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SUPERWELT

16.03.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Superwelt~1

Ab 20. März 2015 in den österreichischen Kinos
SUPERWELT
Österreich  /  2015 
Drehbuch und Regie: Karl Markovics
Mit: Ulrike Beimpold, Rainer Wöss, Sibylle Kos u.a.

Die „Superwelt“ des Karl Markovics, die wohl kaum als solche gemeint ist, beginnt in der Trivial-Hölle unserer Zeit, im Supermarkt, dort, wo er die Menschen wohl am schlimmsten trifft, die armen Angestellten an der Kasse, die wie blinde Automaten ein Stück Konsumwelt nach dem nächsten durch den Scanner schieben und dann aufpassen müssen, dass sie die richtige Geldsumme herausgeben. Von hier zu den letzten Dingen der Menschen – beispielsweise der Gottsuche – ist es unvorstellbar weit, und genau das bekommt man hier geboten. Ein bisschen religiöser Wahn, bedeutungsschwer aufgequirlt. Seltsam, sehr seltsam.

Nun muss der Filmkritiker aufpassen. Die Kollegen haben nicht nur die erste Regie-Arbeit des Meisterschauspielers Markovics („Atmen“) gewissermaßen über Gebühr gelobt, sie haben auch diesen Film, der es immerhin im Februar auf die Berlinale brachte, mit Lorbeeren aller Art bekränzt. Wenn man nun zugibt, dass man bei dieser Geschichte von nichts, aber schon gar nichts überzeugt ist, steht man sicher im Eck. Aber feig darf man nicht sein.

Gewiß sieht man gleich zu Beginn mit Interesse in das leere, müde Gesicht der Ulrike Beimpold, die als mittelalterliche Gabi irgendwo in einem österreichischen Dorf (Kleinstadt?) im Zentrum des Geschehens steht. Dass so gut wie alles, was sie im Beruf oder daheim tut, müde, mühselige Automatik ist, wird schnell klar. Sie hat zwar einen Mann, einen Sohn und eine Tochter, die am Wochenende mit dem Freund oder Gatten zu Besuch kommt, aber eigentlich reagiert nur die ferne Tochter darauf, wenn die Mutter „anders“ ist. Mann und Sohn merken es erst, wenn seltsames Verhalten wirklich „abweichend“ wirkt.

Sollen wir tatsächlich Gottes Ruf aus der elendiglich klappernden, ratternden Waschmaschine vernehmen? Wenn diese Gabi plötzlich somnambul loszieht, sie weiß selbst nicht wohin, irgendwelchen Stimmen folgend, was ist das anderes als entweder Burnout oder was immer Psychiatern dazu einfällt? Aber echte Gottsuche, wie Markovics uns glauben machen will? Das ist einfach albern, zumal, wenn dann wirklich billige Bibel-Parallelen gesetzt werden – etwas brennt ab (brennender Dornbusch?); Gabi stolpert bei einer Handvoll betretener Arbeiter in einen Bus (die zwölf Apostel?); der Sohn sitzt mit anderen Soldaten im Laster und leugnet, dass die Frau, die da auf der Landstraße dahinstolpert, die Mutter ist (die Verleugnung durch Petrus?). Mann o Mann, so viel wurde einem lange nicht zugemutet.

Da ist ja Gabis Gatte in Gestalt von Rainer Wöss noch einigermaßen normal, wenn er auch nicht gerade ausrastet, wenn die Frau tagelang verschwindet. Das Verhältnis mit der Frau im Automatenbuffet (Sibylle Kos) glaubt man ihm gern, auch dass er die Verwirrung der Gattin dahingehend interpretiert, ihm auf die Schliche gekommen zu sein, gut, das ist einsichtig.

Ja, was passiert sonst, nachdem Gabi in eine Kapelle eingeschlossen wurde und sie dort plötzlich ganz starke Zweifel bezüglich Gottes überfallen? Der Ehemann holt sie heim (wer verzichtet schließlich auf einen angeheirateten Dienstboten?). Und wenn das Ehepaar dann am Ende neben der fatalen Waschmaschine Sex hat (möglicherweise den ersten seit Jahren), dann bewahrheitet sich Mephistos Ausspruch, es sei der Weiber Weh und Ach aus einem Punkte zu kurieren…

Was will uns Markovits damit sagen? Dass Ehemänner ihrer Pflichten ernster nehmen sollen, damit frustrierte Ehefrauen nicht in religiösen Wahn verfallen?

Frustriert ist hier leider nur das Publikum, falls es dem Regisseur in seine private Spintisiererei, wie einer Supermarktkassiererin ein Gotteserlebnis „passiert“, wirklich nicht folgen kann.

Renate  Wagner

 

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