Die internationale Kulturplattform

Stuttgarter Ballett: Erste Programm-Präsentation der neuen Direktion

14.01.2018 | TANZ-NEWS

Stuttgarter Ballett: Erste Programm-Präsentation der neuen Direktion

Bildergebnis für tamas detrich
Tamas Detrich. Foto: Stuttgarter Ballett

Noch einige Monate vor der gesamtheitlichen Presse-Konferenz des Staatstheaters Stuttgart hat der mit Beginn der Saison 2018/2019 amtierende Tamas Detrich einen Überblick über seine erste Spielzeit vorgestellt.

Mit John Cranko, mit dem er sich aus der Tradition des Stuttgarter Balletts heraus und als dessen langjähriges Mtglied und erfahrener Interpret seiner Werke eng verbunden fühlt, soll sich der Vorhang seiner Direktionszeit öffnen. Der Shakespeare-Klassiker ROMEO UND JULIA markiert diesbezüglich eine fixe Säule.

Mit einem dreiteiligen Klassiker-Programm unter dem Titel „Shades of White“, in dessen einzelnen Stücken er zum Teil noch selbst im Corps de ballet getanzt hatte, beginnt der Premierenreigen. Crankos erst vor zwei Jahren wieder ans Tageslicht geholtes KONZERT FÜR FLÖTE UND HARFE wird dabei mit George Balanchines SYMPHONIE IN C und als Novum mit Natalia Makarovas eingerichtetem KÖNIGREICH DER SCHATTEN aus „La Bayadere“ kombiniert. Zusammengenommen ein Abend, der das Können des Corps de ballets ins Zentrum stellt.

Aus Anlass des 40Jahr Jubiläums von John Neumeiers KAMELIENDAME kehrt dieser für Stuttgart geschaffene Edel-Klassiker nach einigen Jahren Pause auf die Bühne zurück.

Als Erstaufführung gelangt – man höre und staune – trotz der langjährigen Verbundenheit und sonstigen Repertoire-Präsenz zum ersten Mal ein abendfüllendes Ballett von Jiri Kylian auf die Stuttgarter Bühne. 50 Jahre sind seit dessen Antritt als Corps de ballet-Tänzer vergangen, somit setzt die Erarbeitung von ONE OF A KIND auch als nachträgliche Gratulation zum 70. Geburtstag ein würdiges Zeichen.

Nicht weniger überraschend ist die Ankündigung der Stuttgarter Erstaufführung eines Handlungs-Klassikers, erstens weil es diesbezüglich seit dem Jahr 2000 keine Novitäten mehr gegeben hat und zweitens, weil Kenneth MacMillans MAYERLING einen doch sehr auf die österreichische Geschichte bezogenen Stoff behandelt. Jedenfalls wird damit ebenso wie für die schon erwähnte Neumeier-Choreographie die Spannung verbunden sein, welche jetzt noch nicht bekannt gegebenen personellen Veränderungen diesen solistisch gesehen persönlichkeitsstarken Herausforderungen Rechnung tragen werden. Zum ersten Mal nach 26 Jahren konnte Jürgen Rose wieder als Bühnen- und Kostümbildner für eine Ballettproduktion gewonnen werden, so dass MacMillans erster Abendfüller eine neue und garantiert ästhetische Optik erhalten wird.

Einen Uraufführungs-Dreiteiler bildet das Projekt unter dem Arbeitstitel 100 JAHRE BAUHAUS. In Kooperation mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar werden zu diesem Jubiläum und anlässlich der Eröffnung des neuen Bauhaus-Museums die Halbsolistin und inzwischen bewährte Choreographin Katarzyna Kozielska, der in Stuttgart seine internationale Karriere gestartete Edward Clug und die bis zum Sommer noch äußerst erfolgreich am Theater Heidelberg amtierende Nanine Linning thematisch damit verbundene Kreationen schaffen.

Auch die letzte Premiere mit dem Überbegriff „Atem-Beraubend“ beschert zuvor in Stuttgart nicht gesehene Werke von zudem noch nicht einmal hier tätig gewesenen Choreographen: OUT OF BREATH von Johan Inger und KAASH von Akram Khan. Letzeres in einer erweiterten Fassung für 15 statt bisher 5 Tänzer und soweit möglich mit live gespielter Musik. Kombiniert werden die beiden Novitäten  mit der Wiederaufnahme von Itzik Galilis HIKARIZATTO.

Die jährliche große Tournee wird im Herbst 2018 nach Japan führen und die beiden viel verlangten Cranko-Klassiker SCHWANENSEE und ONEGIN präsentieren.

Wie auch immer der/die Einzelne dieses Programm einschätzen mag, es verspricht den mit einem Direktionswechsel nicht nur erhofften, sondern als Zeichen der Erneuerung auch verlangten frischen Wind