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THE WITCH

19.05.2016 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmCover  The Witch~1

Ab 19. Mai 2016 in den österreichischen Kinos
THE WITCH
The VVitch: A New-England Folktale  /  USA  /  2015
Drehbuch und Regie: Robert Eggers
Mit: Anya Taylor-Joy, Ralph Ineson, Kate Dickie, Harvey Scrimshaw u.a.

Wahrscheinlich war es schon Arthur Miller mit seiner „Hexenjagd“, der den neuen Blick auf das alte Thema warf und das „Gespenstische“, „Irrationale“ einfach in den Kopf der Menschen verschob, eine Mischung aus Hysterie, Selbstsuggestion und wohl auch immer wieder gezieltem Betrug. Im Kino sind Hexen meist in der Welt des Horrors angesiedelt, und viele Filmen hinterlassen ratlos mit der Frage, ob es sie nicht vielleicht wirklich gibt…

Der interessante Horror allerdings findet dort statt, wo man Ereignissen nachspürt und Menschen und Motive findet, die dahinterstecken könnten. So wie Robert Eggers in seinem Film „The Witch“, der im 17. Jahrhundert in der Ödnis von New England spielt. William, der Vater einer Großfamilie, ist offenbar von der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen worden und lebt nun mit seinem ganzen Anhang in der Wildnis, wo man sich ein eigenes Farmhaus errichtet hat. Ein Alltag in der Einsamkeit mit den Erwachsenen William (Ralph Ineson) und Katherine (Kate Dickie) und den fünf Kindern scheint  anfangs eher„normal“, aber Spannungen bauen sich schnell auf, wenn Schreckliches passiert wie das Verschwinden eines neu geborenen Babys… Und dann geht auch noch die Ernte ein.

Es ist logisch, dass Menschen, zumal wenn sie so eng auf einander leben, einerseits übernatürliche Ursachen für dergleichen Geschehen suchen, aber auch, dass sie sich in zunehmender Gereiztheit gegen einander wenden. Und dann tauchen gerade in einer Welt, wo die Frömmigkeit dermaßen beschworen wird, schnell die Ideen auf, die eigene Tochter könnte vom Teufel besessen sein. Da zeigt sich, dass sich die Gewalt (die natürlich vom Vater als dem Stärksten ausgeht) durchaus auch gegen jemanden wenden kann, der meint, sicher zur Gemeinschaft zu gehören…

Und wenn der Sohn Caleb, als er in den Wald geht, von einer geheimnisvollen Frau in eine Höhle gelockt wird… nein, da sagt Regisseur Robert Eggers, der hier sein eigenes Drehbuch mit psychologischer Hintergründigkeit verfilmte, uns nicht, ob es sich um eine Phantasie des Jungen handelt oder vielleicht um Realität (immerhin trinkt irgendjemand das Blut der Ziegen!). Dass es jedoch der Vater ist, der immer stärker davon besessen ist, die Besessenheit bei anderen zu suchen – das offenbart sich mit einiger Gänsehaut für den Kinobesucher, denn dann wenden sich nach und nach alle Familienmitglieder mörderisch gegen einander… und Vision und Wirklichkeit verschränken sich unentwirrbar.

Wieder einmal Horror der interessanteren Art, wobei Anya Taylor-Joy als die zuerst ganz „normale“, dann ausgegrenzte Tochter das volle Interesse des Publikums findet. Und Harvey Scrimshaw als ihr Bruder Caleb, der möglicherweise einfach aus Entsetzen stirbt, ist nicht minder eindrucksvoll. Es ist dem Regisseur gelungen, gerade mit den No-Names – fern von jeglichem Star-Kino – besondere Eindringlichkeit zu erzielen.

Renate Wagner

 

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