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STUTTGART/ Mercedes Benz-Museum: 10 JAHRE OPERNSTUDIO – GALAKONZERT

10.03.2020 | Konzert/Liederabende


Foto: Matthias Baus

Galakonzert 10 Jahre Opernstudio der Staatsoper Stuttgart im Mercedes-Benz-Museum/STUTTGART am 9.3.2020

Mit mitreisssendem Elan

„Stars von morgen heute schon erleben“ – unter diesem vielsagenden Motto stand das eindrucksvolle Galakonzert des Opernstudios der Staatsoper Stuttgart, das es gemeinsam mit dem Opernstudio der „opera national du rhin“ Straßburg im Atrium des Mercedes-Benz-Museums präsentierte. Begleitet von den überaus versierten Pianisten Alan Hamilton, Davide Rinaldi und Karolina Halbig wurde diese Veranstaltung zu einem überwältigenden Fest der Stimmen. Anna El-Khashem (Konstanze), Charles Sy (Belmonte), Claudia Muschio (Blonde) und Christopher Sokolowski (Pedrillo) gestalteten das Quartett „Ach Belmonte! Ach mein Leben!“ aus der Oper „Die Entführung aus dem Serail“ von Wolfgang Amdeus Mozart mit viel Klangfarbengespür und glanzvollen Kantilenen. Selbst die liedhaften Züge wurden dabei nicht verleugnet.

Wechselnde Stimmungsbereiche erschienen mit feiner dynamischer Abstufung. Von Maurice Ravel erklang dann die Arie „Oh, la pitoyable aventure!“ aus „L’Heure espagnole“, wo Eugenie Joneau (Conception) den Parlando-Ton und den Geist der Opera buffa sehr gut traf. Claudio Muschio (Amina) und Charles Sy (Elvino) ließen das Duett „Son geloso del zeffiro errante“ aus der Oper „La Sonnambula“ von Vincenzo Bellini mit überquellender Melodik und kristallklarer Chromatik erstrahlen. Sehr überzeugend gestaltete auch Tristan Blanchet (Gerald) die Arie „Prendre le dessin d’un bijou – Fantaisie aux divins mensonges“ aus der Oper „Lakme“ von Leo Delibes. Hier überraschte vor allen die harmonische Durchsichtigkeit die Zuhörer. Anna El-Khashem (Ilia) und Alexandra Urquiola (Idamante) zeigten beim Duett „S’io non moro a questi accenti“ aus der Oper „Idomeneo“ von Wolfgang Amadeus Mozart viel Einfühlungsvermögen und Sinn für musikalische Seelenschilderung. Claudia Muschio (Marie), Christopher Sokolowski (Tonio) und Jasper Leever (Sulpice) begeisterten das Publikum beim spritzigen Trio aus der Oper „Die Regimentstochter“  von Gaetano Donizetti. Der Charakter der Opera comique und die rhythmische Präzision blitzten hell hervor.

Ein Höhepunkt waren die Ausschnitte aus George Bizets Oper „Die Perlenfischer“ mit Julie Goussot (Leila), Thomas Kiechle (Nadir) und Jacob Scharfman (Zurga), wo der Einfluss der italienischen Oper eindringlich hindurchschimmerte. Vor allem die farbige Harmonik zeigte viele grandiose Facetten. Ausgesprochen überzeugend interpretierten Elliott Carlton Hines (Dandini) und Jasper Leever (Don Magnifico) das reizvolle Duett „Un segreto d’importanza“ aus der Oper „La Cenerentola“ von Gioacchino Rossini, wo ein komödiantisches Feuerwerk triumphierte. Von Maurice Delage erklangen die stark von der impressionistischen Welt Maurice Ravels beeinflussten „Quarte poemes hindous“ mit der hervorragenden Mezzosopranistin Claire Peron. Außerdem begeisterten Alexandra Urquiola (Beatrice) und Charles Sy (Benedict) beim Duett „Comment le dedain, pourrait-il mourir“ aus der Oper „Beatrice et Benedict“ von Hector Berlioz. Die dramatischen Effekte wurden ausgezeichnet herausgearbeitet.

Von Gioacomo Puccini erklang das leidenschaftlich vorgetragene Quartett „Addio dolce svegliare alla mattina“ aus „La Boheme“ mit Julie Goussot (Musetta), Anna El-Khashem (Mimi), Tristan Blanchet (Rodolfo) und Elliott Carlton Hines (Marcello). Man spürte, dass sich die überaus  bewegliche Rhythmik in keine starren Metren pressen lässt. Zum Abschluss folgte noch der „Epilogue“ aus „The Rake’s Progress“ von Igor Strawinsky, wo Anna El-Khashem (Anne), Christopher Sokolowski (Tom), Elliott Carlton Hines (Nick), Alexandra Urquiola (Baba) und Jasper Leever (Father) mit mitreissendem Elan dieses „Leben eines Wüstlings“ Revue passieren ließen. Die neoklassischen Einflüsse und Assoziationen zur Barockoper und zu Mozart, Rossini und Tschaikowsky waren hier nicht zu überhören. Die polyphone Satzweise siegte auch bei der Zugabe  „Brindisi“ aus der Oper „La Traviata“ von Giuseppe Verdi, wo das gesamte Ensemble nochmals mit furioser Geschlossenheit und Parlando-Akzenten auftrumpfte.

Die zur „Nachwuchssängerin“ gekürte Anna El-Khashem war kurzfristig für die erkrankte Soapranistin Carina Schmieger eingesprungen. Jubel.

Alexander Walther

 

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