp siebzehn Jahren wurde Marschner zum Kriegsdienst zwangsverpflichtet und konnte erst nach Kriegsende sein Studium in Hamburg bei Erich Röhn, dem exzellenten Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, fortsetzen. Gleichzeitig wurde er mit neunzehn Jahren Solist, Konzertmeister und Zweiter Dirigent des Opernhaus-Orchesters Hannover und spielte das Violinkonzert von Brahms mit Franz Konwitschny, der ihn zu weiteren Konzerten mit der Staatskapelle Dresden und dem Gewandhausorchester Leipzig verpflichtete. 1947 wurde er Konzertmeister des WDR Sinfonie-Orchesters Köln, mit dem er die deutsche Erstaufführung des Violinkonzertes von William Walton spielte und über Nacht als Dirigent die Produktion der Operette Ein Walzertraum von Oscar Straus mit der Wiener Sängerin Gretl Schörg übernahm.

Mit sechsundzwanzig Jahren wurde Marschner Professor an der Folkwang-Hochschule Essen und lehrte 1958-63 an der Musikhochschule Köln. Als Primarius des Kölner Streichquartetts mit Maurits Frank, dem Cellisten des Amar-Hindemith-Quartetts verband er die weltweiten Engagements des Quartetts in universeller Manier mit seinen Aufgaben als Solist, Dirigent, Komponist und Pädagoge. Als ein Vertreter der deutschen Geigenschule war er auch Professor an der Tokio University of Fine Arts and Music und ab 1963/64 an der Musikhochschule Freiburg im Breisgau. Meisterkurse gab Marschner unter anderem in Peking, Ankara, London, Weimar, Warschau, auf Schloss Lancut in Polen und in St. Petersburg. Er war Juror vieler internationaler Wettbewerbe und gründete 1976 in Freiburg i.Br. den Internationalen Violin-Wettbewerb „Ludwig Spohr“. Er hatte in den 1970er Jahren sein eigenes „Kammerorchester Wolfgang Marschner“,. Marschner gründete die „Deutsche Spohr Akademie“ (internationale Meisterkurse für Violine, Viola, Violoncello), und im Schwarzwald gibt es seit 1976 das Marschner-Festival Hinterzarten zur Förderung junger Künstler mit der Aufführung wenig gespielter Meisterwerke der Kammermusik für Streicher. Diese findet seit 1992 in Verbindung mit einem drei-jährlichen Internationalen Marschner-Wettbewerb für Violine und Viola sowie mit dem von Marschner initiierten Internationalen Geigenbau- und Geigenklangwettbewerb „Jacobus Stainer“ statt. Marschner leitete weiter als Direktor die „Pflüger-Stiftung“, die eine Spezialschule in einem eigenen Gebäude mit eigenen Lehrkräften unterhält, und die jugendliche Streichmusiker bis zum 16. Lebensjahr unterrichtet und ihre Schüler sowie Gäste im kammermusikalischen Zusammenspiel fördert. Federführend war Marschner weiters im Freiburger Mario Musik Verlag. Ein dringendes Anliegen war es Marschner, sich dem Studium der vor 1945 in Deutschland verbotenen Neuen Wiener Schule mit dem Mittelpunkt Arnold Schönberg zu widmen. Sein Weg führte über den „Kranichsteiner Musikpreis“ 1954 zu vielen Werken der Vertreter dieses Kreises und ihren Nachfolgern.

 

Roberto ANDREOZZI ist am 30.3.2020 in der Nähe von Toulon verstorben

 Geboren am 17. August 1932 in La-Seyne-sur-Mer (Departement Var); er arbeitete zunächst als technischer Zeichner, ließ dann aber seine Stimme an den Konservatorien von Toulouse und Paris ausbilden. 1960 debütierte er unter dem Künstlernamen Robert Marviaux am Théâtre Mogador Paris als Ajax II. in der Offenbach-Operette »La belle Hélène«. Noch im gleichen Jahr 1960 wurde er an die Opéra-Comique Paris berufen, an der er (jetzt unter seinem wirklichen Namen) als Beppe im »Bajazzo« debütierte und für mehr als zehn Jahre blieb. Er verlegte sich hier vor allem auf die Interpretation von Buffo- und Charakterpartien für Tenor und sang den Basilio in »Le nozze di Figaro«, den Franz in »Hoffmanns Erzählungen«, den Bardolfo im »Falstaff« von Verdi, den Remendado in »Carmen« und den Schmidt in Massenets »Werther«. Hinzu kam eine große Karriere auf dem Gebiet der Operette, wobei er sich vor allem in Operetten von Jacques Offenbach auszeichnete und seine schauspielerische Begabung immer wieder bewundert wurde. Seit 1962 trat er auch an der Pariser Grand Opéra auf (Antrittsrolle: Wirt im »Rosenkavalier«). Regelmäßige Gastspiele führten ihn an die großen Theater in der französischen Provinz und an die Oper von Monte Carlo, wo er den Pedrillo in der »Entführung aus dem Serail«, aber auch Partien aus dem lyrischen Fachbereich übernahm, so u.a. den Ferrando in »Così fan tutte«, den Jean in »Le Jongleur de Notre-Dame« von Massenet und den Schuiskij im »Boris Godunow«. Er erhielt eine Professur am Konservatorium von Aix-en-Provence, setzte aber seine Bühnentätigkeit, in erster Linie im Bereich der Operette, noch bis Ende der achtziger Jahre fort.

Schallplatten: Philips (Opernquerschnitte), Adès (Gesamtaufnahme von Massenets »Werther«).

