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STUTTGART/ Staatsoper/ Foyer: Zweites Liedkonzert mit Beate Ritter und Virginie Dejos

22.12.2022 | Konzert/Liederabende

Zweites Liedkonzert mit Beate Ritter und Virginie Dejos am 21.12.2022 im Foyer der Staatsoper/STUTTGART 

In höchsten Sphären

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Beate Ritter. Foto: Matthias Baus

Ein deutsch-französisches Liedprogramm präsentierten die österreichische Sopranistin Beate Ritter und die französische Pianistin Virginie Dejos im Foyer der Staatsoper. Es war eine gelungene Kombination, die gut zusammenpasste. Beate Ritter erfasste zunächst die ergreifende Schlichtheit bei Franz Schuberts Liedern „An die Musik“, „Seligkeit“, „Auf dem Wasser zu singen“ und „Du bist die Ruh'“, wobei sich hier die romantische Unendlichkeit der Klangwelt in wunderbarer Weise öffnete. Zarte Linienkunst und besessene Rhythmik stachen dann bei „Quatre Chansons de Ronsard“ von Darius Milhaud hervor, wo Beate Ritter ihre Stimme zielsicher bis in die höchsten Sphären führte. Die Nähe zum Expressionismus und reiche Bitonalität bis hin zur Polytonalität wurden hier in filigraner Weise beschworen. Hervorragend war auch ihre subtile Wiedergabe der „Mörike-Lieder“ von Hugo Wolf, wo sich zwischen chromatischen Spannungsmomenten atemberaubende Höhepunkte ergaben. Vor allem den intimen Seelenschilderungen lauschte Beate Ritter hier zusammen mit der einfühlsamen Pianistin Virginie Dejos eine unerhörte Klangfülle ab. Kontrolliertes Pathos fern jeder rauschaften Geste herrschte dabei immer wieder vor. Und doch blieb der Einfluss Richard Wagners spürbar. Aus den „Preludes pour piano“ von Claude Debussy spielte Virginie Dejos „La danse de Puck“, wobei die knappen motivischen Gedanken in reizvoller Weise hervorblitzten. Mendelssohns „Sommernachtstraum“ ließ versteckt grüßen. Neben den Orgelpunkten fielen hier auch die geheimnisvollen Intervall-Beziehungen ins Gewicht. Virginie Dejos hielt sich ganz an die vorgeschriebene Phrasierung. Der geheimnisvolle Zauber der Zentraltöne Es-Des besaß eine flimmernde Aura. Zusammen mit der Sopranistin Beate Ritter interpretierte Virginie Dejos dann ebenfalls von Claude Debussy „Quatre chansons de jeunesse“. Hier überzeugten vor allem die beiden Lieder „Clair de lune“ und „Pierrot“. 

Neben dem gesanglichen Glanz der Kantilenen verblüfften immer wieder die reizvoll hervorgehobenen thematischen Zusammenhänge. Ein weiterer Glanzpunkt waren dann die Lieder von Lili Boulanger aus „Clairieres dans le ciel“. Hier brachte die Koloratursopranistin Beate Ritter die Töne wirklich zum Sprechen und Leuchten, es ergab sich dabei eine sehr eindringliche Verbindung von imaginären Klangwelten und filigraner harmonischer Durchsichtigkeit. Virginie Dejos gelang es als Pianistin, die Sängerin hier mit großer Sensibilität zu begleiten. Kraftvolle formale Klarheit und lyrische Reinheit faszinierten die Zuhörer bei dieser einfühlsamen Wiedergabe. Virginie Dejos interpretierte dann nochmals aus den „Preludes pour piano“ von Claude Debussy das Stück „Voiles“, wobei das Fünfton-Intermezzo hier einen starken Eindruck hinterließ und die Boulanger-Lieder sehr gut ergänzte. Die akustische Wirkung des Ganztonklangs konnte sich hier überzeugend entfalten. Melodische und rhythmische Feinheiten wurden dabei vom flüchtigen Kreisen einer melodischen Terzenlinie ergänzt. Und die reinen Quarten und Quinten besaßen eine befreiende Wirkung. Gipfelpunkt dieses Liederabends  waren zuletzt die Ausschnitte aus den sechs Liedern op. 68 aus dem Jahre 1918 von Richard Strauss. Man spürte, dass beide Künstlerinnen gerade zu Strauss eine besondere Beziehung haben. Die musikalischen Sterne wurden bei einzelnen Nummern wie „An die Nacht“, „Als mir dein Lied erklang“ oder „Amor“ wirklich zum Glitzern und Leuchten gebracht. Ein Klangkosmos verschiedenartiger Farben und Formen setzte sich mit großer Pracht durch. Gerade die Macht der aufblühenden Melodie zeigte bei weiteren Nummern wie „Ich wollt ein Sträußlein binden“ und „Säusle, liebe Myrthe“ große Wirkung. Auch die kunstvolle Verschlingung der einzelnen Motive und die pathetische Klangsprache ergänzten sich dabei gegenseitig. Und die Differenzierung der einzigartigen Motivtechnik von Richard Strauss wurde hier in ausgezeichneter Weise berücksichtigt. Dieses Liedkonzert fand in Kooperation mit der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie Stuttgart statt.

Alexander Walther

 

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