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TATORT WÜRSTELSTAND

20.07.2013 | buch

Edith Kneifl (Hg.)

TATORT WÜRSTELSTAND
13 Kriminalgeschichten aus Wien
256 Seiten, Falter Verlag, 2013

Die Feststellung ist so lapidar wie wahr: „Das ist das Schöne an Wien. Selbst wenn sie dir dein Würstelstandl in d’Luft jagen, brauchst bloß über die Kreuzung zu gehen, und schon findest du das nächste.“ Also kann einem zum Thema auch grenzenlos viel einfallen – an die 500 dieser Etablissements gibt es in Wien, Zufluchtsort der Nachtschwärmer, Station für deftige kulinarische Ausflüge, eine Welt, in der auch eine eigene Sprache herrscht (die „Schoafe“, die „Eitrige“, das „Krokodil“ usw.)

Nachdem der Falter-Verlag seine speziellen Wiener Kriminalgeschichten-Sammlungen schon im Kaffeehaus und im Beisl, im Prater und am Friedhof angesiedelt hat, sind diesmal, wieder herausgegeben von Österreichs First Lady of Crime Edith Kneifl, die Würstelstände dran. 13 Geschichten von 13 Autoren, unterschiedlich deftig, unterschiedlich nah am Thema, aber jedenfalls breit gestreut zwischen der Historie und der Satire von heute.

So lässt Gerhard Loibelsberger, dessen Wien-Krimis man so gerne liest, seinen bekannten Polizeiinspektor Jopseh Maria Nechyba im Wien 1912 hinter verschwundenen Dienstmädchen herrecherchieren. Fragen wir nicht, wo er sie findet, jedenfalls ist er froh, am Ende Erdäpfel mit Butter zu essen, da weiß man, was drin ist… Und Herbert Dutzler erzählt, wie „Das mit dem Ferdi“ war, der nicht akzeptieren wollte, dass man Debrezinerscheibchen in Blätterteig mit Fenchel-Orangensalat serviert – sprich: die Würstelbude als kulinarische Gourmet-Hochburg. Man soll sich gegen den Lauf der Welt nicht wehren, sonst geht es einem (jedenfalls in der Kriminalgeschichte) schlecht.

Herausgeberin Edith Kneifl liefert wieder einen besonders schaurig-kruden Beitrag, wo am Ende dann die Albaner ihrem schlechten Ruf (oder, anders gesagt, ihrem glanzvollen Ruf in der Verbrecherszene) voll gerecht werden. Mahlzeit!

Zart besaitet darf man für den „Tatort Würstelstand“ nicht sein. Hoffentlich ist er nicht kontraproduktiv und lässt empfindliche Leser zurückschrecken, wenn sie nächstens vor den glänzenden, appetitlich brutzelnden Würsten stehen – und sich fragen, was da alles drin sein kann…

Renate Wagner

 

 

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