 

Zoltán PESKÓ ist am 31.3.2020 in Budapest verstorben

 Geboren am 15. Februar 1937 in Budapest; er stammte aus einer lutheranischen Kirchenmusikerfamilie, sowohl sein Vater (Zoltán Peskó senior, 1903–67) wie sein Bruder György Peskó (1933–2002) waren Organisten. Zoltán absolvierte ein Musikstudium in seiner Heimatstadt an der Franz-Liszt-Musikhochschule und arbeitete zunächst als Dirigent und Komponist von Film- und Bühnenmusiken beim ungarischen Nationaltheater und Fernsehen, daneben unterrichtete er an der Universität für Theater- und Filmkunst. Im Januar 1964 kehrte er von einer Konzertreise nicht mehr nach Ungarn zurück. Er besuchte in Italien und der Schweiz. An der römischen Accademia Nazionale di Santa Cecilia war er Kompositionsschüler von Goffredo Petrassi, im Dirigieren Schüler von Franco Ferrara und Sergiu Celibidache, danach studierte er 1965 in Basel bei Pierre Boulez. In Rom trat er 1965 erstmals ans Pult des römischen Sinfonieorchesters der RAI. 1966-73 wirkte er an der Deutschen Oper Berlin und bekleidete eine Dozentenstelle an der dortigen Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Sein Debüt 1970 an der Mailänder Scala (wo er im selben Jahr Odysseus von Dallapiccola, Prokofjews Der feurige Engel und Mozarts La finta giardiniera dirigierte) bildete den Auftakt zu einer internationalen Karriere. Diese begann bei den Berliner Philharmonikern, dem BBC Symphony Orchestra und dem Royal Concertgebouw-Orchester in Amsterdam. Zahlreiche Gastkonzerte führten Peskó durch Europa, nach Südamerika, in die damalige Sowjetunion sowie die Vereinigten Staaten. Im Jahr 1973 wurde er Chefdirigent des Teatro Comunale in Bologna, drei Jahre später übernahm er dieselbe Position am Teatro La Fenice in Venedig, und 1978-83 leitete er das Orchester des Italienischen Rundfunks RAI in Mailand. 1977-80 restaurierte er Salammbó, die erste (unvollendete) Oper von Modest Mussorgski, die er im November 1980 in Mailand konzertant uraufführte und deren erste szenische Aufführung unter der Regie von Juri Ljubimow im neapolitanischen Opernhaus San Carlo er leitete. Von 1995 bis zum August 1999 wirkte er als Generalmusikdirektor an der Deutschen Oper am Rhein; 2001-05 war er Musikdirektor des Portugiesischen Symphonischen Orchesters und des Lissaboner Opernhauses Sao Carlos. Dort dirigierte er unter anderem Die Zauberin, eine vielbeachtete Wiederausgrabung der fast nie gespielten Oper Tschaikowskis. Ab 2000 leitete er den Meisterkurs für junge Dirigenten des Bartók-Festivals von Szombathely, wo er 2007 mit der Ungarischen Nationalphilharmonie das Schlusskonzert dirigierte. 2009-11 leitete er die Pannonische Philharmonie in Pécs (Fünfkirchen). Eines seiner letzten Konzerte war die Aufführung von Liszts Oratorium Christus mit der Pannonischen Philharmonie im Wiener Stephansdom (2011). Regelmäßig wurde Peskó zu den großen europäischen Musikfestivals eingeladen und war in den Musikmetropolen Europas ein häufiger Gast. Seine Tätigkeit als Konzert- und Operndirigent umfasste das ganze Spektrum von der Renaissance bis zur zeitgenössischen Avantgarde. So dirigierte er, teilweise als Uraufführungen, Werke ungarischer Komponisten des 20. Jahrhunderts (Béla Bartók, Zoltán Kodály, Sándor Veress, György Ligeti, György Kurtág, András Szöllösy und Péter Eötvös) und die Avantgarde der europäischen und amerikanischen Musik (unter anderen Luigi Dallapiccola, Goffredo Petrassi, Bruno Maderna, Morton Feldman, Luciano Berio, Luigi Nono und Giacinto Scelsi).Die ungewöhnliche Vielseitigkeit des Dirigenten ist in zahlreichen Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen dokumentiert. Er publizierte Aufsätze über Musik auf Deutsch und Ungarisch. Die Dirigentenkarriere Peskós endete abrupt mit einer Schulteroperation im Jahr 2012. In deren Folge erlitt er einen Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung und kehrte von seinem Wohnsitz Neggio im Tessin wieder nach Budapest zurück. Zoltán Peskó war verheiratet mit Katalin („Tünde“) Peskó. Die beiden hatten sich schon in der Schule in Budapest kennengelernt. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor, Patrizia Ester (* 1968) und Susanna (* 1970). Tünde pflegte ihren Mann aufopferungsvoll die letzten Jahre, die er im Rollstuhl, nicht mehr ansprechbar, verbrachte. Sie starb am 1. Februar 2018.

 

