Premiere: Tanztheater über Udo Jürgens am 4. September 2026 im Treffpunkt Rotebühlplatz/STUTTGART
Erinnerung an einen Heiligen des Showgeschäfts

Copyright: Michael Brühl
Udo Jürgens kann man hier von einer ungewöhnlichen Seite erleben. Lieder wie „Siebzehn Jahr, blondes Haar“, „Auf meinem Tisch ein weißer Bogen“, „Was ich dir sagen will“, „Deine Einsamkeit“ oder „Merci Cherie“ werden mit Franz Schuberts Streichquintett in C-Dur op. post. 163 und John Taveners „The Protecting Veil“ kombiniert. Sonia Lautenbacher und Kristina Olearnikova zeigen dabei eine ungewöhnliche Palette tänzerischer Möglichkeiten auf. Die Choreografin Katja Erdmann-Rajski beleuchtet dabei die über unterschiedlichste Udo-Songs verstreuten Szenen eines Menschen, der an sich und dem Leben zweifelt und an seiner Einsamkeit verzweifelt. Zwischen Nummern wie „Damals wollt‘ ich erwachsen sein“, „Ich weiß, was ich will“, „Ein ehrenwertes Haus“ oder „Ich war noch niemals in New York“ entsteht so eine ganz eigentümliche und manchmal auch sphärenhafte Klangwelt, die die beiden Tänzerinnen einhüllen. Gleichzeitig wird Udo Jürgens dabei als dem unantastbaren Heiligen des Showgeschäfts gehuldigt. Mit- und Gegenspielerin erscheint dabei tatsächlich als eine Person, dargestellt von zwei Solistinnen. Gedanken, Gefühle, Traumbilder, Sehnsüchte und Zweifel verschwimmen gleichsam vor den Augen des Zuschauers, werden zuweilen aber auch überdeutlich sichtbar. Bei „Griechischer Wein“ singen dann alle plötzlich mit. „Ein Lied für alle die einsam sind“ weckt nicht nur tänzerisch alle Lebensgeister.

Copyright: Michael Brühl
Und natürlich darf ein Song nicht fehlen: „Immer wieder geht die Sonne auf“. So spricht dieses poetische Tanztheater über Einsamkeit in Udo Jürgens‘ Liedern unter dem vielsagenden Motto „O Solitude I“ das Publikum immer wieder direkt an. Die fließenden Übergänge von der Unterhaltungsmusik zur Klassik sind manchmal verblüffend, obwohl nicht immer alles passt. Doch die körperliche Umsetzung zeigt deutlich Wirkung: „Im Kühlschrank brennt noch Licht“. Die Tänzerinnen sind jedenfalls nicht einsam. Sie sind ganz im Körper, in der Bewegung und in der Musik. Diese Tanztheaterreihe „O Solitude“ geht auf einen Song von Henry Purcell aus dem Jahre 1691 zurück, der „Einsamkeit“ thematisiert. Die alle Grenzen sprengende Eigendynamik von Schuberts Streichquintett verbindet sich hier mit Udo Jürgens‘ Schlagern in einer ganz seltsamen Weise.
Viel Applaus und Jubel des Publikums.
Alexander Walther

