Verleihung des 69. Kompositionspreises der Landeshauptstadt Stuttgart beim Festival „Eclat“ am 9.2.2025 im Theaterhaus/STUTTGART
Reivolle Verbindung mit der Pop-Kultu
Seit 1955 schreibt die Landeshauptstadt Stuttgart jährlich einen Kompositionspreis aus. Ziel des Wettbewerbs ist es, Komponierende zu fördern. Von der auch von den Donaueschinger Musiktagen bekannten kroatischen Komponistin Sara Glojnaric war zunächst das dynamisch differenzierte Werk „Everything, Always“ für Streichorchester und Tape (2022) zu hören, das sich ganz bewusst zwischen Musiktheater, Scripted Reality und konzertantem Stück bewegt. Ihre Stimme kommentiert dann in origineller Weise dieses Stück, während es in real-time komponiert wird. Auffallend ist Sara Glojnarics Faible für die Popkultur, mit der sie sich von Kindheit an beschäftigt hat. So gibt es hier eine interessante Gegenüberstellung von Arbeitsprozessen und die direkte Interaktion mit den Musikern in Echtzeit auf der Bühne. Live-Kommentar, die Analyse kompositorischer Problematik und die Auseinandersetzung mit einer ironischen Version ergänzen sich. So hört man im großen Streichorchester plötzlich Anklänge an „Dancing Queen“ von Abba und anderen Pop-Größen. Dabei ergeben sich ganz ungewöhnliche Klangpaletten.
Das echtzeitEnsemble des Studios Neue Musik der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart unter der inspirierenden Leitung von Christof M Löser arbeitete die facettenreichen Tableaus nuancenreich heraus. Anschließend erklang „Infuse: Playtime“ für Ensemble (2021) der aus dem Kosovo stammenden Komponistin Anda Kryeziu, die ebenfalls den Stuttgarter Kompositionspreis gewann. Hier wird maximalistischen Tendenzen energisch widersprochen. Akustische Parameter stehen im Mittelpunkt, wobei dieses Werk nicht ganz so überzeugt wie die Arbeit von Sara Glojnaric. Anda Kryeziu sucht obsessiv nach neuen Klangfarben. Die akustische Ebene und das kammermusikalische Format stehen im Zentrum. So wird der Klang subtil geformt und es entstehen immer wieder intime Klanglandschaften. Das konzentriert agierende Ensemble vermochte die Zuhörer auch hier zu fesseln.
Zum Abschluss war das 6. Streichquartett „ich leihe mir bei Jürg Frey einen Kugelschreiber“ (2023-23) von Thomas Stiegler zu hören, der im Hauptberuf als Arzt für Innere Medizin arbeitet. Es handelt sich dabei um ein berührend leises Stück, das neben suggestiven Quint- und Quart-Effekten auch Glissando- und Flageolett-Klänge verwendet. Pizzicato-Passagen unterstreichen und unterbrechen manchmal die fast schon philosophischen Passagen, wobei man zuweilen sogar an Beethovens letzte Streichquartette denkt. In jedem Fall spürt man den kompositorischen Blick des praktizierenden Arztes, der hier auch Gemälde von Paul Klee klanglich verarbeitet. Es ist zudem ein akustisches Tasten über dem unvermeidlichen Abgrund. Das Fabrik Quartet musizierte hier mit höchster Konzentration und Feinschliff. Marc Gegenfurtner, Kulturamtsleiter der Landeshauptstadt Stuttgart, sprach ein Grußwort. Laudationes und Gespräche führten Boglarka Pecze für Sara Glojnaric, Samir Odeh-Tamimi für Anda Kryeziu und Annesley Black für Thomas Stiegler. Gelobt wurde dabei vor allem die künstlerische Vielfalt.
Alexande Walther

