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THE EQUALIZER 2

15.08.2018 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 16. August 2018
THE EQUALIZER 2
USA / 2018
Regie: Antoine Fuqua
Mit: Denzel Washington, Ashton Sanders, Melissa Leo
u.a.

Denzel Washington ist ein Schauspieler, der „Qualität“ auf der Stirn geschrieben hat, zweimaliger „Oscar“-Preisträger, zuletzt in dem Drama „Fences“ großartig als schwarzer Patriarch in einem tragischen Familiendrama. Aber auch die Großen müssen ihre Rechnungen zahlen, und Action-Filme bringen nun einmal mehr ein als Anspruch. „The Equalizer“ hat vor vier Jahren genug eingespielt, dass man sich zu einer Fortsetzung entschloß – ungeachtet dessen, dass diese Version eines „guten Rächers“ (irgendwie ist alles eine Variation von „Ein Mann sieht Rot“) weder besonders innovativ noch interessant noch aufregend ist. Aber immerhin gibt Washington sein starkes Gesicht dafür her – „aus Respekt vor dem Publikum“ (?!?), wie er in einem Interview in Berlin sagte. Immerhin liest McCall, seine Figur, auch Proust, ist also ein Mann mit geistigen Ansprüchen…

Zu Beginn, in einem fahrenden Zug, darf man sich wundern: Da sitzt er, offenbar irgendwo  in der Türkei, mit der gestrickten Mütze, wie sie für Moslems charakteristisch ist, und „regelt“ den Fall einer vom Vater entführten Tochter, die er der Mutter zurückbringt. Später bestraft er einen Mann, der eine Frau malträtiert und blutig geschlagen hat. Er ist wieder jener Ex-CIA-Agent Robert McCall, der eigentlich nur ein bescheidenes, unauffälliges Leben führen will – aber das Böse in der Welt fordert ihn gewissermaßen immer auf, als Rächer der Hilflosen tätig werden, ein Equalizer, Gleichmacher, das Unrecht Ausbügelnder.

Dass er dabei nicht sanft vorgeht und seinerseits, wenn man es streng nimmt, das Recht immer wieder bricht – wen stört es, wenn man selbst im Kinosessel in sich die Befriedigung fühlt, dass es den Bösen direkt an den Kragen geht. Wer weiß, ob die Justiz sie schnappen würde – und ob sie dann nicht frei ausgehen…? Ja, das Problem der Selbstjustiz hat es in sich.

Und wenn die Sache dann ganz persönlich wird, wenn eine ehemalige Kollegin von McCall (Melissa Leo) ernordet wird, kurz nachdem sie in alter Verbundenheit freundlich miteinander zu Abend gegessen haben, macht er sich auf den Weg zur Rache. Zumal man – heutzutage wird ja alles aufgezeichnet – mitansehen kann, wie exzessiv brutal dieser Mord ausgeführt wurde, damit sich die Vergeltung (die dramaturgisch eher wirr läuft) fraglos „rechtfertigt“…

Weil diese Filme – das ist einfach der „american way of thinking“ – auch immer einen sentimentalen Streifen haben müssen, erlebt man McCall hier nicht nur immer wieder friedlich auf einer Bank mit einem alten Holocaust-Überlebenden, Sam Rubinstein (Orson Bean), plaudernd, sondern auch mit dem schwarzen Jugendlichen Miles (Ashton Sanders, bekannt aus „Moonlight“), den er mit seinem Talent fürs Zeichnen und Malen nach und nach fördert. Damit es auch ein wenig Licht gibt in der Finsternis gibt… in diesem etwas zähen Film, den Regisseur Antoine Fuqua nach dem Beispiel des auch von ihm verantworteten ersten Teils routiniert abzieht.

Renate Wagner

 

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