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STUTTGART/ Staatsoper: SAINT FRANCOIS D’ASSISE von Olivier Messiaen

23.06.2023 | Oper international

Stuttgart: Saint Francois d’Assise/O.Messiaen 22.6.2023

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Foto: Martin Sigmund

In Stuttgart wird jetzt zum ersten Mal die einzige Oper Olivier Messiaens „St. Francois d’Assise“ gespielt, die als Krönung des Schaffens des einzigartigen Komponisten 1983 in der Opera Bastille zu Paris uraufgeführt wurde.Messiaen, der auch nachhaltig seinen Schüler Pierre Boulez beeinflußte, schrieb zwar weitgehend atonale Musik, kann aber in seinen Werken einen derartigen klanglichen Sog creieren, so daß im Zusammenspiel mit einer funkelnden ausgepichten Rhythmik vielfältiger Orchesterstimmen, nie öde oder nur seriell intuierte Musik entsteht. Sein wohl bekanntestes Konzertstück ist ‚Le Quatuor pour la fin du temps‘, das auf der Offenbarung des Johannes beruht.Der sehr religiöse Katholik Messiaen ließ sich in seinen Kompositionen vielfach von der Bibel inspirieren, der sich aber auch als Ornithologe bezeichnende Musiker hat die von ihm selbst gesammelten und aufgezeichneten Vogelstimmen in seine Francois-Oper eingebracht und mit der Vogelpredigt des Ordensgründers als ein zentrales Tableau verknüpft.

Die ganze ca. sechsstündige Oper ist in drei Akte und acht Tableaus gegliedert. Die Regisseurin Anna- Sophie Mahler hegte von Beginn an die Idee, das Werk nicht nur auf der Opernbühne zu inszenieren, sondern gemäß dem Pilger-Vorbild Franz‘ von Assisi, der in Umbrien und ganz Mittelitalien mit seinen Brüdern und Jüngerinnen gewandert ist, sich auch in Stuttgart auf Pilgerfahrt zu begeben, und vom Opernhaus, in dem die Tableaus 1-3 Das Kreuz, Die Laudes und Der Kuß des Aussätzigen oratorial und semiszenisch stattfinden, in die nahegelegene katholische Hauptkirche St.Eberhard umzuziehen. Dabei wird ein MP3-Player zur Verfügung gestellt, auf dem man das 4.Tableau ‚Der wandernde Engel‘ hören und in der Domkirche das vom Komponisten verfaßte Libretto mitlesen konnte. Dieser Engel war schon in dem ersten halbszenischen Teil hinter dem Orchester aufgetreten und in seinem golden strahlenden Gewand, mit Goldlametta behängten Armen und Haube mit Tentakeln aufgetreten und  auch Schloßgarten als Lebende Figur zu sehen. Zu den Tableaus 5 und 6 (Der musizierende Engel und Die Vogelpredigt) fuhr man in von Guides angeführten Gruppen mit der Stadtbahn zum Killesberg, wo  in einer Art von hohen Laubbäumen umfriedeten Amphitheater auch die riesig besetzten Kollektive des von Chor und vollprofessionellem Extrachor und des Staatsorchesters ausgezogen waren. Bei dem abschließendem Tableaus Die Stigmata und Der Tod und das neue Leben, die auf der Opernbühne gespielt wurden. Hier kam auch die eigentliche Regiehandschrift A.-S. Mahlers zum Tragen, davor handelte es sich auch in der Bühne & Raumkonzeption von Katrin Connan mehr um Kirchenoper und Stationendrama.

Die tolle Leistung des Staatsorchesters wär insgesamt hoch zu loben. Angeführt von Titus Engel, dem langjährigen Leiter des Ensemble Modern, eine erste Adresse für die Interpretation zeitgenössischer Musik, gab er die bestens austarierten Impulse zur Bewältigung dieser einzigartigen Partitur. Wichtige instrumentale Elemente stellen die äußerst agilen drei Xylophonspieler und die teils süßlich schluchzenden und mit süffig gezogenen Tönen agierenden Ondes Martinots dar. Man kann somit das Werk somit durchaus in eine Reihe mit den Vorgängern Das Lied von der Erde/Mahler und den Gurreliedern A. Schönbergs sehen, und es wird jetzt verstärkt auf die Bühne gebracht.

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Foto: Martin Sigmund

Die letzten beiden Tableaus stellen zuerst den Franziskus allein auf die mattgrau glänzende Bühnenschräge. Die Stimme Christi ist zuerst durch den Chor aus dem Off symbolisiert. Vo einem Kreuz gehen Lichtstrahlen auf beide Hände und Füße sowie auf die Seite des Ordengründers aus, die die Stigmata auslösen. Für die letzte gesungene Strophe des von ihm gesungenen Sonnengesangs fährt eine die gesamte bühne bedeckende Sonne herunter, die den von hinten auftauchenden Chor wie ein Netz zudeckt. die Strahlen sind bei A.-S.Mahler hier ein engmaschiges Netz, aus dessen Löchern nur die Köpfe der vordersten Chormitglieder erkenntlich sind. Nach dem Tod des Franziskus sieht man eine sich entpuppende Raupe im Großformat auf einem Gazé und am Ende den erstandenen Chor mit der von der Erdenschwere befreiten Leiche des Ordensgründers.

Die Mitarbeiter und Brüder werden bis auf den Bruder Leon, der mit feinem, fast zartem Tenor  von Danylo Matviienko gesungen wird, in der Mehrzahl Baritonen bzw.Baßbaritonen gegeben. Der geheilte Aussätzige: Moritz Kallenberg, Bruder Massée: Elmar Gilbertsson, Bruder Elie: Gerhard Siegel (Tenor), Bruder Bernhard: Marko Spehar, Bruder Sylvestre:  Elliott Carlton Hines., Bruder Rufin: Anas Seguin.

 Den Engel singt Beate Ritter mit immens natürlichem, sanft glühendem Sopran. Der Titelsänger und -darsteller ist der US-Amerikaner Michael Mayes, der wie alle Brüder in bunten, nachhaltig genähten Überhängnen (Kost.: Pascale Martin)  agiert und mit seinem anenehm timbriertem, warmen gut phrasierenden Bariton alle Szenen beherrscht.                               

Friedeon Rosén

 

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