Silvano CARROLI ist am 4.4.2020 in Lucca an COVID-19 verstorben

 Geboren am 22. Februar 1939 in Venedig; er war Schüler des berühmten Heldentenors Mario del Monaco und von dessen Bruder Marcello del Monaco; er studierte auch in Meisterkursen bei Carlo Tagliabue und bei Alfredo Kraus. Er gewann bereits 1957 einen Gesangwettbewerb in Palermo, 1963 nach weiterer Ausbildung in der Opernschule des Teatro Fenice Venedig einen zweiten Concours in Venedig und debütierte 1963 am Teatro Fenice in der Partie des Schaunard in Puccinis »La Bohème«. 1972 fand sein US-Debüt an der Oper von Dallas als Tonio im »Bajazzo« statt. 1973 sang er bei den Festspielen in der Arena von Verona den Hohepriester in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns. Er hatte bedeutende Erfolge an den führenden italienischen Operntheatern, darunter auch an der Mailänder Scala, mit deren Ensemble er 1976 als Simon Boccanegra in Washington und 1981 als Jago in Verdis »Otello« (mit Placido Domingo als Partner) in Japan gastierte. Er debütierte an der Mailänder Scala 1975 als Scarpia in »Tosca« und sang hier auch 1976 den Amonasro in »Aida«, 1977 und 1982 den Jago, 1980 nochmals den Scarpia und 1984 den Pagano in Verdis »I Lombardi alla prima crociata«. 1977-78 sang er in Washington den Scarpia. An der Londoner Covent Garden Oper sang er als Antrittsrolle 1977 den Jack Rance in Puccinis »La Fanciulla del West«, später den Jago, den Montfort in Verdis »I Vespri Siciliani« und den Nelusco in Meyerbeers »Afrikanerin«, 1992 nochmals den Jack Rance und den Scarpia (beide Partien gehörten zu seinen großen Kreationen), zuletzt 2008 nochmals den Jack Rance. 1978 sang er an der Oper von Chicago den Ezio in Verdis Oper »Attila«. An der Hamburger Staatsoper gastierte er als Graf Luna im »Troubadour«. Zum belgischen Staatsjubiläum erschien er 1980 am Théâtre de la Monnaie von Brüssel in der Oper »Il Duca d’Alba« von Donizetti. An der Oper von San Francisco gastierte er 1982 und 1985 als Renato in »Un Ballo in maschera«, 1983 als Jago und 1986 als Graf Luna. 1983 sang er am Gran Teatre del Liceu in Barcelona den Escamillo in »Carmen«, 1984 den Titelhelden in Verdis »Nabucco«. 1984 trat er an der Grand Opéra Paris als Roger in Verdis »Jérusalem« auf, an der Oper von Rom 1984 als Don Giovanni. 1985 sang er in der Arena von Verona wieder den Ezio, 1986 den Renato, 1988 den Barnaba in »La Gioconda« von Ponchielli, 1989 den Alfio in »Cavalleria rusticana« und den Nabucco von Verdi (den er auch 1984-85 in den Thermen des Caracalla in Rom vortrug), 1990 den Amonasro und den Scarpia. 1987 wirkte er in den »Aida«-Aufführungen vor den Tempeln im ägyptischen Luxor als Amonasro mit. Beim Maggio Musicale Florenz hörte man ihn u.a. 1988 als Michele in Puccinis »Il Tabarro«, 1991 als Scarpia, bei den Festspielen in den Caracalla-Thermen in Rom 1988 als Jack Rance und als Amonasro, 1991 als Nabucco, 1992 einmal mehr als Amonasro. 1993 Gastspiel in Wiesbaden als Jago, 1994 in Hannover als Scarpia. 1997 trat er am Teatro Massimo Palermo, 1998 bei den Festspielen von Verona als Scarpia auf. 2000 hörte man ihn am Teatro Filarmonico Verona als Michele in Puccinis »Il Tabarro« und in der Titelrolle von dessen Oper »Gianni Schicchi«, bei den Festspielen in der dortigen Arena als Amonasro. Seine große internationale Karriere wurde abgerundet durch Auftritte an der Wiener Staatsoper (in den Jahren 1967-94 als Silvio im »Bajazzo«, als Jack Rance, als Scarpia, als Escamillo, als Alfio und als Jago in insgesamt 35 Vorstellungen), an der Deutschen Oper Berlin und schließlich an der Metropolitan Oper New York (1983 als Don Carlo in Verdis »La forza del destino« und 1987 als Jago). Er trat auch auf dem Gebiet des Konzertgesangs erfolgreich in Erscheinung.

Schallplatten: Mondo Musica (»Mosè in Egitto« von Rossini, Teatro Fenice Venedig 1974), MRF (vollständige Oper »Il Duca d’Alba«, Privataufnahme aus Brüssel), FND (vollständige Oper »Isabeau« von Mascagni), Nuova Era (Scarpia in »Tosca«); Topaz-Video (»I Lombardi« von Verdi).

 

Vincent LIONTI ist am 4.4.2020 in New York an COVID-19 verstorben

 Geboren am 9. April 1959 in Bethesda (Maryland); Nachruf auf den Violaspieler und Dirigenten auf Englisch: https://www.metopera.org/user-information/vincent-lionti/

 

Dmitri SMIRNOV ist am 9.4.2020 in Watford an COVID-19 verstorben

 Er wurde am 2. November 1948 in Minsk als Sohn von Opernsängern geboren. Die Familie zog zunächst nach Ulan-Ude, Burjatische Republik (Mittelasien), dann nach Frunse, Kirgisien, wo Smirnow seine Kindheit verbrachte. 1967 begann er ein Musikstudium am Moskauer Konservatorium. Dort lernte er Komposition bei Wladimir Fere, Nikolai Sidelnikow, Instrumentation bei Edison Denissow und Analyse bei Juri Cholopow. 1970 machte er die Bekanntschaft Philip Herschkowitzs, dem von Wien nach Moskau übergesiedelten Webern-Schüler. 1972 beendete Smirnow sein Studium und arbeitete ab 1973 als Redakteur im Verlag Sowetski Kompositor. 1976 gewann sein Solo für Harfe den ersten Preis beim Wettbewerb der Internationalen Harfenwoche in Maastricht und er wurde international bekannt. 1981-93 war Smirnow als freischaffender Komponist tätig. In dieser Zeit, 1991, siedelte er nach Großbritannien über. 1992 erhielt er dort ein Stipendium des St. John College und war 1993-97 Gastprofessor an der Universität Keele, so wie seine Ehefrau, die Komponistin Jelena Olegowna Firsowa. Dort war er auch Composer in Residence. Ab 1998 war Dmitri Smirnow wieder freischaffend tätig.

 

Richard TEITELBAUM ist am 9.4.2020 in Kingston (New York) verstorben

 Geboren am 19. Mai 1939 in New York; er studierte bei Allen Forte und Mel Powell und Mitte der 1960er in Italien bei Luigi Nono und Goffredo Petrassi. Während seines Italienaufenthalts war er einer der Mitbegründer des Ensembles Musica Elettronica Viva (gemeinsam mit Alvin Curran und Frederic Rzewski). Er hat auch mit Anthony Braxton, George Lewis (Concerto Grosso auf hatART, 1985) sowie mit Nam June Paik, Joan Jonas, Karl Berger, Dave Holland, Andrew Cyrille und Leroy Jenkins zusammengearbeitet. Er wurde insbesondere durch seine elektronische Live-Musik und sein Synthesizerspiel bekannt. Er beschäftigte sich auch mit Weltmusik und der Verwendung von japanischen und indischen Musikinstrumenten und Notationssystemen. Teitelbaum lehrte am Bard College. Er starb 80-jährig an den Folgen eines Schlaganfalls.

