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THEATER AKZENT: LUDWIG XIX.- König für zwanzig Minuten von Nils Strunk und Lukas Schrenk  

15.02.2026 | Feuilleton

THEATER AKZENT: LUDWIG XIX.- König für zwanzig Minuten von Nils Strunk und Lukas Schrenk  am 14.2.2026

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Foto (Christine Tritschler) Ludwig XIX. (Lukas Strunk) schreibt seine Memoiren, die er nachher verbrannt hat

 Das Duo Nils Strunk/Lukas Schrenk hat sich in den letzten Jahren mit seinen musikalisch unterfütterten One-Man-Shows zu den absoluten Lieblingen des von „Dramaturgentheater“, „postdramatischen Belastungsstörungen“, „Überschreibungen“, „Dekonstruktionen“ etc. gequältem Wiener Theaterpublikums entwickelt.

Die Zauberflöte, Schachnovelle, Gullivers Reisen (Burgtheater), Killing Carmen (Volksoper) und Pinocchio (Dachungel) sind immer noch ausverkaufte Renner.

Jetzt gastiert ein Frühwerk von ihnen (das noch am Theater Wiesbaden herauskam) im Theater Akzent: Ludwig XIX. – König für zwanzig Minuten.

Das Besondere an dieser Aufführung: diesmal ist Schrenk der Protagonist, und Strunk sorgt für die Musik (während es sonst umgekehrt ist).

Ludwig XIX.? Fragen Sie Ihre Freunde, niemand wird von ihm je gehört haben, alle halten ihn für eine originelle Erfindung von Schrenkstrunk. Aber es hat ihn wirklich gegeben: als Neffe von Ludwig XVIII. und Sohn Karl X. war er tatsächlich zwanzig Minuten lang (ungekrönter) König von Frankreich, bevor er, von Louis Philippe dazu gezwungen, abdanken musste und daraufhin im Exil im österreichischen Görz starb.

Eine unglaubliche Lebensgeschichte, gezeichnet von einem unentwegten Auf und Ab von Hoffnungen und Niederlagen mit einer endlosen Serie von bizarren Schicksalswendungen, wie sie kein Rudel von zugekifften Drehbuchautoren ärger und vor allem unwahrscheinlicher hätte ausdenken können.

Lukas Schrenk performt das alles in verschiedensten Rollen mit der gewohnten schauspielerischen Virtuosität und musikalischer Ironie im bewährten Stil aus dem Hause Schrenkstrunk. Ein schwindligmachender, aber auch sehr unterhaltsamer Teufelsritt durch die französische und europäische Geschichte. Chapeau !

Einwände ? Nun ja, dieses Prinzip der mit Musik gedopten One-Man-Show erschöpft sich mit der Zeit, läuft irgendwann einmal (auch wenn dieses Stück sozusagen der Prototyp war) auch ins Leere. Hiezu kommt, dass man bei Ludwig XIX. mit einer Überfülle von exzellent recherchiertem Detailwissen (sämtliche Namen von unehelichen Kindern, technischen Ausdrücken für verschiedenste Schlachtaufstellungen etc.) nahezu erschlagen wird. Reduzieren, lieber Schrenk, reduzieren !

 

Robert Quitta

 

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