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STUTTGART/Staatsoper: LA SONNAMBULA – weiterhin auf Erfolgskurs

21.02.2026 | Oper international

Staatsoper Stuttgart

„LA SONNAMBULA“ 20.02.2026 – weiterhin auf Erfolgs-Kurs

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Claudia Muschio (Amina) und Charles Sy (Elvino). Copyright: Martin Sigmund

 Es ist erfreulich, wenn auch beim breiten Publikum weniger bekannte Werke über viele Jahre zu einem festen Repertoire-Bestandteil werden. Bellinis auf simple Weise rührende Geschichte der fälschlicherweise der Untreue bezichtigten Schlafwandlerin Amina hat sich seit der Premiere im Januar 2012 dank der in Anna Viebrocks Bühnenraum (+Kostüme) in allen Details gut gepflegten, manchmal auch etwas überspitzt unter die Oberfläche schauenden Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito mit einem immer noch irritierend zwiespältig wirkenden Happy-End sowie beständiger musikalischer Qualität so weitreichend herum gesprochen, dass viele Vorstellungen ausverkauft waren oder sowie diese mittlerweile 41.Aufführung zumindest erfreulich gut besucht ist.

Bei wiederholtem Besuch wird vor allem auch bewusst, dass wir es hier mit einem in Umfang und szenischer Anteilnahme lohnendsten Einsätze für den Chor zu tun haben. Die Damen und Herren des Staatsopernchores Stuttgart legten sich als aus lauter individuellen Charakteren gezeigtes Dorfvolk auch jetzt wieder mit Hingabe in deren subtile Ausspielung und adelten ihren Standard mit präzisem und klanglich fein abgestuftem Gesang. Was natürlich auch auf das Konto von Bernhard Moncados Einstudierung geht und – sehr entscheidend – auch dem höchst aufmerksamen und hinsichtlich Tempo-Gestaltung und die Spannung fördernden dynamischen Zuspitzungen äußerst inspirierten Dirigat von Vlad Iftinca zu verdanken ist. Das Staatsorchester Stuttgart steuerte dazu ein ausgewogenes Klangbild aus rhythmisch kongruenten Streicher-Segmenten und fein dosierten Bläser-Soli bei.

Seit der letzten Wiederaufnahme im Juli 2024 liegt die Titelrolle in den Händen von Claudia Muschio, die sich aus dem Opernstudio heraus innerhalb weniger Jahre zu einer veritablen Belcanto-Künstlerin gemausert hat. Eine Sängerin, die aufgrund sicher ausgeprägtem technischem Stanima nicht nur den so leidvoll elegischen melodie lunghe großen Atem und berührenden Ausdruck verleiht, sondern auch über dramatische Qualitäten verfügt, die es ihr erlauben z.B. dem Finale des ersten Aktes situationsgemäßen Biß und ihrer finalen Freude überschwängliche Intensität zu geben. Auch im Spiel ist sie, unterstützt von der hier psychisch analysierten Regie, sowohl eine zart ergebene als auch verzweifelt aufbegehrende Natur.

Charles Sy präsentierte sich unterstützt von seinem weich und wohllautend feinen Timbre wieder als idealer, höchst kultivierter Belcanto-Stilist, solange er nicht über ein gewisses Maß an Kraft fordernder Entäußerung hinaus gehen muss. Folglich gab es bei seinem trotz übersteigerter Eifersucht auch viele Sympathien weckenden Elvino neben größtenteils schönst erfüllten Passagen einige Momente (Finale 1, Arie 2.Akt), wo seine Grenzen an Durchsetzungsfähigkeit hörbar wurden.

Michael Nagl vereint als mit Autorität und einer Lust auf das weibliche Geschlecht spürbar machenden Verkörperung des Grafen Rodolfo bass-baritonale Fülle mit eingestreuter warmer Phrasierung.

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Persönlichkeit in Spiel und Stimme: Helene Schneiderman (Teresa). Copyright: Martin Sigmund

Von Anfang an dabei sind Helene Schneiderman und Catriona Smith und von ihren Partien nicht mehr weg zu denken. Als ob die Zeit stehen geblieben wäre, wirken beide unverändert frisch und ambitioniert – auch hinsichtlich ihrer verlustlos erhalten gebliebenen vokalen Mittel. Erstere als überbesorgte Mutter-Persönlichkeit Teresa mit expressiv und ausgewogen geführtem Mezzosopran, Zweitere als köstlich frustrierte, dazwischen übersteigert selige Lisa mit weitgehend schlackenlosem und ohne tangierende Höhenschärfen auskommendem Sopran.

Andrew Bogard kämpfte als Alessio wieder mit viel Charme und beherzt eingesetztem Bass-Bariton um ihre Gunst. Den Notar intonierte Chormitglied  Juan Pablo Marin mit solistischer Tenor-Qualität. Als vom Volk geschildertes Gespenst geisterte jetzt Sandy Liebehenschel mehrfach durch die Szene.

  Udo Klebes

 

 

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