Stuttgart, Die schlaue Füchsin von L.Janacek 9.11.25, Premiere

Claudia Muschio. Foto: Martin Sigmund
Interessanterweise ist dies erst die zweite Premiere dieser Oper in Stuttgart überhaupt, obwohl sie doch zu den bekannteren Opern Janaceks zählt. Auch scheint der deutsche Titel „Schlaue Füchsin“ neu zu sein, die Oper firmierte wohl bis dato als ‚Schlaues Füchslein‘ ,was ja eher den Tiercharakter der Protagonistin hervorhebt. Das in Stuttgart jetzt gewählte ‚Füchsin‘ zielt auf den menschlichen Charakter der Figur hin und entscheidet sich eindeutig für ihr weibliches Geschlecht. Damit scheint auch die allegorische Tierwelt als Spiegelung der Menschenwelt eindeutig und ernstgenommen. Das drückt sich besonders auch in den Kostümen aus, indem fast gar keine Tierkostüme Verwendung finden und die „tierischen“ Handlungen völlig in den Hintergrund treten. Höchstens bei dem Hühnerchor mit weißen körperbedeckenden ‚Federkleidern‘ oder etwa beim Eichelhäher, der mit blauen Stoffstreifen übersät auftritt, gibt es Tierassoziationen im Kostümbild von Anja Rabes.Die Füchsin ist in einem dunkelbraunen Glitzerkleid resp. Hosenanzug, ihre Tochter in ebensolchem Rock gekleidet,und die anderen jungen ‚Hüpferinnen‘ in phantasievoll gebatikten Kleidern gestylt. Der Fuchs trägt eine Tunika aus weißem Stoff. Der Förster erscheint zuerst mit einer dicken Bauchbinde mit Schachmuster, später etwas verjüngt in einer Art Trainingsanzug, der verliebte Lehrer ist rosa-blau designt, der Pfarrer schwarz mit weißem Tupfer.
Nach einer live gezeichneten Comic ‚Einführung‘ zu Rap-Musik, in der die Liebe Füchsin – Fuchs thematisiert ist, öffnet sich die Bühne, zu einem Raum, der wie eine vertikale Badewanne anmutet (Bühne Katja Hass), der sich später aber noch viel weiter nach hinten öffnet. Er mutet fast surreal an, indem gleich links an der Wand ein Stuhl mit Schrumpflehne hängt und sich an beiden Seiten dunkle Löcher für Auf- und Abgänge befinden, aber schon mal auch per Hechtsprung als flotter Abgang genutzt werden. Die Farbe des sich nach hinten verjüngenden Raums ist bronzen, hinten ist er mit einer Glasscheibe begrenzt, hinter der in Dunkelheit auch Lichter und sich anpirschende Gestalten wahrgenommen werden. Es ist ein Einheits-Bühnenraum, ein ‚Seelenraum‘, in dem drei Opernakte pausenlos durchgespielt werden und damit quasi zu einem verschmelzen. Sonst bringt der Fuchs zur Liebesszene noch ein zusammenstellbares Sofa mit, und der Tisch und die runden Hocker für die Kneipenszene fahren am Ende von selbst in den Bühnenboden.

Carmen L.Caparros, Claudia Muschio. Foto: Martin Sigmund
Eine schlüssige Handlung ist nicht auszumachen. In der Inszenierung von Stephan Kimmig gibt es in 1 3/4 Stunden mehr oder weniger Bühnenklamauk, der leider auch in Langeweile umschlägt.
Die Musik aus dem Graben erklingt sehr sonor und kompakt. Einprägsame Motive werden von Dirigentin Ariane Matiakh prägnant herausgearbeitet. Aber irgendwie will die Musik nach oben nicht richtig ‚überspringen‘, verbleibt wie ein steriler Sound im Orchestergraben. Auch Instrumentalsoli, die sich mit den Figuren verschwistern könnten, sind eher nicht auszumachen .Trotzdem ein Lob an das Staatsorchester für eine gute Performance sowie an den Staatopernchor aus dem Off, der mit samt dem viralen Kinderchor von Bernhard Moncado einstudiert wurde.
In Nebenrollen kommen Felix Zimmerer, Luna Fehrenbacher, Carmen L.Caparros, Oscar Encinas, Itzeli del Rosario, Torsten Hofmann und Catriona Smth gesanglich zum Einsatz. Michael Nagl gibt den Wilderer Harasta mit bassbaritonalem Applomb, Andrew Bogard den Pfarrer/Dachs baritonal dezidiert. Moritz Kallenberg gibt fein-tenoral den Lehrer und eine Mücke. Försterin und Eule werden vom Mezzo Olivia Johnson gestaltet. Pawel Konik übernimmt die Rolle des Försters baritonal ausgewogen. Die Schwedin Ida Ränzlöv, ebenfalls Mezzosopran, singt den Fuchs mit tragender wohltimbrierter Stimme. Als Protagonistin und Füchsin reüssiert mit angenehm stilvollem Sopran und sympathischer Rollengestaltung Claudia Muschio.
Friedeon Rosen

