Staatsoper Stuttgart: „Liedkonzert mit ADAM PALKA“ 2.3. – ein Bass-Klangbad in Raritäten

Erstklassig in allen Belangen: der Bassist Adam Palka_ Copyright: Matthias Baus
Seit 2013/14 ziert er als eine der herausragenden Säulen das Ensemble der Staatsoper Stuttgart und ist ihm dank attraktiver Rollenangebote trotz seiner inzwischen internationalen Solisten-Karriere treu geblieben. So verwundert es, dass er sich erst jetzt mit einem Lied-Programm im Rahmen der kammermusikalischen Konzertreihe vorstellte. Dieses hatte es aber in sich und schlug im zweiten Teil einen Bogen zur Oper, was beim Resonanz-Reichtum seines Basses und seiner spürbaren spielerischen Ader auch sehr nahe lag. Die Stimme wird von Mal zu Mal unter Beibehaltung eines ebenso klangvollen Registers an Feinheiten noch größer und durchschlagskräftiger, so dass sich ihr in allen sprachlichen Bereichen lohnende Aufgaben bieten, zumal sie immer mit gestalterischer Expressivität verbunden ist.
Das wurde sogleich am Beispiel von fünf der zehn Shakespeare-Sonette op.52 von Dmitri Kabalevsky vom Beginn der 1950er Jahre offenbar, in denen Palka verschiedene Ausprägungen der Liebe von Ruhelosigkeit über Verlust bis zur göttlichen Gestalt mit einer reichen Dynamik zum Ausdruck bringt. Worin auch eine gewisse Dosis Pathos Platz hat, das sich immer wieder in den tonal bleibenden Gesangslinien des oft an Prokofieff orientierten und 1987 verstorbenen Komponisten bemerkbar macht. Palka erreicht hier, obwohl gebürtiger Pole, in der breiten fülligen Tiefe eine klangliche Ausprägung, wie sie sonst nur russischen Bässen zu eigen ist.
Nur wenige Jahre später sind vier weitere Sonette nach William Shakespeare in der Vertonung von Palkas Landsmann Tadeusz Baird entstanden. Ursprünglich für Orchesterbegleitung, hier formatgemäß mit Klavier, wodurch der mehr lyrische Charakter der Stücke unterstrichen wird, auch weil die Pianistin und Solo-Korrepetitorin des Hauses Yuki Aori eine fein akzentuierte Basis für die wiederum anders ausgerichteten Spielarten der Liebe schuf. Die sich eher im Bariton-Bereich bewegende Notierung weiß Palka mit seiner auch in der Mittellage und speziell in der Höhe für einen Bass außergewöhnlich präsenten Stimme sowohl kultiviert wie auch mutig schattierungsreich umzusetzen.Geradezu betörend ist immer wieder sein bruchloses Schalten von einem gewaltigen Forte in ein warm sangliches Legato.
Diese dynamische Flexibilität ist bereits von seinen zahlreichen Opern-Partien bekannt, bekommt indes im Zuge seiner weiteren Entwicklung zu einer Zusammenführung von basso profondo und basso cantante einen noch höheren Stellenwert. In diesem Konzert erweitert er zumindest mit ein paar Arien aus selten gespielten Werken sein Repertoire und hinterlässt den Wunsch, ihn auch szenisch darin zu erleben. Wobei er das festliche 1.Rang Foyer auch so schon zur Bühne mit greifbar ausgelebten Charakteren wandelt. Zuerst in der komödiantisch angelegten Arie des geheimnisvolle Vorgänge im „Gespensterschloß“ von Stanislaw Moniuszko schildernden Skoluba. Danach im leidvoll ergreifenden Arioso des Königs René aus Tschaikowskys Einakter „Jolanta“, gefolgt von der einen Entscheidungs-Konflikt schildernden Arie des Herzogs von Arcos aus der 1874 in Genua uraufgeführten Revolutions-Oper „Salvator Rosa“ des bei uns weitgehend unbekannten führenden brasilianischen Romantikers Antonio Carlos Gomes – in einem Stil, der Verdi-Belcanto und Puccini-Verismo geschickt und wirkungsvoll miteinander verbindet.
Danach macht Palka einen Abstecher ins Französische und serviert die Arie des Ralph aus Bizets selten gespielter „La jolie fille de Perth“ als Beispiel eines seriösen Trinkliedes mit Delikatesse und Sonorität. Den Abschluss bildet die vor Bösartigkeit schillernde Arie des finsteren Inquisitions-Beamten Alvise Badoero aus Ponchiellis „La Gioconda“ – einem prachtvollen zwischenepochalen Werk, das nebenbei bemerkt hoffentlich bald auch mal das Stuttgarter Repertoire zieren wird. Palka investiert und kombiniert in diesen schaurig wohlklingenden Rachegesang all seine künstlerischen Mittel an unmittelbarer vokaler und interpretatorischer Verausgabung.
Als nicht hundertprozentig disponiert angekündigt, ist diese Leistung an rund 70 Minuten Volleinsatz umsomehr zu bewundern. Dafür wurden er und die sich als ebenso inspiriert wie sensibel zupackende Gestalterin am Flügel erweisende Yuki Aori mit Ovationen gefeiert.
Udo Klebes

