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STUTTGART/ Staatsoper: „DON GIOVANNI“ – mit kurzfristig ersetztem Herrn und Diener

12.12.2025 | Oper international

Staatsoper Stuttgart: „DON GIOVANNI“ 11.12. 2025- mit kurzfristig ersetztem Herrn und Diener

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Martina Russomanno (Donna Anna) und Moritz Kallenberg (Don Ottavio). Foto: Martin Sigmund

Während der Corona-Zeit konnte Björn Bürger aufgrund Erkrankung des halben Ensembles nur eine halbszenische Aufführung ohne Bühnenbild und Kostüme bestreiten. Doch was in dieser Form damals schon an starkem Rollenprofil zu erkennen war, bestätigte sich jetzt, als er -ursprünglich für diese Vorstellungs-Serie gar nicht vorgesehen – nun als kurzfristiger Einspringer sein szenisches Debut nachholen konnte: ein ganz in der im Prinzip ungreifbaren und vielfach identifizierten Figur aufgehender Singschaupieler. Großspurig im Gebaren und doch voller anziehendem Charme, durchweg ein Don mit würdiger Erscheinung und auch smarter Ausstrahlung. Vokal schöpft er ebenso aus dem Vollen, lässt seinen durchweg locker ansprechenden Bariton großzügig aufblitzen und strömen, aber wo erforderlich auch verhaltener und schattierter ansetzen.

In der Inszenierung von Andrea Moses aus dem Jahr 2012 ist der „Wüstling“ ein Motelbesitzer, und wie seine Gäste und Angestellten ein letztlich Einsamer, der sich durch Liebesabenteuer Abwechslung schafft. In einem drehbaren zweistöckigen Gebäude mit gläsernen Zimmern, Treppenaufgängen und  offenen Umgängen, einer Bar  und einer Garage spielt sich das Geschehen in Gegenwarts-Bekleidungen (Bühne und Kostüme: Christian Wiehle) mit einer von dieser Regisseurin bekannten, sehr intensiven  Personenführung ab, inklusive einiger bei ihrem überbordenden und nicht immer ganz nachvollziehbaren Ideenreichtum wohl unvermeidlichen, komisch sein sollenden Übertreibungen ab. Im Ganzen ergibt das eine Kurzweiligkeit, besonders wenn so wie an diesem Abend die Mehrzahl aller Partien sowohl musikalisch wie interpretatorisch erstklassig versiert und mit spürbarem Spieltrieb besetzt sind und vom Dirigentenpult aus flexibel getragen und zusammengehalten werden. Dort stand GMD Cornelius Meister mit all seiner nun vielfach bewiesenen Kompetenz an feinsinniger wie auch durchgreifender Musikalität und führte das Staatsorchester Stuttgart nach einer noch etwas Akzente vermissen lassenden Ouvertüre beherzt durch den jedes Mal aufs Neue staunen machenden, so menschlich reifen Gehalt von Mozarts dramma giocoso. Dabei gilt seine Aufmerksamkeit gleichermaßen der instrumental stringenten Ausformung wie auch den sängerischen Bedürfnissen, indem er z.B. ein paar kurze Text- bzw. Takthänger des zweiten Einspringers Andreas Wolf so geschickt auffängt, dass es kaum auffällt. Dieser war als Leporello vor Jahren bereits hier aufgetreten und ist mit seinem rundum soliden, zuverlässigen Bassbariton und charakterlicher Festigkeit auch jetzt wieder ein glaubwürdig pfiffiger, wie auch unter der Fuchtel Giovannis leicht verängstigter Diener.

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Adam Palka als bass-monumentaler Komtur. Foto: Martin Sigmund

Der Komtur ist Stammgast im Motel und tritt nach seinem Tod als leibhaftiges Monument auf dem Souffleurkasten auf. Adam Palka gibt ihm mit sattem, projektionskräftigem, richtig in den Sitz bannendem Bass eine gewaltige Statur, die der Höllenfahrt alle Ehre macht. Eine erfreuliche Neubegegnung ist Martina Russomanno als seine Tochter Donna Anna, die junge Italienerin vereint lyrische Empfindsamkeit, dramatischen Zugriff und schwebend leichte Koloratur in technisch mühelos verschmelzender Selbstverständlichkeit und sichert der zögerlichen Verführten mit durchweg frei schwingendem, fein timbriertem Sopran eine klare Linie.

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Diana Haller als hypersensible Donna Elvira. Foto: Martin Sigmund

Den Kontrast dazu bildet die ständig wie am Limit ihrer schwankenden Gefühle agierende verlassene Donna Elvira in Gestalt von Diana Haller. Am schmalen Grat zwischen flutend entfaltetem Sopran und organisch eingebundenen Mezzo-Tiefen hält die auch szenisch wie immer lebhaft engagierte Kammersängerin die beständige Spannung einer erregten Frau im Widerstreit von Rache und weiterem Begehren. Für Ausgleich sorgt Natasha Te Rupe-Wilson als spritzig leichtfertige Zerlina mit einem dafür idealen quecksilbrigen, in den Spitzen glänzend schimmernden Sopran. Letztlich ist sie bei dem Barmann, dem von Andrew Bogard diesmal (formbedingt?) etwas fahler und trockener, aber durchweg anständig vokalisierten Masetto doch besser aufgehoben als bei dem unbeständigen Don. Nicht zuletzt setzt Moritz Kallenberg mit seinem klar fundierten, sowohl nobel zurückhaltenden wie auch forsch zupackenden klangvoll hellen Tenor in seinen Arien wie auch im nuancierten Spiel als Don Ottavio einige Glanzpunkte dieser von einer kleinen Formation des Staatsopernchors ergänzten, in lebhafter Begeisterung endenden 52. Vorstellung dieser Inszenierung.                                                                                                                 

Udo Klebes

 

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