 

Kerstin MEYER ist am 15.4.2020 verstorben

 Geboren am 3. April 1928 in Stockholm; ihre Familie war ursprünglich polnischer Abkunft. Sie begann ihr Gesangstudium mit 14 Jahren, mit 16 kam sie in die Opernklasse des Königlichen Konservatoriums Stockholm und wurde Schülerin von Arne Sunnegard, Adelaide von Skilondz und Britta von Vegesack; weitere Studien in Mailand, Wien und New York bei Erik Werba, Giorgio Favaretto und Paola Novikova. 1952 debütierte die Künstlerin an der Königlichen Oper Stockholm als Azucena und hatte ihren ersten großen Erfolg bald darauf als Carmen. Sie war 1952-62 und wieder seit 1969 regelmäßiges Mitglied der Königlichen Oper Stockholm, der sie während ihrer ganzen Karriere verbunden blieb. Sie trat dort in einer Anzahl von schwedischen Erstaufführungen auf: 1958 als Didon in »Les Troyens« von Berlioz, 1959 als Bradamante in »Alcina« von Händel, 1961 als Türkenbaba in »The Rake´s Progress« von Strawinsky, 1969 als Eurilla in »Il pastor fido« von Händel, 1972 als Syphax in »Scipio Africanus« von Cavalli, 1976 als Claire Zachanassian im »Besuch der alten Dame« von G. von Einem, 1977 als Gräfin Geschwitz in »Lulu« von A. Berg. Am 24.5.1970 wirkte sie dort als Marcela in der Uraufführung der Oper »Hus med dubbel ingang« von Hilding Rosenberg mit. 1953 Gastspiel an der Oper von Rom. Sie sang 1956 in den Ring-Aufführungen am Teatro Fenice Venedig, 1957 am Gran Teatre del Liceu in Barcelona. Seit 1957 war sie bei den Festspielen im Barock-Theater von Drottningholm zu hören. Es folgten Gastspiele an der Wiener Staatsoper (1957-82 als Eboli, als Claire Zachanassian und als Principessa in »Suor Angelica« von Puccini in insgesamt 18 Vorstellungen), in München und Kopenhagen. Bei den Festspielen von Salzburg sang sie 1957 die 1. Magd in »Elektra« von R. Strauss, 1958 die Kartenaufschlägerin in »Arabella«, 1958, 1972 und 1976 die Marcellina in »Le nozze di Figaro«, außerdem trat sie dort 1957 in Konzerten (in Haydns Pauken-Messe und im Mozart-Requiem) auf. Am 6.8.1966 wirkte sie dort in der Uraufführung der Oper »Die Bassariden« von H.W. Henze als Venus (Agaue) mit. In den Jahren 1958-60 und 1964-69 gehörte sie der Staatsoper Hamburg als Ensemblemitglied an, wo man sie zumal als Wagner-Sängerin bewunderte, und wo sie 1966 in der Uraufführung der Oper »Die Heimsuchung« (»The Visitation«) von Gunther Schuller, 1969 in der der Oper »Die Reise« des schwedischen Komponisten Lars Johan Werle mitwirkte. 1959 unternahm sie eine Nordamerika-Tournee. 1959 gastierte sie am Gran Teatre del Liceu in Barcelona und in Vancouver. Beim Edinburgh Festival gastierte sie 1959 anlässlich eines Gastspiels der Stockholmer Oper als Fricka wie als Rossweisse in der »Walküre«, als Maddalena im »Rigoletto« und als Ulrica in Verdis »Maskenball«, 1963 bei einem Gastspiel der English Opera Group als Lucretia in B. Brittens »The Rape of Lucretia« und 1974 mit dem Ensemble der Stockholmer Oper als Kostelnicka in Janáceks »Jenufa«. 1959-64 war sie Mitglied der Deutschen Oper Berlin; hier wirkte sie am 22.9.1960 in der Uraufführung der Oper »Rosamunde Floris« von Boris Blacher mit. An der Covent Garden Oper London sang sie seit 1960 Partien wie die Didon in »Les Troyens« von Berlioz, den Octavian im »Rosenkavalier« und die Klytämnestra in »Elektra« von R. Strauss. 1960-63 sang sie sehr erfolgreich an der Metropolitan Oper New York (Antrittsrolle: Carmen). Sie trat an diesem Haus in insgesamt 16 Vorstellungen auch als Orpheus von Gluck und als Komponist in »Ariadne auf Naxos«von R. Strauss  auf. Bei den Festspielen von Glyndebourne war sie 1961 als Carolina in der englischen Erstaufführung von H.W. Henzes »Elegy for Young Lovers«, 1962 als Geneviève in »Pelléas et Mélisande«, 1964 als Ottavia in Monteverdis »L’Incoronazione di Poppea«, 1970-71 als Frau Zastrow in der Uraufführung der Oper »The Rising of the Moon« von Nicholas Maw, 1973-74 als Claire Zachanassian sowie 1973 und 1976 als Clairon in »Capriccio« von R. Strauss zu erleben. 1961 gastierte sie am Teatro Colón Buenos Aires, 1962 an der Oper von San Francisco (als Octavian, als Meg Page im »Falstaff« von Verdi, als Siebel im »Faust« von Gounod, als Marquise de Berkenfield in »La fille du régiment« von Donizetti und als Türkenbaba). Bei den Festspielen von Bayreuth hörte man sie 1962-64 als Brangäne in »Tristan und Isolde«, 1965 als Wellgunde im Nibelungenring (in der »Götterdämmerung« zusätzlich auch als Waltraute). Am 24.3.1963 wirkte sie in Venedig in der Uraufführung von H.W. Henzes »Novae de infinito Laudes« mit. An der Mailänder Scala gastierte sie 1968 als Agaue in der italienischen Erstaufführung von H.W. Henzes »Die Bassariden«, 1969 als Orfeo in Glucks »Orfeo ed Euridice« und  1972 als Klytämnestra in »Elektra« von R. Strauss. Bei den Salzburger Osterfestspielen sang sie 1974-75 die Magdalene in »Die Meistersinger von Nürnberg«. 1974 gastierte sie beim Festival von Aix-en-Provence als Kostelnicka und an der Grand Opéra Paris als Marcellina in »Le nozze di Figaro«. 1979 gastierte sie bei der Scottish Opera Glasgow als Kabanicha in Janáceks »Katja Kabanowa«. Als ihre Glanzrolle galt die Titelrolle in »Carmen« von Bizet, die sie im Verlauf ihrer Karriere mehr als 200mal gesungen hat. 1963 wurde sie zur schwedischen Hofsängerin ernannt, 1963 Mitglied der Stockholmer Musikakademie, 1975 Verleihung des Ordens »Litteris et artibus«. Ihr Interesse für das zeitgenössische Opernschaffen bewies die auch als große Darstellerin geschätzte Altistin durch ihr Auftreten in Uraufführungen moderner Opern: 1959 in »Der rote Stiefel« von H. Sutermeister (Oper von Stockholm), 1967 »Arden muss sterben« von Goehr (Hamburg), 1968 »Hamlet« von Searle (Hamburg), 1975 »Le Grand Macabre« von György Ligeti (Stockholm). Weltweit gerühmte Konzert- und Oratorienaltistin. 1984 wurde sie Leiterin der Musikdramatischen Schule Stockholm.

