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STUTTGART/ Wilhelma-Theater/ Hugo Wolf-Akademie: MELODRAMENABEND MIT BRIGITTE FASSBAENDER/ WOLFRAM RIEGER

14.11.2022 | Konzert/Liederabende

Internationale Hugo-Wolf-Akademie: Melodramen-Abend mit Brigitte Fassbaender und Wolfram Rieger im Wilhelma-Theater am 13.11.2022/STUTTGART

Von Hexen, Geistern und Dämonen

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Brigitte Fassbaender. Foto: Wolf-Akademie

Wieder bot Brigitte Fassbaender (Rezitation) zusammen mit Wolfram Rieger  (Klavier) einen faszinierenden Melodramen-Abend. Gleich zu Beginn fesselten die beiden einfühlsam gesprochenen Gedichte „Schön Hedwig“ op. 106 und „Ballade vom Haideknaben“ op. 122/1 von Friedrich Hebbel, wo Brigitte Fassbaender den Duktus und Sprachrhythmus in perfekter Weise traf. Wolfram Rieger begleitete sie bei der Vertonung von Robert Schumann mit leidenschaftlicher Emphase und einem genauen Gespür für thematische Zusammenhänge. Sehr überzeugend war auch das hochdramatische „Hexenlied“ op. 15 von Max von Schillings mit einem Text von Ernst von Wildenbruch, wo der parallele Verlauf von Text und Musik besonders positiv auffiel – vor allem wenn die verurteilte Hexe „Errette mich!“ rief. Außerdem überzeugte hier die genaue Rhythmisierung des Textes sowie die überschwängliche Gestaltungskraft beim Lied der Hexe. Max von Schillings war von 1908 bis 1918 Generalmusikdirektor am Königlichen Hoftheater in Stuttgart.  „Der traurige Mönch“ von Nikolaus Lenau mit der glutvollen Musik von Franz Liszt besaß ebenfalls etwas Dämonisches, Unfassbares, das Brigitte Fassbaender ausdrucksvoll herausarbeitete.  Wolfram Rieger überwand die schwierigen Sprünge am Klavier mit filigraner Leichtigkeit – und auch die chromatischen Spitzfindigkeiten wurden immer wieder perfekt gelöst. Liszts berühmte Vibrato-Oktaven waren ebenfalls versteckt herauszuhören. „Das  Schloss am Meere“ von Nikolaus Lenau erfuhr eine kongeniale Vertonung von Richard Strauss, was Brigitte Fassbaender und Wolfram Rieger glänzend betonten. Hier herrschte der für Strauss typische jugendlich-drängende Überschwang vor, den beide Künstler in einfühlsamer Weise unterstrichen: „Sahest du oben gehen den König und sein Gemahl? Der roten Mäntel Wehen, der goldnen Kronen Strahl?“ Eine interessante Entdeckung waren ferner die Lieder „Seegespenst“ op. 21/1 sowie „Bergidylle“ op. 21/2 Nr.1,  21/2 Nr. 2 und op. 21/2 Nr. 3 von Heinrich Heine in der klangfarbenreichen Vertonung von August Reuss, der ein Zeitgenosse von Richard Strauss war. Der Stil beruhte dabei auf einer spätromantischen, alterierten Harmonik, die beide Interpreten einfühlsam akzentuierten. Zuletzt interpretierten Brigitte Fassbaender und Wolfram Rieger noch „Wie waren einst so schön, so frisch die Rosen“ op. 68/1 von Iwan Turgenjew in der ausdrucksvollen Vertonung von Anton Arenskij. Lyrische Passagen dominierten hier, aber es gab bei dieser Wiedergabe auch deutliche Anklänge an Schumann, Tschaikowsky und Rimskij-Korsakow.

Alexander Walther

 

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