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STUTTGART/Staatsgalerie/Hugo-Wolf-Akademie: NIKOLA HILLEBRAND (Sopran), MARCELO AMARAL (Klavier)

26.05.2023 | Konzert/Liederabende

Hugo-Wolf-Akademie: Konzert in der Staatsgalerie mit Nikola Hillebrand und Marcelo Amaral am 25.5.2023 / STUTTGART

Feiner Ausdruckszauber

Für Nikola Hillebrand war dieses Konzert als Mitglied des Ensembles der Semperoper Dresden ein erfolgreiches Debüt in Stuttgart. Aus den „Myrthen“ op. 25 von Robert Schumann erklangen zunächst die Lieder „Widmung“, „Jemand“, „Die Lotusblume“, „Der Nussbaum“ und „Lied der Suleika“, wobei die Sopranistin Nikola Hillebrand überschwängliche Steigerungen mit dynamischem Feinschliff und weichem Timbre gestaltete. Der Pianist Marcelo Amaral begleitete sie  ausgesprochen einfühlsam. Sinnliche Klangreize und brillante Farbigkeit ließen auch die weiteren Schumann-Lieder „Die Hochländer-Witwe“, „Hochländisches Wiegenlied“ sowie „Hochländers Abschied“ regelrecht aufleuchten. Rätselhafte Verschränkungen der Bewegungslinien blitzten hier immer wieder in erfrischender Weise hervor, wobei die Sopranistin mit schöpferischer Fantasie agierte. Ein weiterer Höhepunkt waren die wunderbar leidenschaftlich interpretierten Lieder von Clara Schumann, wo insbesondere „Liebst du um Schönheit“ op. 12/4 aufgrund der überwältigenden klanglichen Steigerungen und harmonischen  Vielschichtigkeit herausragte.  Reizvolle kontrastierende Dynamik fand sich auch bei den anderen Liedern „Ich stand in dunklen Träumen“ op. 13/1, „Er ist gekommen“ op. 12/2 oder „Sie liebten sich beide“ op. 13/2 von Clara Schumann, wo Nikola Hillebrand und Marcelo Amaral sinnliche Klangreize und brillante Farbigkeit miteinander verbanden. Hervorragend war außerdem die subtile Interpretation der drei Lieder „So sah ich denn auf Erden Engelsfrieden“, „Friede ist mir versagt“ und „Gesegnet sei der Tag“ aus den „Petrarca-Sonetten“ von Franz Liszt, die Nikola Hillebrand mit feinem Gespür für weiches Melos und präzisen Wortrhythmus interpretierte. Marcelo Amaral begleitete sie dabei mit eigentümlich schwebendem Ausdruck und sphärenhaften Modulationen. Vibrierende Exaltationen führten hier zu großem harmonischem Reichtum und überwältigender gesanglicher Ausdrucksfülle. Das war seelenvoller, glühend-ekstatischer Gesang. Er setzte sich dann bei den mit großer Reife vorgetragenen Liedern von Hugo Wolf fort. Leidenschaftliche Erregung sowie unruhige Ton- und Akkordrepetitionen machten sich bei „Gesang Weylas“, „Begegnung“, „Das verlassene Mägdlein“ und „Erstes Liebeslied eines Mädchens“ immer wieder bemerkbar.  Eine gewisse Nähe zur italienischen Kantabilität der Themen blieb spürbar. Nikola Hillebrand verdeutlichte das für Wolf typische sinnliche Sehnen auch bei den beiden letzten Liedern „An eine Äolsharfe“ und „Storchenbotschaft“ in ausgezeichneter Weise. Wilde Chromatik unterstrich wiederholt die Ausdruckssteigerungen  dieser aus dem Sprachfall wirkungsvoll abgeleiteten Melodien. Der Zauber kontrapunktischer Bildungen blühte auf.

Begeisterter Schlussapplaus.

Dieses Konzert war dem Andenken an den Kulturpolitiker und Kunstmäzen Peter Wetter gewidmet, der 2020 verstarb.

Alexander Walther

 

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