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STUTTGART/Oper: STATION PARADISO – Mixtape-Oper von Sara Gloinaric‘, Uraufführung

11.05.2026 | Oper international

Oper Stuttgart: Station Paradiso, Mixtape-Oper von Sara Gloinaric‘, 10.5.2026 Uraufführung

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Foto: Matthias Baus

Als eine Mixtape Oper über ‚die Sehnsucht nach Zuhause‘ bezeichnet S.Gloinaric diese  Creation, die ursprünglich aus Cassetten-Songs von 9 früher als sog.’Gastarbeiterinnen‘ bezeichneten Menschen aus Südeuropa zusammengestellt wurde.Sie unternehmen  eine fiktive Busreise auf der E 10 von Stuttgart aus, die aber auch über fiktive Orte wie etwa Winterbach führt,und in der Türkei (Antalya) eigentlich zu Ende sein müsste,da es von da nach Napoli ja übers Meer geht.Eine somit fiktive und (gut) erfundene Reise,wie auch der Ausgangspunkt Stuttgart, deren Station eine grosse graue Fabrikhalle,vielleicht von Daimler-Benz darstellt, und mit dem Fernsehturm eher an den kleineren Berliner Funkturm gemahnt.Hier gleich auch ein signifikantes Video (Manuela Hartel) in einem grossen Kreis wie in einem (Rück)spiegel, das einen tierischen Cassetten-Bandsalat zeigt, der nun, wieder mit einem Finger in die Cassette eingedreht wird. Und von diesen (BASF)-Cassetten werden die Hitsongs aus den verschiedenen Ländern eingespielt, die nun dem Busfahrer als Fahrscheine ausgehändigt werden sollen. Die 9 Mitfahrenden wie auch der Busfahrer sind Sängerinnen-Solisten der Oper, die dann die Songs selber singend übernehmen und kleine Spielszenen auf der Fahrt und an den Haltestellen gestalten. Die Musik ist großteils elektronisch eingespielt, es gibt aber auch ein relativ kleines Orchester im Graben. Die Musik ist durchgehend tonal, meist in Durtonarten imaginiert, dabei immer recht flüssig, ausgewogen und ansprechend. Sie wird von Peter Rundel dirigiert, der ein gutes Gespür für die Koordination von weitflächig strahlendem elektronischem Sound und  den instrumentalen Einsprengseln aufweist.

Anika Rutkovsky hat das Ganze lebhaft inszeniert mit dem blauen Bus,der von zum Staff gehörenden StatistInnen meist geschoben wird, manchmal aber auch über stilisierte Autobahnpisten fährt, sowie in der Mitte und in seiner Längsachse teilbar ist. Das  Mädchen im Brautkleid, Josefin  Feiler, singt ihre Lieder auf slavonischen Grashügeln. Und als singende Tante Marija singt Carole Wilson Lieder über die Einmachgläser, die sie an der Theke mit der kochenden und der spielende Marija einkocht. Der Busfahrer Goran Juric mit  seinem knorrigen Bass ist auch ein wenig der ‚Vortänzer‘ der ganzen Truppe. Bei Yugo-Vater Andrew Bogard und Yugo -Tochter  Diana Haller geht es natürlich über den untergegangenen Staat Jugoslawien, der 1968 ein ‚Gastarbeiter‘-Abkommen mit der BRD erhielt. Das wird gefeiert mit einem Tänzchen zweier Statisten mit riesigen Pappmache‘- Köpfen von Kissinger und Tito.

Der hohe samtige Tenor und Neapolitaner Joseph Tancredi trägt eine einschmeichelnde Canzone über das österreichische Waffelgebäck Neapolitaner und über Dallmaier Filterkaffee vor,den er inzwischen Lavazza und Co. vorzieht. Matthias Klink, ebenfalls Edeltenor und hier türkischer Vater, klagt mit E-Gitarre über die Mutation seines Sohnes zu einer Tochter, mit Esprit gesungen von Fanie Antonelou.Last not least kommen als süditalienische Mutter Stine Marie Fischer und ‚ihre italienische Tochter‘ Martina Mikelic zu Gehör und wie auch alle anderen zu tollem Aussehen in den farbigen, sicher auch auf die jeweiligen  Nationen der sie Tragenden zugeschnittenen Kostüme von Adrian Stapf, und in der Choreographie Janine Grellscheids.

Ein berührender  sehr kurzweiliger Abend und ein toller Opernerfolg.

Friedeon Rosen

 

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