Stuttgart: „Hässlich as fuck“, Musiktheater-Recherche, Jugendoper im Nord der Staatsoper, UA 16.1.2026

Rosalia Zwenzner, Itzeli del Rosario Foto: Matthias Baus
In diesem in einer ehemaligen Fabrikhalle in Stuttgart-Nord gespielten Stück handelt es sich um eine Performance mit zwei jungen Darstellerinnen-Sängerinnen, die in weitem Sinne sich mit ihren Körpern auseinandersetzen, und einem ‚Schiedsrichter‘, der wie beim Tennis öfter auf einem Hochstuhl sitzt und verbal eingreift, hauptsächlich aber den Part des Klavierspielers und -begleiters übernimmt.
Zu Beginn treten die beiden Spielerinnen aus einem kleinen Häuschen aus Plastikfolie, der Umkleide, hervor und bekleiden sich mit phantasievoll bemalten Faltenröckchen und schwarzen, später auch blonder Perücke (Bühne und Kostüme: Klaus Schur).Mit Texten und in der Regie von Raphaela Friuza Navakowski und Martin Mutschler auf einem seltsam verkleinerten Tennisplatz sehen wir in ‚Hässlich as fuck‘ die beiden Frauen dann mit großen Filmkameras bei uralten, gleichzeitig aber ‚hypermodernen‘ Schönheitsritualen, während der Trainer kontrolliert, und die Uhr tickt.
Dabei wird etwa in G.Mahlers Komposition das Gedicht von Friedrich Rückert „Liebst du um Schätze, o nicht mich liebe. Liebe die Meerfrau, sie hat viel Perlen klar“ dem Originaltext „Schält man die Nasenknolle, entblößt sich Schicht um Schicht das Fruchtfleisch. Es riecht streng, nach Angst“ und einem mexikanischen Volkslied gegenübergestellt. Es kommen auch Hildegard Knef und Agueda Pizarro zu Wort; in der Musik Chavela Vargas, Clara Schumann, Joseph Schwandtner, die Rapperin ROSALIA, Cri-Cri und Shirin David.
Neben guten schauspielerischen Fähigkeiten glänzt die Mexikanerin Itzeli del Rosario als Itzy auch als Mezzosopranistin in Mahlers Rückertliedern, und als Interpretin der Mexikanerin Rosalia und Clara Schumanns. Rosalia Zwenzner ist ihr Gegenpart in dem Versuch, auszutarieren, wie jenseits des Schönheits-Erfüllungszwangs die Versöhnung mit einem Körper, der nie genügt, klingen kann sowie mit dem Blick, der ihn ständig misst.
Marco Rizzello ist Pianist,Solorepetitor und Italenisch-Coutch an der Staatsoper und kann sich auch witzig-ironisch einbringen, ohne die Frauen zu bevormunden.
Friedeon Rosen

