Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

STUTTGART: SCHWANENSEE – diesmal mit erfreulichem Debut

25.12.2017 | Ballett/Tanz

SCHWANENSEE Badenes,Moore 23.12.2017 Bild 6
Einfühlsames Partnern: Elisa Badenes und David Moore. Copyright: Stuttgarter Ballett

 Stuttgarter Ballett: „SCHWANENSEE“ 23.12.2017 – diesmal mit erfreulichem Debut

Nachdem bei der Wiederaufnahme-Premiere das Corps de ballet zum Glanzpunkt der Aufführung avancierte und bei der ersten Alternativ-Besetzung zumindest die weibliche Hälfte des Hauptpaares hohen Erwartungen entsprach, trafen nun bei diesem zweiten Personal-Wechsel endlich eine formidable Odette/Odile und ein stimmiger Prinz Siegfried aufeinander.

Die größte Spannung war sicher mit dem männlichen Rollendebut verbunden, dennoch gehört der zentralen Schwanenfigur der Vortritt, weil Elisa Badenes schlicht und einfach gesagt eine Maßstäbe setzende Interpretin ist, weil sie auf eine bombensichere Technik bauen kann, die ihr alle Freiräume der Gestaltung offen lassen und so auch ihre Ausstrahlung ganz unverkünstelt zur Wirkung gelangen lässt. So fließend sie mit ihren Armen bis in die Fingerspitzen die eleganten Bewegungen des Schwans nachvollzieht, ist ihr ganzer Körpereinsatz. Da gibt es keinen einzigen Wackler, die oft langen Phrasen auf Spitze sind harmonisch nach der Musik austariert, der Wechsel von weiten Arabesquen zu klar zentrierten Drehungen ergibt eine unaufhörliche, von großem Atem erfülle Linie. Als Schwarzer Schwan wandelt sie sich in einer Mischung aus Raffinesse und Herzlichkeit zur schmeichelnden Verführerin, kulminierend in einem federnd leicht hingetupften Solo mit finalem Zusammenklappen sowie den berühmten 32 Fouettes, die sie mit einer beängstigenden Rasanz angeht und tatsächlich in diesem Tempo ohne Formverluste durchzieht. Da kennt das Publikum kein Halten mehr und jubelt in die Musik hinein.

Elisa Badenes profitiert letztlich auch von ihrem fürsorglichen und gewissenhaften Partner David Moore genauso wie dieser von ihrer Kombination aus Perfektion und flexibler Spontaneität. Moore startet in sein Siegfried-Debut mit einem Zuversichtlichkeit verheißenden Strahlen beim ersten Auftritt während seiner Geburtstagsfeier, legt sogleich ein locker wirkendes Solo mit leichten Sprüngen hin und zeigt im großen Divertissement mit den bürgerlichen Freundinnen seine Freude an feinen linearen Phrasierungen und in einem weiteren Solo ein gesteigertes Maß an schön schlank zentrierten Drehungen. Seine nicht übertriebene Ausgelassenheit lässt schon bald die Sehnsucht nach einer tieferen Liebe durchscheinen, die er dann bei der Begegnung mit der wie andere Leidensgenossinnen in einen Schwan verwandelten Odette mit großem Einfühlungsvermögen zum Ausdruck bringt, indem er z.B. ihren Kopf ganz zärtlich und liebevoll in seinen Armen wiegt und sich dabei gleichsam nach hinten biegt oder sie schützend sicher in die Höhe hebt. Mit ebenso innigen Blicken signalisiert er der königlichen Mutter, die Odette aufs Haar gleichende Odile im schwarzen Ornat allen werbenden Prinzessinnen vorzuziehen, folgt ihrem Werben mit einer beflügelnden Antriebskraft, die ihn voller Emphase gesteigerte Rondes des jambes ihren Fouettes gegenüber stellen lässt. Mit Feinsinn und berührender Sensibilität veranschaulicht er schließlich das Leiden an seinem Verrat und seinen letzten Versuch, Odette doch noch von seiner Treue zu überzeugen. Den Kampf mit den Fluten des von Rotbart (Roman Novitzky mit jetzt autoritärem Einsatz) über das Ufer gelenkten Sees vollzieht er wie nur wenige Interpreten mit imitierten Schwimm-Bewegungen nach anstatt sich nur immer wieder auf den Boden fallen zu lassen. David Moore hat mit dem Prinzen Siegfried eine Rolle erkundet, die genau seinen Möglichkeiten entspricht und für die Zukunft noch viele Wiederholungen verspricht, in denen er die noch bestehende Luft nach oben weiter ausfüllen kann.

SCHWANENSEE Badenes,Moore Schwarzer Schwan 23.12.2017 Bild 9
Verführung in schwarz: Elisa Badenes und David Moore. Copyright: Stuttgarter Ballett

Siegfrieds führender Freund Benno lag diesmal in den Händen bzw. im Körper von Moacir De Oliveira, der seine gute Laune in gleichmäßig schwungvollen Drehungen versprühte. Im fast komplett von Debuts bestimmten Divertissement der Bürgerinnen bewies Rocio Aleman Sinn für sauber ausbalancierte Lyrismen, Daiana Ruiz, dass Pirouetten-Effektivität auch mit weichen Nuancen erzielt werden kann, und Ami Morita poetisches Gespür und Anmut im Setzen verhaltener Schritt-Akzente.

Am Pult stand mit Matthew Rowe diesmal ein Gastdirigent, der genaues Reagieren auf die Bühne durch klare rhythmische Vorgaben mit einer parallel verlaufenden frischen Gestaltung der schwelgerisch zündenden Tschaikowsky-Musik glücklich zu vereinen weiß.

So wurde aus diesem Ballett(-musik) Fest einen Tag vor Weihnachten ein passendes Geschenk!

Udo Klebes

 

Diese Seite drucken