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STUTTGART/ Studiotheater: „Illusionen einer Ehe“ als Komödie von Eric Assous

17.12.2022 | Theater

„Illusionen einer Ehe“ als Komödie von Eric Assous im Studiotheater am 16.12. 2022/STUTTGART

Die Wahrheit muss man aushalten

zim
Foto: Jim Zimmerman

Ein gedeckter Frühstückstisch und eine spanische Wand eröffnen diese rasante Komödie des französischen Erfolgsautors Eric Assous stimmungsvoll. Zwischen Ada und Felix, lange glücklich verheiratet. kommt plötzlich das Thema „Seitensprung“ auf den Tisch. Ada entlockt ihrem Mann das Geständnis, zwölf „unbedeutende“ Affären gehabt zu haben. Sie kontert deswegen mit  einem Geliebten, den sie aber über neun Monate lang hatte. Das sorgt für Aufregung. Dorothea Baltzer als Ada und Klaus Ellmer als Felix verbinden bei ihrer facettenreichen Darstellung des merkwürdigen Ehepaars geschickt Spannung und Humor. In der subtilen Regie von Jana Kirsch werden Wortwitz und Tiefgründigkeit nuancenreich vermischt. Der Ausbruch aus dem Ehe-Korsett lässt nicht lange auf sich  warten. Felix möchte unbedingt wissen, wer denn der Mann sei, mit dem ihn Ada angeblich betrogen hat. Doch diese schweigt sich eisern aus. Gleichzeitig möchte sie von ihm wissen, wie viele Seitensprünge er sich während der Ehe geleistet hat. Felix hat den Mut, auszupacken. Und der dramaturgische Spannungsbogen steigert sich auf diese Weise immer mehr und immer heftiger.  Obwohl Felix fassungslos über die Untreue seiner Frau ist,  ist sie nach wie vor auf keinen Fall bereit, den Namen des „Nebenbuhlers“ preiszugeben. Das bringt die Spannungskurven auf den Siedepunkt. Plötzlich ruft Felix‘ Freund Erik (wandlungsfähig: Dirk Deininger) an. Felix hat auch hier den Verdacht, dass dieser jener geheimnisvolle Liebhaber sein könnte, den ihm seine Frau so hartnäckig verschweigt. So kommt er auf eine raffinierte Idee: Er lädt ihn kurzerhand zum Mittagessen ein. Die Wahrheit möchte in diesem Zusammenhang natürlich erst einmal ausgehalten werden. Aber diese abwechslungsreiche Komödie überrascht in dem rustikalen Bühnenbild wiederholt durch ihren  Wortwitz.  Erik muss sich beim Mittagessen einem peinlichen Verhör unterziehen, das er aber nicht auf Dauer mitmachen möchte. Es kommt schließlich auch heraus, dass er arbeitslos ist und vor drei Monaten seinen Job verloren hat. Erik wird die Situation immer peinlicher und er möchte nicht immer nur den Sündenbock spielen. Jana Kirsch sorgt bei ihrer Inszenierung neben einer feinen Brise Humor auch für eine gewisse Melancholie. Schließlich platzt Erik der Kragen und er geht. Das Ehepaar scheint letztendlich damit gerechnet zu haben, denn es bleibt nicht unbedingt ratlos zurück. Vielleicht habe die Ereignisse diese Beziehung sogar mehr gefestigt als zerrüttet. Der Hintersinn der Komödie wird so nicht geleugnet, denn das Ehepaar verschwindet zuletzt hinter der spanischen Wand.

 

ALEXANDER WALTHER 

 

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