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STUTTGART/ Staatsoper/Foyer: 1. LIEDKONZERT „Alles endet, was entstehet“ im Foyer der Staatsoper

04.11.2022 | Konzert/Liederabende

Erstes Liedkonzert „Alles endet, was entstehet“ im Foyer der Staatsoper am 3. November 2022/STUTTGART

Mit überwältigender Kraft und Klarheit

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Stine Marie Fischer. Foto: Matthias Baus

 Ein vielseitiges Programm erwartete hier die Zuhörer. Bei der Interpretation der 1901 bis 1904 entstandenen „Kindertotenlieder“ von Gustav Mahler präsentierte die Altistin Stine Marie Fischer zusammen mit Virginie Dejos (Klavier) einen stark verinnerlichten Gesangsstil, der Trauer mit Gefasstheit verband. Der ständige harmonische Wechsel von Dur und Moll kam sehr eindringlich zur Geltung. Subtiler Klangfarbenreichtum herrschte vor. Der Erlanger Professor Rückert beklagt in diesen Versen den Tod seiner Kinder – und auch Mahler empfand diese Komposition der Kindertotenlieder nach dem Tod eines Kindes als Herausforderung  des Schicksals. Die sprunghafte Vertonung der Texte arbeiteten beide Künstlerinnen in ausgezeichneter Weise heraus. Im vierten Lied „oft denk‘ ich, sie sind nur ausgegangen“ geriet das lyrische Ich in Grenzbereiche. Ein christlicher Choral setzte sich durch – alles schien kontrapunktisch kunstvoll gestaltet zu sein. Und auch die geheimnisvolle Verbindung zwischen den anderen Liedern „Nun will die Sonn‘ so hell aufgeh’n“, „Nun seh‘ ich wohl, warum so dunkle Flammen“  oder „Wenn dein Mütterlein“ wurden mit ihren geheimnisvollen thematischen Verbindungslinien sehr gut betont. Die Melodie des ersten Liedes in D-Dur wirkte wie eine schemenhafte Erinnerung.

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Goran Juric. Foto: Matthias Baus

Goran Juric (Bass) gestaltete dann zusammen mit Virginie Dejos Lieder nach Michelangelo Buonarotti von Hugo Wolf mit fulminanter Emphase und ausdrucksstarker Deklamation. Das Pathos des Intimen und die elektrisierende Steigerung der Chromatik fielen besonders positiv auf. Schwelgerisch schöne Melodik und alle Kämpfe verzehrender Leidenschaft wechselten sich bei Goran Jurics Gesang bei einzelnen Liedern wie „Alles endet, was entstehet“ oder „Fühlt meine Seele das ersehnte Licht“ in ergreifend-bewegender Weise ab. Bei den beiden Gesängen op. 91 von Johannes Brahms fesselte Stine Marie Fischer wiederum mit ihrer ausgesprochen leuchtkräftigen Altstimme, deren Intensität sich bei den beiden Liedern „Gestillte Sehnsucht“ und „Geistliches Wiegenlied“ immer mehr steigerte. Robin Porta (Viola) begleitete dabei auch die Pianistin Virginie Dejos mit einfühlsamen Kantilenen. Goran Juric faszinerte mit seinem voluminösen Bass bei „Zwei Romanzen“ op. 49 von Nikolai Rimski-Korsakow, wo dessen reiches Gefühl für Harmonik und Pentatonik hervorstrahlte. Und Stine Marie Fischer interpretierte die Lieder „Lange schon bot die Liebe“, „Christus ist auferstanden“ und „Es ist Zeit“ von Sergej Rachmaninow zusammen mit der Pianistin Virginie Dejos mit überwältigender emotionaler Kraft und Klarheit. Bei Rachmaninow geht es um den auferstandenen Christus. Es ist keine Botschaft der Freude, sondern er weint, weil er sieht, wie schlecht es um die Welt bestellt ist. Melismen zeigten sich auch bei Jacques Iberts „Quatre chansons de Don Quichotte“, wo Goran Juric mit seinem Bass sehr wandlungsfähig agierte. Virginie Dejos begleitete ihn einfühlsam und prägnant am Klavier. Die impressionistischen Einflüsse blitzten hier bei Ibert genauso markant hervor wie die Assoziationen zur Harmonik Maurice Ravels. Bunte Harmoniewechsel und verfeinerte Chromatik rundeten dieses musikalisch eindrucksvolle Bild ab. So bekam man einen Einblick in das Seelenleben des „Ritters von der traurigen Gestalt“ – insbesondere bei „Chanson a Dulcinee“. Ibert lässt die Zeit der Ritter, der Troubadoure, Höfe und Burgen in eindringlicher Weise Revue passieren. Diese Lieder sind dem russischen Opernsänger Fjodor Schaljapin gewidmet.

Begeisterter Schlussapplaus.

Alexander Walther

 

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