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STUTTGART/ Staatsoper: RIGOLETTO – mit einem weiteren Duca aus dem Ensemble

06.11.2025 | Oper international

Staatsoper Stuttgart: „RIGOLETTO“ 5.11. 2025- mit einem weiteren Duca aus dem Ensemble

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Kai Kluge (Duca). Foto: Martin Sigmund

 Seit seinem Nemorino vor drei Jahren war klar, dass sich der aus dem Opernstudio hervorgegangene Kai Kluge zu einer ersten Kraft auch für das Belcanto-Fach mit viel versprechender Zukunft entwickelt hat. Der Duca in Verdis auf Victor Hugos „Le roi s’amuse“ basierender Oper passt genau in diesen Prozess und zeigt, wie sein Tenor noch an Fülle und Kraft gewonnen hat. Die von Lebensfreude und Frauentrieb bestimmten Kantilenen des Herzogs entströmen ihm, unterstützt von seinem leidenschaftlichen Spieldrang, leicht und locker. Im Wechsel von Schmachten und Leiden wäre nur manchmal noch etwas mehr dynamische Differenzierung angebracht, um die Intensität seines Vortrags noch spannender zu gestalten. In Summe ist er neben dem südländisch glutvoll timbrierten Atalla Ayan der zweite vollwertige Rollenvertreter aus dem Haus-Ensemble. Keine Selbstverständlichkeit!

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Martin Gantner (Rigoletto). Foto: Martin Sigmund

 Auch Alma Ruoqi Sun war im Stuttgarter Opernstudio bevor sie ins Ensemble übernommen wurde. Ihre Königin der Nacht ließ darauf schließen, dass ihr Kapital momentan auf das hohe Stimmregister ausgerichtet ist. Dementsprechend setzt sie als Gilda dort Höhepunkte, wo sie in ihrer Arie dem Geliebten „Gualtier Maldé“ in klar und weit gespannten Fiorituren nachsinnt und im Rache-Duett und in der Gewitterszene mit Spitzentönen durchdringt. Zarte Lyrismen spinnt sie mit viel Gefühl, nur entfaltete die Mittellage vielleicht tagesbedingt einen etwas belegten und nicht durchweg schlackenfreien Klang. Im übrigen zeichnet sie die Rolle mit durchaus impulsiven Akzenten des Aufbegehrens gegenüber ihrem sich für sie beanspruchenden Vater. Diesen verkörperte wie schon bei der WA im Juli bei seinem Rollendebut Martin Gantner als komplexen Charakter aus falsch verstandener Liebe, Angst, Zynismus und Rachedurst und hinterließ erneut die Frage, warum sich der bislang nur im deutschen Fach bekannte Sänger nicht schon eher auch andere Ausflüge in die italienische Oper unternommen hat. Sein Bariton mit gleichmäßig durchgebildeten Registern vermag eine gewisse klangliche Trockenheit durch gut dosierte Ton- und Farbgebung zu kompensieren und auch die von Verdi geforderten Gesangsbögen auszufüllen. Simone Boccanegra und Falstaff wären doch naheliegende Aufgaben für ihn.

 In Jossi Wielers durchweg rollengerecht profilierter, hin und wieder unnötig überspitzter  Inszenierung, wirkungsvoll unterstützt von Bert Neumanns Dreh-Bühnenraum und passend gewandet durch Nina von Mechow, fällt Itzeli del Rosario als ausgesprochen schönstimmig und mezzo-sinnliche Maddalena ebenso auf wie Goran Juric als ihr mordernder Bühnenbruder Sparafucile mit kantabel präsentem Bass und David Steffens donnernd bassal tragfähig fluchender Monterone. Durchweg homogene Beiträge lieferten Maria Theresa Ullrich (Giovanna), Oscar Encinas (Borsa), Jacobo Ochoa (Marullo), solide auch die Kleinstrollenträger.

Die Herren des Staatsopernchors (Einstudierung: Bernhard Moncado) sparten nicht an vokalem Zugriff und dringlichem Ausdruck, überziehen indes die ohnehin schon etwas übertrieben vorgegebenen Demonstrationen ihrer sexuellen Triebe immer wieder an den Rand der Lächerlichkeit.

 Am Pult des in einzelnen Instrumenten nicht immer ganz konzentriert wirkenden Staatsorchesters Stuttgart  stand Marc Piollet, der die Solisten sicher und aufmerksam durch ihre Anforderungen begleitete und den MusikerInnen auch darüber hinaus weisende, in der fortschrittlich grundierten Partitur beinhaltete Stimmungserscheinungen entlockte.

 Das Publikum sparte nicht mit spontanen Begeisterungsrufen.

 Udo Klebes

 

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