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Stuttgarter Ballett: „BEGEGNUNGEN“ – Eine Rückkehr und weitere Debuts

19.02.2018 | Ballett/Tanz

INITIALEN De Oliveira, Soares Da Silva, Amatriain, Badenes foto_13 Januar 2018
Symbol der Freundschaft – die vier Initialen v.l. Moacir de Oliveira (E.), Adhonay Soares Da Silva (R.), Alicia Amatriain (M.) und Elisa Badenes (B.)

Stuttgarter Ballett: „BEGEGNUNGEN“ 10.+16.2.2018 – Eine Rückkehr und weitere Debuts

Für Anna Osadcenko, die nach ihrer Babypause an diesen Abenden auf die Bühne zurückkehrte, kam mit Jerome Robbins „DANCES AT A GATHERING“ eine ideale Wiedereinstiegs-Choreographie, deren Verknüpfung von neoklassischen Elementen und spielerischem Freiraum an sie nicht auf Anhieb technische Höchst-Anforderungen stellte. In der Rolle in Mauve kombiniert sie eine klare Spitzentechnik mit dem durch die Babypause noch erweiterten Wissen um den tieferen Sinn des Ausdrucks, der in kleinen Details wie kurzen Blicken oder einem besonders betonten Schritt sichtbar wird. Speziell die oft nur angedeuteten statt konkreten zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich in teils unkonventionellen Erscheinungen wie einem komplett im kreisförmigen Rückwärtsgang angelegten Männer-Pas de deux, dem Querlegen einer Partnerin über der Schulter oder dem Alltag entnommenen Auf- und Abtrittsformen niederschlagen, bereichern dieses zeitlos gebliebene spontane Zusammentreffen 10 junger Menschen. Von Mauve zu Blau gewechselt hat Halbsolistin Veronika Verterich und zeigte sich auch in diesem weniger markant ausgeprägten Part als Tänzerin mit zunehmend sprechenderem Gesicht sowie einer unauffälligen Technik. Wie auf den Leib geschneidert erscheint Halbsolistin Jessica Fyfe die Rolle in Apricot, wo ihr quirliges Wesen und ihre flinke Beinarbeit ganz in den spritzigen choreographischen Facetten aufzublühen vermögen. Ihre Auftritte zaubern ein Lächeln aufs Gesicht, auch wenn in partnerschaftlicher Hinsicht noch nicht immer alles ganz fließend sitzt.

Zuletzt ist noch von einer wichtigen Novität in Crankos „INITIALEN R.B.M.E.“ zu berichten. Dort stellte sich Solist Marti Fernandez Paixa erstmals der virtuosen Herausforderung des „R“ und hinterließ trotz einer nicht ganz auf ihn zugeschnittenen charakterlichen Ausprägung, genauer gesagt einer natürlich strahlenden kraftvollen Vitalität, einen gewinnenden Eindruck, weil er die intuitive Gabe besitzt, musikalische Strukturen in den vielen kleinen die demonstrativen Vorführmomente verbindenden Schritten nachzuspüren, mit Phantasie auszufüllen und obendrein sein gewohntes Charisma auszuspielen.

Adhonay Soares Da Silvas mit Leichtigkeit und einem noch etwas monochromen Strahlen hingefetzte Dreh-Touren machen im Vergleich sicher mehr Effekt und doch zeigt der Brasilianer nach mehreren Vorstellungen der vorangehenden Robbins-Choreographie Fortschritte, unter die bloße Oberfläche bloßer technischer Abspulung zu dringen.

Alexander Reitenbach (Chopin) und Andrej Jussow (Brahms) teilten sich wechselnd und mit unterschiedlichem Geschick den Klavier-Marathon der beiden Werke, und Wolfgang Heinz leitete das Staatsorchester Stuttgart  mit Verve und mancher dabei in Kauf genommener Grobheiten in den Tutti und Übergängen durch Brahms B-Dur-Konzert.

Udo Klebes

 

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