Lit.: B. Berthelson: »Kerstin Meyer. hamtan i stora värdle« (Stockholm, 1969).

Schallplatten der Marken HMV, Columbia (Annina im »Rosenkavalier«), Electrola, BBC Records (Altsolo in der 3. Sinfonie und in der 8. Sinfonie von G. Mahler), Bella Voce (Principessa in »Suor Angelica«). Auf Cetra kam eine Salzburger »Elektra« von 1957 heraus, in der sie die 1. Magd singt, auf Columbia Liedaufnahmen, auf Decca »Oedipus Rex« von Strawinsky, auf HMV »Lulu« von A. Berg, auf BIS Maddalena in Verdis »Rigoletto« (Stockholm, 1959).

 

Jan TALICH ist am 16.4.2020 verstorben

 Der 1945 geborene Neffe des Dirigenten Vaclav Talich studierte am Konservatorium in Prag. Noch während seiner musikalischen Ausbildung gründete er 1964 das Talich Quartet, welches seither international auftritt. Talich selbst spielte dort bis 1970 die erste Geige, dann wechselte er zur Bratsche und trat bis zum Jahr 2000 auf. Über seine Arbeit mit dem eigenen Ensemble hinaus spielte er außerdem mit der Tschechischen Philharmonie, spielte Solokonzerte und lehrte in Meisterkursen. Talichs gleichnamiger Sohn ist ebenfalls als Violinist tätig und ersetzt seinen Vater seit 1997 im Talich Quartet an der ersten Geige.

 

Maksimilijan CENČIC ist am 16.4.2020 in Wien verstorben

 Er wurde 1951 in Rogaška Slatina im ehemaligen Jugoslawien geboren und erhielt seine musikalische Ausbildung an der Akademie für Musik in Zagreb. Meisterklassen absolvierte er u. a. bei Kurt Masur und Pierre Dervaux. 1978-91 arbeitete er am Kroatischen Nationaltheater in Zagreb, wo er bereits 1976 debütierte. 1976-78 war er Assistent von Václav Neumann bei der Tschechischen Philharmonie in Prag sowie 1981-83 Assistent von Lovro von Matačić bei mehreren Gastspielreisen. Am Prayner Konservatorium in Wien unterrichtete er seit 1998 Dirigieren und war musikalischer Leiter der Opernklasse. Er war 1991-2014 an der Wiener Staatsoper engagiert und dirigierte neben seiner Tätigkeit als Leiter der Bühnenmusik u. a. die Erstaufführung des Balletts Mythos in einer Choreographie von Renato Zanella im Großen Haus sowie zahlreiche Kinderopernvorstellungen von Wagners Nibelungenring für Kinder, Der 35. Mai und Die Omama im Apfelbaum.

 

Kenneth GILBERT ist am 16.4.2020 verstorben

 Geboren am 16. Dezember 1931 in Montreal; er studierte am Konservatorium in Montreal und Paris bei Gaston Litaize, Ruggiero Gerlin und Nadia Boulanger. Vier Jahre lang wirkte er an der italienischen Accademia MMusicale Chigiana in Siena. 1957 wurde er in Montreal zum Professor für Cembalo ernannt. 1969 unterrichtete er an der Laval-Universität in Québec, ab 1971 auch am Königlichen Konservatorium in Antwerpen. 1973 wurde Gilbert Nachfolger von Gustav Leonhardt an der Sommerakademie von Haarlem (NL). Ab 1981 unterrichtete er an der Hochschule für Musik Stuttgart. Er leitete die Abteilung für Alte Musik am Straßburger Konservatorium. Ab 1989 war Kenneth Gilbert ordentlicher Universitätsprofessor für Cembalo am Salzburger Mozarteum. Er war zudem Leiter des Cembalo-Seminars der Accademia Musicale Chigiana in Siena und der Fondazione Cini in Venedig. Er nahm Gastprofessuren an der Royal Cademy of Music und dem Royal College of Music in London wahr. Gilbert widmete sich überwiegend der historischen Aufführungspraxis und wurde als Interpret französischer Komponisten gerühmt. Gilbert musizierte auf historischen Instrumenten. Zum 300. Geburtstag von Francois Couperin spielte er dessen Gesamtwerk ein und bearbeitete eine entsprechende Neuausgabe des Komponisten (1969). 1971–84 erschien die von ihm herausgegebene erste kritische Gesamtausgabe der Sonaten von Domenico Scarlatti in der Reihe Le Pupitre beim Pariser Verlag Heugel.

 

