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STUTTGART/ Staatsoper: LUISA MILLER

14.06.2015 | Oper

Stuttgart/ Staatsoper: Luisa Miller am 13.6.2015 

In Stuttgart fand jetzt die Wiederaufnahme von Verdis Luisa Miller statt, die vor 5 Jahren Premiere hatte, und dieser Inszenierung gelingt es, sich tatsächlich auf einer Stufe mit der musikalischen Umsetzung zu ‚behaupten‘, wobei zu bedenken ist, daß Luisa Miller, die Kabale & Liebe Schillers, von vielen, auch italienischen Zeitgenossen, als ein Rückfall Verdis hinter den Vorläufer ‚Macbeth‘ gesehen wird. Das liegt vielleicht auch an der relativ großen Anzahl von Szenen (ca. 43), und im Libretto etwas hölzern herüberkommenden Protagonisten wie der  Nebenbuhlerin Friederike v.Ostheim. Ansonsten erscheint sie aber doch als ein Wurf Verdis, der als Vorläufer von Rigoletto, Traviata und Trovatore ja schon auf die späteren Liebesopern wie Aida, Boccanegra oder Sizilianische Vesper vorausscheinen lässt und musikalisch keinesfalls dahinter zurückfällt. Das kann der Dirigent Marco Comin auch verbal in einem Nachgespräch versichern, wobei für ihn die seltenere Aufführung der Luisa eigentlich gar nicht nachvollziehbar verbleibt. Im Graben des Staatsorchesters wird sie z.T. sehr lautstark, aber in guter Akustik zum Klingen gebracht, und hier ist auch an Vielzahl der musikalischen Einfälle Verdis zu erinnern, die solistisch und in den jeweiligen Instrumentengruppen z.T.beglückend ausgeführt werden.

 Was kann da nun die Regie „dagegen halten“? Markus Dietz (szenische Einstud. der WA Magdalena Fuchsberger) setzt auf eine völlige Abstrahierung, die vor allem in einem weißen Bühnenraum von Franz Lehr zum Ausdruck kommt, der sich von Szene zu Szene mit Hilfe der Bühnenmaschinerie verändert. Es gibt auch viele Versenkungen, in eine stürzt am Ende der sterbende Rodolfo der schon unten liegenden Luisa nach. Die Chöre treten ganz stilisiert, Männer in Frack und Zylinder, auch die Frauen teils mit Zylinder,in schwarz-weiß-Kombination, auch verschleiert und mit Totenkopf-Bedeckung auf (Kostüme Anna Eiermann). Vorne spielt sich die Handlung in immer spannender Personenregie oft auf erhöhten Podien ab. Sparsam wird auch mit Video (Judith Konnerth) gearbeitet, der Brief Luisas etwa live auf einer Leinwand mitgeschrieben, sonst versinnbildlichen einmal ineinanderlaufende rote Blutsprengsel das Geschehen.

 Die Chöre (Johannes Knecht und Christoph Heil) sind musikalisch wohlinstruiert, stark- und schönstimmig besetzt. Josefin Feiler vom Opernstudio gibt Laura, Vertraute Luisas mit ausdrucksvoll gutem Sopran. Der Wurm wird von Attila Jun mit schneidendem dabei voluminösem nicht dunklem Baß gesungen, auch passend im Duett mit Walter, Adam Palka, sehr drahtig jugendlich, mit plastisch durchschlagskräftigem Baß und großem Stimmumfang. Die etwas statische Kurzrolle der Federica wird von Ramona Zaharia angemessen adäquat und stimmlich auf gutem Mezzo-Niveau gezeichnet. Den Miller singt mit prononciert schönstimmigem Bariton Evez Abdulla, eine typische Vaterrolle Verdis, die Abdulla auch nahezu heldisch auszugestalten weiß. Für Rodolfo wurde mit Gaston Rivero ein Latin Lover mit großem Tenorschmelz, dabei großer Ausdruckskraft und expressiver Phrasengestaltung, engagiert. Für seine Luisa ist wie bei Traviata eigentlich ein soprano leggiero, ein soprano lirico mit Koloratur und ein dramatischer Sopran gefordert. Adina Aaron kann mit ihrer feintimbrierten Stimme in allen Akten bestehen, wenn sie auch bei großen dramatischen Rollen das Aufblühen und die Potenzierung der Stimme noch organischer entwickeln könnte.                                                                            

Friedeon Rosén

 

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