KLANGFARBLICHER ZAUBER: 6. Liedkonzert „a la francaise“ am 15.6.2026 im Foyer in der Staatsoper/STUTTGART

Laura Orueta. Foto: Matthias Baus
Mediterranes Flair besaß dieses 6. Liedkonzert des Opernstudios im Foyer in der Staatsoper Stuttgart unter dem Motto „a la francaise“. Zunächst interpretierte die versierte Mezzosopranistin Laura Orueta „Les Filles de Cadix“, „Madrid“ und „En mer“ von Pauline Viardot, wo der thematische Reichtum auch dank des einfühlsamen pianistischen Begleiters Vlad Iftinca nur so aufblühte. Kaskaden, Girlanden und Arabesken sprudelten dann bei den Liedern „L’Absente“, „Voisinage“ und „L’Ete“ von Cecile Chaminade in beglückender Weise hervor, weil Laura Orueta hier auch mit einem weichen Timbre und innerer gesanglicher Leuchtkraft verblüffte. Die Sopranistin Luiza Willert sang daraufhin „Aurore“, „Les Berceaux“, „Le Secret“, Au bord de l’eau“, „Notre amour“ und „Fleur jetee“ von Gabriel Faure mit Sensibilität und großer Ausdruckskraft, wobei die Grazie und Sauberkeit des Stils immer wieder in beeindruckender Weise hervorblitzte. Die verborgensten Bezirke der französischen Psyche schienen hier tatsächlich erkundet zu werden. Poetische Inspirationen dominierten. Auch nocturneartig-kantable Passagen wurden von Luiza Willert dabei nie vernachlässigt. Ausgezeichnet war zudem die fesselnde Interpretation von Hector Berlioz‘ „la Mort de Cleopatre“ durch die exzellente Mezzosopranistin Olivia Johnson. Sie erfasste zusammen mit dem Pianisten Vlad Iftinca diese malende und wunderbar illustrierende Musik in bemerkenswerter Weise. Musikalische und programmatisch-dichterische Bezüge gipfelten hier in seltsamen Leitmotiven, die sich aber immer wieder auffächerten. Die Kühnheit der Komposition faszinierte den Zuhörer. Klangfamilien kamen in geheimnisvoller Weise zusammen, die weitere Farbwerte hervorbrachten, die Olivia Johnson minuziös heraufbeschwor. Die musikalische Substanz wirkte hier jedenfalls nie kraftlos.

Jacobo Ochoa. Foto: Matthias Baus
Eine weitere Entdeckung war der voluminöse Bariton Jacobo Ochoa, der die „Chansons gaillardes“ von Francis Poulenc meisterhaft interpretierte. Kühle Eleganz und expressionistische Klangformen ergänzten sich hier gegenseitig, wobei vor allem die Nummern „Madrigal“, „La Belle Jeunesse“ und „Serenade“ aufgrund der reichen Charakterisierungskunst herausragten. Das Frische und Natürliche sowie die Nähe zu Mozart und Scarlatti und neoklassizistische Effekte waren bei dieser gelungenen Wiedergabe überall herauszuhören. Zuletzt begeisterte die hervorragende Sopranistin Carmen Larios Caparros bei „Ouvre ton coeur“ von Georges Bizet mit leidenschaftlich-glutvoller Emphase, die sich auch auf die eher sphärenhafte „Elegie“ von Jules Massenet übertrug.

Carmen Larios Caparros. Foto: Matthias Baus
Die Harmonik erweiterte sich durchsichtig und vielgestaltig. „Oh! Quand je dors“ von Franz Liszt erreichte eine starke gesangliche Intensität. Ekstatische Emphase, heroisches Pathos, kühne Intervallsprünge, schwärmerisches Gefühl und sanfte Elegie ergänzten sich hier gegenseitig. Mit vielen knisternden rhythmischen Finessen wartete zuletzt „Les Filles de Cadix“ von Leo Delibes auf, wo sich die Klänge sinnlich übereinanderschichteten und den Zuhörer verzauberten. Einprägsame Melodik wurde von Carmen Larios Caparros exzellent verdeutlicht. Jubel, Begeisterungsstürme!
Alexander Walther