Arlene SAUNDERS ist am 17.4.2020 in New York an COVID-19 verstorben

 Geboren am 5. Oktober 1930 in Cleveland; Ausbildung am Baldwin-Wallace College (North Carolina) und durch Florence Barbour in New York. Sie debütierte 1958 bei der National Opera Company als Rosalinde in der »Fledermaus«. Sie ging dann nach Italien und sang 1960 am Teatro Nuovo in Mailand. 1961 war sie zuerst bei der Cincinnati Opera Company (Debüt als Donna Elvira im »Don Giovanni«), dann an der New York City Oper (Antrittsrolle: Giorgetta in »Il Tabarro« von Puccini) zu hören. In Cincinnati sang sie dann 1962 die Fiordiligi in »Così fan tutte«, 1964 die Marschallin im »Rosenkavalier«, an der New Yorker City Oper 1961-62 auch die Micaela in »Carmen«, die Mimi in »La Bohème«, die Titelpartie in Charpentiers »Louise«, die Hanna Glawari in Lehárs »Die lustige Witwe« (und später 1963 die Donna Elvira, 1978 die Minnie in Puccinis »La Fanciulla del West«). An der Oper von Fort Worth trat sie 1961 als Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut«, beim Central City Festival 1962 als Mimi auf. 1963 wurde sie an die Staatsoper von Hamburg berufen, an der sie seitdem in einer langjährigen Karriere sehr große Erfolge hatte. Man bewunderte ihre Interpretation von Mozart- und Wagner-Partien, besonders aber ihre Gestaltung von Rollen im Opernwerk von Richard Strauss (Marschallin, Titelheldin in »Arabella«, Gräfin im »Capriccio«). 1965 sang sie in Hamburg in der Uraufführung der Oper »Jakobowsky und der Oberst« von G. Klebe, 1968 in der der Kinderoper »Help! Help! The Globolinks« von Gian Carlo Menotti, am 6.12.1970 in der Uraufführung von »Ein Stern geht auf aus Jakob« von Paul Burkhard. 1968 gastierte sie mit dem Hamburger Ensemble bei den Festspielen von Edinburgh als Ariadne in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. 1966 hörte man sie bei den Festspielen von Glyndebourne als Pamina in der »Zauberflöte«, 1967-78 an der Wiener Staatsoper (als Marzelline im »Fidelio«, als Donna Elvira, als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg« und als Elsa im »Lohengrin«). An der San Francisco Opera gastierte sie 1967 (als Louise von Charpentier, als Marguerite im »Faust« von Gounod und als Freia im »Rheingold«) und 1971 (als Eva). Weitere Gastspiele führten die Künstlerin an die Grand Opéra Paris (1974 als Tosca, 1977 als Marschallin, 1978 als Sieglinde in der »Walküre«), an die Berliner Staatsoper (1967 als Nedda im »Bajazzo«), an das Théâtre de la Monnaie Brüssel (1976 als Marschallin), an das Teatro San Carlos Lissabon (1978 als Tosca), an die Oper von Boston (1976 als Minnie, 1981 als Marschallin), an das Teatro Colón Buenos Aires (1979 als Minnie, 1980 als Santuzza in »Cavalleria rusticana«), an das Grand Théâtre in Genf (1980 als Elsa, 1981 als Marschallin), an die Oper von San Diego (1981 als Marchesa in Verdis »Un giorno di Regno«) und an die Covent Garden Oper London, wo sie 1980 einen ihrer größten Erfolge als Minnie in »La Fanciulla del West« hatte. 1971 sang sie in Washington in der Uraufführung der Oper »Beatrix Cenci« von A. Ginastera (zur Eröffnung des Opernhauses im Kennedy-Center), an der Oper von Boston 1974 in der amerikanischen Erstaufführung von »Krieg und Frieden« von Prokofjew und 1979 in der von »The Ice Break« von M. Tippett. 1976 sang sie an der New Yorker Metropolitan Oper als einzige Partie dreimal die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Sie sang auch bei den Festspielen von Florenz (1983 die Elisabeth im »Tannhäuser«) und 1979 bei der Opera North Leeds (die Senta in »Der fliegende Holländer«). 1983 gab sie ihr Hamburger Engagement auf. 1985 nahm sie am Teatro Colón Buenos Aires in der Partie der Marschallin ihren Bühnenabschied. Sie übte dann seit 1987 eine Lehrtätigkeit an der Rutgers University (New Jersey) und an der Abraham Goodman School New York aus. Sie trat in ihrer Hamburger Zeit in mehreren Opernsendungen des westdeutschen Fernsehens auf (»Die Hochzeit des Figaro«, »Der Freischütz«, »Die Meistersinger von Nürnberg«, »Arabella«). Auch als Konzertsopranistin hatte sie eine erfolgreiche Karriere.

Schallplatten: Electrola-HMV, Decca (»A Midsummer Night’s Dream« und »Death in Venice« von Benjamin Britten), RCA (»Il Re Pastore« von Mozart), Legendary Records (Elsa im »Lohengrin«).

 

Alexander WUSTIN ist am 19.4.2020 in Moskau an COVID-19 verstorben

 Geboren am 24. April 1943 in Moskau; er studierte ab 1960 Komposition, zuerst an einer Musikfachschule (bei G. Frid), dann bis 1969 am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium (bei W. Ferè). Wustin lebte in Moskau und gehört der Gründer und Kerngruppe der russischen ASM (Gesellschaft für Neue Musik) an. Seit Mitte der 80-er Jahre stehen seine Werke auf den Programmen bedeutender westlicher Musikfestivals wie den Donaueschinger Musiktagen, dem Holland Festival, der Musik Biennale (Berlin), den Tagen für Neue Musik (Zürich) oder dem Kammermusikfest Lockenhaus (Österreich). Zu den Interpreten seiner Musik zählen Gidon Kremer, Reinbert de Leeuw, Eri Klas, Mark Pekarsky, Friedrich Lips und Ensembles wie das BBC Symphony Orchestra, das Schönberg Ensemble und die Nieuw Sinfonietta Amsterdam. Zweifellos war Alexander Wustin einer der eigenwilligsten Köpfe seiner Generation in Russland. Sein OEuvre ist sehr vielfältig und phantasievoll. Seine wichtigsten Werke sind die Oper Der verliebte Teufel (nach J. Cazotte, 1989), die Orchesterwerke Sinfonie (1969), Memoria 2 (1978), Hommage à Beethoven (1984), Sine Nomine (2000), Exposure of Eva (2004), ferner die Vokalkompositionen mit Orchester oder Ensemble Die Heimkehr (1981), Die Mußestunden des Kosma Prutkow (1982), Das Fest (1987), Selig sind die geistig Armen (1988) wie auch Kompositionen für Soloinstrumente und Kammerensemble (in denen häufig das Schlagzeug eine bedeutende Rolle spielt): Sonate für 6 (1973), Nocturnes (1982), Das Wort (1975), Musik für Zehn (1991), Postlude (2003), Evening Birds (2006), Musikalisches Opfer (2007).

