Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

STUTTGART/ Staatsoper: TOSCA . Viel Spannung mit neuem Protagonisten-Trio

15.10.2026 | Oper international

Staatsoper Stuttgart :„TOSCA“ 14.10. 2026 – viel Spannung mit neuem Protagonisten-Trio

tosca
Marigona Qerkezi (Tosca) und Duego Godoy (Cavaradossi) im 1.Akt. Foto: Martin Sigmund

Die 143. Vorstellung der fürs Repertoire so idealen, aufs Wesentliche reduzierten Inszenierung von Willy Decker in spartanisch stimmigen Bühnenräumen und der Zeit angemessenen Kostümen von Wolfgang Gussmann lockte mit einem neuen Sänger-Trio in den Hauptrollen auch einige Stammbesucher ins Opernhaus.

Allen Grund zur Freude bereitet Marigona Qerkezi, die mit viel Feingefühl und fraulichem Instinkt eine gleichzeitig liebende, leidende, aber auch elegant verführerische Tosca gestaltet und im Zusammenspiel mit ihrem Geliebten Mario und dem tyrannischen Baron Scarpia eine lebhafte Interaktion aufbaut, die immer wieder für spannende Abläufe mit überraschender Spontanität sorgt, wie z.B. während des instrumentalen Intermezzos, wenn Scarpia den Geleitbrief ausstellt, sie dabei zwischendurch fixiert, worauf sie sich ihm mit gespielter Koketterie entgegen stellt, während sie hinterrücks nach dem auf der langen Speisetafel liegenden Messer greift. Vokal vereint die kroatische Sopranistin schwebend leichte Lyrismen mit dramatischem Impetus, leuchtenden Höhen und ganz zentriert sitzenden schlank angesetzten Spitzentönen. Eine Belcanto-Stimme, die sich auch mühelos im Verismo behauptet.

Nach seinem Kalaf in der neuen „Turandot“ im Frühsommer waren die Erwartungen an den Chilenen Diego Godoy recht hoch. Leider konnte er sie – zumindest an diesem Abend – als Cavaradossi nicht ganz erfüllen, weil seine stimmliche Leistung etwas unstet zwischen klangvollen Phasen und etwas matter Tongebung mit manchmal etwas löchrig durchgezogenen Bögen wechselte, und zwischen seiner durchschlagskräftig vollen Höhe und eher flachem Tiefenregister jetzt eine deutliche Diskrepanz zu vernehmen war. Kein Zweifel besteht an seiner schauspielerischen Qualität im Wandel vom feurigen Revolutionär, der sich nach der Folterung mit großem körperlichem Einsatz rund um seine „Vittoria“ -Rufe aufbäumt,  zum im 3.Akt ganz gebrochenen Gefangenen, der Tosca auf der Engelsburg nicht entgegen stürmt, als ob er an ihr Erscheinen ohnehin nicht mehr glaubt.

toos
Marigona Qerkezi (Tosca) und Iain MacNeil (Scarpia) im 2.Akt. Foto: Martin Sigmund

Unter der Macht Scarpias in Gestalt von Iain MacNeil hatte das Liebespaar ohnehin keine Chance, dessen fiese Miene und bedrohliche Ausdrucksgewalt korrespondierte perfekt mit dessen sehr hell ausgeprägtem, mit unglaublicher Strenge eingesetztem Bariton. Die Ansprache in der Tiefe ist einerseits etwas begrenzt, die farbliche Skala auf Dauer eher monochrom, und dennoch faszinierte dieser Bösewicht in seiner unnachgiebig präsenten autoritären  Ausstrahlung. Sein Aufbäumen gegen die Todesstöße Toscas vereinnahmt einen großen Teil der Bühne, wo andere Rollenvertreter recht schnell aufgebend zusammen brechen.

Neu dazu gekommen sind auch Jawoung Lee als glaubhaft verängstigter Flüchtiger Angelotti mit düsterem Baß und Daniel Domarecki als engagiert folgsamer Spoletta mit frischem, über das Charakterfach hinaus weisendem Tenor. Andrew Bogard hat seinen Mesner inzwischen in allen Nuancen mit beweglichem Baß-Bariton verinnerlicht. Sebastian Bollacher (Sciarrone), Ulrich Frisch (Schließer) und Alissa Kurglyakova mit zart-klarer Stimme eines Hirten vervollständigten die Besetzung.

Eine Erstbegegnung ist auch der Dirigent Francesco Ciluffo, der trotz teilweise etwas gedehnten, teilweise zu forschen Tempi, was vor allem beim Tenor hin und wieder zu kleinen Divergenzen führt, Puccinis süffig stimmungsvolle Musik in all ihrer malerischen wie auch schlagkräftigen Wirkung mit dem konstant mitziehenden und besonders in intimeren Momenten sehr viel Atmosphäre schaffenden Staatsorchester Stuttgart voll zu ihrem Recht kommen lässt. Den guten Kontakt zur Bühne bestätigt nicht zuletzt das vom Staatsopernchor Stuttgart (Einstudierung: Bernhard Moncado) schlaggenau fesselnd angestimmte TeDeum.

Viel Jugend im Publikum sparte nicht mit seiner Begeisterung und gerecht aufgeteilten Ovationen. „Tosca“ ist und bleibt unerschütterlich und funktioniert auch mit Abstrichen.

   Udo Klebes

 

Diese Seite drucken