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STUTTGART/ Opernstudio in der Musikhalle am Bahnhof Ludwigsburg. „Mit Paprika im Blut“

03.02.2017 | Konzert/Liederabende

STUTTGART/ Opernstudio in der Musikhalle am Bahnhof Ludwigsburg

MIT PAPRIKA IM BLUT

Opernstudio der Staatsoper Stuttgart am 3. Februar 2017 in der Musikhalle am Bahnhof/LUDWIGSBURG 

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Die Mitglieder des Opernstudios. Copyright: Martin Sigmund

Bei 300 Jahren Operngeschichte darf selbstversändlich die Operette nicht fehlen. Mit einem Pianisten und musikalischen Leiter wie Alan Hamilton sind junge Sängerinnen und Sänger bestens aufgehoben. Dies gilt auch für die hoffnungsvollen Talente des Stuttgarter Opernstudios. Esther Dierkes (Sopran), Josy Santos (Mezzosopran), Idunnu Münch (Mezzosopran), Kai Kluge (Tenor), Padraic Rowan (Bassbariton) und Michael Nagl (Bass) eröffneten den glanzvollen Reigen mit „Quarto Libro dei Madrigali“ („Io mi son giovinetta“) von Claudio Monteverdi. Die ausdrucksvolle Deklamation der Einzelstimmen stand hier im Mittelpunkt. Aufgrund der blühenden Melodik kam es hier immer wieder zu imposanten Gefühlshöhepunkten. Padraic Rowan als Zoroastro interpretierte die Arie „Sorge infausta una procella“ aus Georg Friedrich Händels Oper „Orlando“ mit nie nachlassender Intensität und einem kernigen Timbre. Die glühende Sinnlichkeit dieser Musik kam so überzeugend zum Vorschein. Vor allem der Reichtum der gesanglichen Ausdrucksmöglichkeiten stach markant hervor. Esther Dierkes (Ginevra) und Idunnu Münch (Ariodante) gestalteten dann die Arie „Si rinasce nel mio cor“ aus Georg Friedrich Händels Oper „Ariodante“ mit eindringlichen Intervallsprüngen und rasanten Läufen. Kai Kluge (Don Ottavio), Esther Dierkes (Donna Anna/Zerlina), Josy Santos (Donna Elvira) und Padraic Rowan (Don Giovanni) gestalteten Szenen aus Wolfgang Amadeus Mozarts „Don Giovanni“ sehr lebendig und erfrischend. Irdisches und Überirdisches wechselten sich hier in geheimnisvoller Weise ab. Melodischer Zauber stand facettenreich im Mittelpunkt. Und ganz entfernt spürte man mit heimlichem Gruseln die Nähe des dämonischen Komturs.

Grandios interpretierten die hochbegabten jungen Sängerinnen und Sänger danach Szenen aus Gioacchino Rossinis Oper „L’italiana in Algeri“ („Cruda sorte“, „Pappataci“ und das Finale des ersten Aktes). Die buffonesken Szenen explodierten hier mit Grandezza! Spannungsreiche Ostinati, glitzernde Themen und virtuose Rhythmen beschwor auch Alan Hamilton am Klavier. Natürlich ging es nach der Pause mit der „Fledermaus“ von Johann Strauss rauschend weiter. „Ich lade gern mir Gäste ein“ verkündeten charmant und augenzwinkernd zugleich Josy Santos und Idunnu Münch als Prinz Orlofsky. Bei „Fünftausend Taler“ mit einem famosen Baculus wie Michael Nagl aus Albert Lortzings „Wildschütz“ kann nichts schiefgehen. Nagl verdeutlichte die krankhafte Geldgier des Geizhalses mit Hintersinn und warmem Timbre. Ein Augen- und Ohrenschmaus war Esther Dierkes als berühmte Sängerin Sylvia Varescu bei Emmerich Kalmans unsterblicher Operette „Die Csardasfürstin“: „Heia, heia, in den Bergen ist mein Heimatland“. Da kochte Paprika im Blut, loderte funkensprühendes Feuer. Geradezu veristischer Zauber triumphierte bei Leonard Bernsteins Musical „West Side Story“ mit Esther Dierkes als Maria, Kai Kluge als Tony und Padraic Rowan als Riff. Michael Nagl (Bernardo) und Idunnu Münch (Anita) gesalteten die leidenschaftliche Melodik und feurige Rhythmik ebenfalls mit großer Konzentration. Josy Santos als Luisa Fernanda und Padraic Rowan als Vidal Hernando zeigten bei Federic Moreno Torrobas „Luisa Fernanda“ („En mi tierra extremena“) unbändiges Temperament und klangfarblichen Reichtum. Kai Kluge als German ließ seinen tenoralen Schmelz bei „La del Soto del Parral“ aus dem Jahre 1927 von Reverino Soutullo und Juan Vert („Ya mis horas felices“) voll aufblühen. Josy Santos verbreitete glühende Leidenschaft und lodernde Emphase bei der berühmten „Habanera“ aus der Oper „Carmen“ von Georges Bizet.

Die gesamte Sängertruppe glänzte zuletzt bei Agustin Laras „Granada“. Ein Feuerwerk ekstatischer Aufschwünge riss das Publikum von den Sitzen. Bettina Giese und Thomas Koch sorgen für eine geistreiche Moderation. Ein großer Dank galt der Schwabengarage als Hauptsponsor.

Alexander Walther

 

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