 

Ellen CHICKERING ist am 19.4.2020 in Scarborough (Maine) verstorben

 Geboren am 26. Januar 1943 in Miami (Florida); Biographie der amerikanischen Sopranistin auf Englisch: https://www.pressherald.com/2020/04/25/ellen-chickering-opera-singer-and-longtime-teacher-at-usm-dies-at-77/

 

Baldo PODIĆ ist am 20.4.2020 in Lugano an COVID-19 verstorben

 Geboren am 4. September 1942 in Dubrovnik; er schloss 1965 sein Studium an der Musikakademie in Zagreb mit Auszeichnung ab und begann seine Dirigentenkarriere als Assistent der Zagreber Philharmonie. Schon drei Jahre später folgten Verpflichtungen an den bekanntesten Theaterhäusern Europas und in den USA. Eine langjährige Zusammenarbeit verband Podić mit dem Stadttheater Basel: 1983 begann er dort als Kapellmeister und blieb dem Theater bis 2007 eng verbunden. Auch an der Deutschen Oper am Rhein trat er während der Intendanz von Tobias Richter zwischen 1996 und 2009 häufig auf. Hier studierte eran der mit den Düsseldorfer Symphonikern und den Duisburger Philharmonikern Manon (Inszenierung Christof Loy), La Traviata (Inszenierung Karl-Ernst und Ursel Hermann), Otello (Inszenierung David Fielding), La Dame Blanche (Inszenierung Tobias Richter), Tristan und Isolde (Inszenierung Werner Schroeter), Carmen (Inszenierung Jérôme Savary), Hoffmanns Erzählungen (Inszenierung Christof Loy) und Rusalka (Inszenierung Jiři Nekvasil) ein.

 

Peter JONAS ist am 22.4.2020 in München verstorben

 Er wurde am 14. Oktober 1946 in London als Sohn eines Deutschen und einer Engländerin mit schottischen und spanisch-libanesischen Wurzeln geboren. Er besuchte zunächst die Benedicte Worth School. Danach studierte er zunächst an der University of Sussex Englische Literatur, schwenkte dann aber nach seinem ersten akademischen Grad auf Oper und Musikgeschichte um. Diese beiden Fächer studierte er am Royal Northen College of Music in Manchester und später am Royal College of Music in London. Ein letztes Jahr studierte er an der Eastman School of Music in Rochester (New York). 1974 ging er nach Chicago als Assistent des Generalmusikdirektors Sir Georg Solti, wo er zwei Jahre später künstlerischer Betriebsdirektor des Chicago Symphony Orchestra wurde. In seiner elfjährigen Amtszeit arbeitete er mit vielen bekannten Komponisten, Solisten und Dirigenten zusammen. 1984 wurde er zum Generaldirektor der English National Opera ernannt. Ein Jahr später trat er sein Amt an. In seiner Amtszeit verbesserte sich das internationale Ansehen der National Opera durch neue Stücke im Repertoire und die Aufführung von bekannten Stücken für ein breites Publikum. Am 1. September 1993 wurde Sir Peter Jonas zum Staatsintendanten der Bayerischen Staatsoper. Dieses Amt hatte er bis August 2006 inne. In dieser Zeit erweiterte er das Repertoire unter anderem um viele Barockopern. Außerdem setzte er sich energisch für das Projekt „Oper für alle“ und für Werke zeitgenössischer Komponisten mit vierzehn Uraufführungen ein. Seine Bemühungen galten stets den Hauptzielen der heutigen Oper: Zugänglichkeit und Qualität. Ab 2005 war er Stiftungsratsmitglied der „Oper in Berlin“ und Beiratsmitglied der Technischen Universität München. Jonas erlag im April 2020 im Alter von 73 Jahren den Folgen einer längeren Krebserkrankung (Hodgkin-Lymphom).

 

Vytautas BARKAUSKAS ist am 25.4.2020 in Vilnius verstorben

Geboren am 25. März 1931 in Kaunas; er machte 1949 sein Abitur in Rietavas und absolvierte dann an der Musikschule in Kaunas ein Klavierstudium. Es folgte ein Studium der Komposition am Konservatorium Vilnius bei Antanas Raciunas (1905–84), einem Schüler von Nadja Boulanger. Barkauskas studierte parallel dazu Mathematik am Pädagogischen Institut. Sein Musikstudium schloss er 1959 ab. Am Konservatorium Vilnius (damals Litauisches Staatskonservatorium) unterrichtete er 1961-74 Musiktheorie, anschließend Harmonielehre und Kontrapunkt und war ab 1989 Professor für Komposition. Barkauskas komponierte über einhundert Werke, darunter eine Oper, Sinfonien, ein Orgelkonzert, Orchesterstücke und Kammermusik. Er wurde von Krzysztof Penederecki und Witold Lutoslawski beeinflusst, seine Kompositionen halten sich aber stets im Rahmen der Tonalität. Barkauskas gilt neben Arvo Paert und Peteris Vasks als bedeutendster zeitgenössischer Komponist des Baltikums. Seine Werke gehören zum regelmäßigen Repertoire von europäischen, amerikanischen und asiatischen Musikfestivals und -wettbewerben. Sie wurden beim Schleswig-Holstein Musikfestival, dem Rheingau Musik Festival, dem Sibelius-Festival und dem Festival de musique de Toulon aufgeführt. Er erhielt den Litauischen Staatspreis und 2002 den Preis des Komponistenwettbewerbs Sinfonia Baltica.

 

