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Symphonie Nr. 8 in c-Moll WAB 108; Ausgabe 1890 Bruckner-Orchester Linz unter Markus Poschner

13.02.2020 | cd

Symphonie Nr. 8 in c-Moll WAB 108; Ausgabe 1890

Bruckner-Orchester Linz unter Markus Poschner

Aufgenommen im Orchestersaal des Neuen Musiktheaters Linz im Februar 2018 durch das Studio Weinberg, Kefermarkt; Aufnahmeleitung Erich Pintar.

Nach Entrichtung von 50 € (im Musiktheater oder im Schauspielhaus an der Promenade) erhält man eine nobel mattschwarz kaschierte Box, die mit einem silbrigen, wie Metallschaum strukturierten großen „8“er beschriftet ist – quer?? Oder ist das das Unendlichkeitssymbol? – was den tiefgläubigen Anton Bruckner sicher auch nicht gestört hätte. Im Inneren findet sich eine Hülle aus (Back-?) Papier, in die wiederum zwei Karton-Plattenhüllen, beschriftet mit „eins“, „zwei“ bzw. „drei“ und „vier“ und ein Heft mit einem Begleittext des künstlerischen Orchesterleiters, Norbert Trawöger, eingeschlagen sind; letzteres enthält auch eine komplette Liste der beteiligten Orchestermitglieder. Als wiederkehrendes Motiv, auch der Plattenetiketten, findet sich eine hellgraue Granitstruktur. Die Gestaltung stammt von Marietta Tsoukalas und unterstreichende dezent den audiophilen Anspruch.

Die Aufzeichnung erfolgte digital, über Stereo-Hauptmikrofone mit Stützmikrofonen für einzelne Instrumente(ngruppen); der lebendige und nicht zu lange Raumhall stammt hauptsächlich von der Akustik des Orchestersaales. Geschnitten wurde in Deutschland, die Pressung erfolgte bei Sony in Polen.

Hat die Nadel die Rille gefunden, hört man zuerst einmal – nichts: ein Hinweis auf erstklassige Schneide- und Preßqualität. Dann der leise erste Bläsereinsatz, ebenso atmend wie die folgenden Streicher, bevor das Hauptthema mit der gehörigen Wucht, aber ohne Grobheit einsetzt, immer unter Spannung, immer elegant. Der Streicherklang ist sanft und seidig, ohne das gewisse Quentchen Kolophonium vermissen zu lassen – sehr natürlich eingefangen. Poschner achtet immer auf Transparenz – ebenso wie das Aufnahmeteam!

Präzise sitzen Horneinsätze zu Beginn des Scherzo, dann die Steigerungen in den Cello-geführten „Landler“ absolut organisch in Dynamik und Tempo; im romantischen Trio geht die Spannung, trotz der Länge dieses Abschnittes, ebensowenig verloren.

Wunderbar lyrisch gesungen der dritte Satz. Auch hier wieder Tempowahl und dann und wann auch Agogik so, daß einerseits nicht der ductus abreißt, andererseits Musikerinnen und Musiker ihre Instrumente atmen lassen können; auch das erstklassig abgebildet vom, man könnte sagen, Kefermarkter „Landesamt für Tonaufnahmewesen“, das auch den vom Dirigenten wohldosierten Glanz des Blechs in der Klimax bestens definiert und transparent eingefangen hat. Besonders feingliedrig gegen Ende des Satzes der Harfeneinsatz vor der Generalpause, die zur horngeprägten, sanft verklingenden Coda überleitet.

Der vierte Satz, der quasi als Bruckner’scher Walkürenritt beginnt, rundet mit Glanz und Pracht die Aufnahme ab, erneut in allen musikalischen und technischen Aspekten beispielhaft.

Vergleichstabelle einiger Aufnahmen auf – freilich schnöder – Zeitbasis (Fassung anno 18xx):

 

Poschner/BOL (90)

Davis/BOL (87)

Eichhorn/BOL (90)

Celibidache/MPO (90)

I. Allegro moderato

15:02

15:06

15:51

20:56

II. Scherzo

13:50

13:20

14:55

16:05

III. Adagio

24:25

25:55

24:43

35:04

IV. Finale

22:25

25:47

21:46

32:08

Dem Bruckner-Orchester Linz erwächst aus Namen und Ubikation die Verpflichtung, besonders exemplarische Aufführungen und Aufnahmen seines Namensgebers zu liefern. Was mit dieser Symphonie (auch in der Urfassung) bereits 1991 unter Kurt Eichhorn und vor rund 15 Jahren unter Dennis Russell Davis auf Tonträger weithin gelobt bereits gelungen ist. Aber die neueste Version unter Markus Poschner, dem Chefdirigenten seit 2017, liefert zumindest in der Vinyl-Edition, neben der dem Orchester schon lange selbstverständlichen musikalischen Exzellenz, gegenüber den vorigen noch eine kleine Steigerung an Intensität, Transparenz, Natürlichkeit und Leben – Norbert Trawöger nennt das absolut zurecht eine  Referenzaufnahme!

Gehört mit: Audio Technica AT33PTG/II an Jelco-Tonarm 13 Zoll, Dr. Feickert „Blackbird“; Tonabnehmer-Vorverstärker AVM Evolution P-1, Vorverstärker AVM Evolution V-3, Endverstärker 2x Dynavox VR80E (Röhre), 2x Fostex-Vollhornlautsprecher, modifizierte (Holz-Mittelton) Klipsch-Bauart.

 

Helmut Huber

 

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