Jeannette PILOU ist am 27.4.2020 in Athen verstorben


Als Melisande

 Geboren am 11. Juli 1937 in Alexandria (Ägypten); sie entstammte einer griechischen Familie; ihr eigentlicher Name war Joanna Pilós. Sie begann ihr Gesangstudium 1956 und erhielt ihre Ausbildung u.a. durch Carla Castellani in Mailand. Sie debütierte 1959 am Teatro Smeraldo in Mailand als Violetta in »La Traviata«. Sie trat dann in Cremona, in Lausanne und in Lissabon auf. Ihre Bühnenkarriere nahm eine schnelle Entwicklung. Sie erregte bald Aufsehen beim Wexford Festival und 1965 bei ihrem ersten Gastspiel an der Staatsoper von Wien als Mimi in »La Bohème«; bis 1979 war sie an der Wiener Oper in insgesamt 185 Vorstellungen als Traviata, als Micaela in »Carmen«, als Nedda im »Bajazzo«, als Butterfly, als Nannetta im »Falstaff« von Verdi, als Mélisande in »Pelléas et Mélisande« von Debussy, als Marguerite im »Faust« von Gounod, als Susanna in »Le nozze di Figaro«, als Liu in Puccinis »Turandot«, in den drei Frauenrollen in Gottfried von Einems Oper »Der Prozess«, als Zerline wie als Donna Elvira im »Don Giovanni« und in der Titelrolle in Massenets »Manon« zu hören. Sie trat an der Mailänder Scala (1974 als Marzelline im »Fidelio« und 1977 als Marguerite im »Faust« von Gounod), am Teatro Regio Turin (1972 als Manon von Massenet, 1975 als Micaela), am Teatro Massimo Palermo (1965 als Butterfly, 1974 als Marguerite), am Teatro Fenice Venedig (1963 als Mimì), am Teatro Comunale Bologna (1971 als Magda in Puccinis »La Rondine«) und am Teatro Margherita Genua (1967 als Leila in »Les pêcheurs de perles« von Bizet) auf. Weitere Gastspiele an der Grand Opéra Paris (1973 als Eurydice in »Orphée et Eurydice« von Gluck, 1974 als Mimì und 1974-75 als Manon von Massenet), am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1965), an der Oper von Marseille (1979), am Gran Teatre del Liceu in Barcelona, am Teatro San Carlos von Lissabon, an der Opernhäusern von Köln, Hannover, Hamburg und an der Niederländischen Oper Amsterdam (1964 als Traviata und als Suzel in »L’Amico Fritz«  von Mascagni). Sie gastierte in den Jahren 1966-72 häufig an der Oper von Budapest, auch am Teatro Colón Buenos Aires. An der Oper von San Francisco hörte man sie in der Spielzeit 1968-69 als Zerline im »Don Giovanni«, als Butterfly, als Traviata und als Mélisande. Große Erfolge bei den Festspielen von Aix-en-Provence, Wiesbaden, Verona (1977 als Juliette in »Roméo et Juliette« von Gounod) und Athen. 1967 erfolgte ihr Debüt an der Metropolitan Oper New York als Juliette in »Roméo et Juliette« von Gounod. Bis 1986 sang sie in acht Spielzeiten elf Partien in 79 Vorstellungen: die Traviata, die Nannetta, die Susanna, die Micaela, die Marguerite, die Nedda, die Butterfly, die Zerline im »Don Giovanni«, die Mimì und die Mélisande. 1968 gastierte sie als Zerline im »Don Giovanni« auch bei den Salzburger Festspielen. 1971 erfolgte dann auch ihr Debüt an der Londoner Covent Garden Oper als Butterfly. 1972 gastierte sie an der Opera Scotland als Mélisande. 1973 sang sie an der Oper von Monte Carlo in der Uraufführung der Oper »La Reine morte« von Renzo Rosselini die Partie der Ines de Castro, 1974 die Adina in »L’Elisir d‘amore«, 1976 die Micaela und 1977 die Manon von Massenet. In Nordamerika gastierte sie auch an den Opernhäusern von Chicago, New Orleans, Houston (Texas) und Philadelphia. 1998 sang sie in der Megaron Mousikis Halle in Athen die Mélisande. Aus ihrem Repertoire für die Bühne ist ergänzend die Titelrolle in »Manon Lescaut« von Puccini zu nennen. Bedeutende Karriere auch als Konzertsopranistin.

Ihre vor allem im lyrischen Repertoire, aber auch in dramatischen Szenen geschätzte Stimme ist auf Schallplatten der Marke Erato zu hören (Micaela in »Carmen«), auf Myto in der Titelrolle von Massenets »Manon«.

 

Lynn HARRELL ist am 27.4.2020 in Santa Monica (Kalifornien) verstorben

Geboren am 30. Januar 1944 in New York; aus musikalischem Elternhaus stammend (der Vater Mack Harrell war Sänger, die Mutter Marjorie Fulton Geigerin) entschied sich Harrel im Alter von acht Jahren für das Violoncello. Zu seinen Lehrern an der Juilliard School of Music in New York gehörten Lev Aronson, Leonard Rose und Orlando Cole. Danach besuchte er Meisterklassen von Pablo Casals und Gregor Piatigorsky. Sein Debüt gab er 1961 mit dem New York Philharmonic Orchestra in der New Yorker Carnegie Hall. Im Alter von 18 Jahren bekam er 1962 eine Stelle als Cellist im Cleveland Orchestra (Dirigent: George Szell), dessen Solocellist er 1964-71 war. 1971 begann er seine internationale Karriere als Solist und Kammermusikpartner. Außerdem unterrichtete er an zahlreichen renommierten Instituten, wie der Royal Academy of Music (London), dem Cleveland Institute of Music, der New Yorker Juilliard School sowie dem Aspen Music Festival. 1988-92 war er musikalischer Direktor des Los Angeles Philharmonic Institute, 1986-93 war er Inhaber des „Gregor Piatigorsky Endowed Chair in Violoncello“ an der „USC Thornton School of Music“, ebenfalls in Los Angeles und damit direkter Nachfolger von Gregor Piatigorsky in dieser Position. Zuletzt unterrichtete Harrell an der „Shepherds School of Music“ der Rice University in Houston/Texas. Er spielte ein Montagnana-Cello von 1721 sowie ein Antonio-Stradivari-Cello von 1673, das zuvor der britischen Cellistin Jacqueline du Pré gehört hatte.

 

Martin LOVETT ist am 29.4.2020 in London verstorben

Geboren am 3. März 1927 in London; der Cellist spielte 1947-87 im Amadeus-Quartett. Auftritte mit dem Quartett machten Lovett auf der ganzen Welt bekannt, es entstanden etwa 200 Aufnahmen. Nach der Auflösung des Amadeus-Quartetts in den 1980er Jahren trat Lovett mit anderen Ensembles auf. Er war Mitglied in zahlreichen Jurys und wurde international geehrt, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz.

Rosalind ELIAS ist am 2.5.2020 gestorben

Rosalind Elias (Mezzo-soprano) - Short Biography

Rosalind Elias, 90, American Mezzo Who Invested Every Role with Vocal Beauty, Dramatic Truth and Grace of Spirit, has Died https://www.operanews.com/Opera_News_Magazine/2020/5/News/Rosalind_Elias,_90,_American_Mezzo_Who_Invested_Every_Role_with_Vocal_Beauty,_Dramatic_Truth_and_Grace_of_Spirit,_has_Died.html

 

Diese Seite drucken