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STUTTGART: MADAMA BUTTERFLY

12.04.2015 | Oper

Stuttgart: Madama Butterfly  11.4,2015

 In der Rezeption der letzten Jahre wurde  bei Butterfly immer  mehr die Agressivität Pinkertons und damit einher der USA herausgearbeitet, die sich ja schon um 1900 imperial manifestierte, indem auch die bis dahin abgeschottete religiöse Gesellschaft Japans unterminiert wurde. Die aufstrebende Weltmacht USA läßt sich auch in religiös moralischen Dingen keine Vorschriften machen, und das hat sich zumindest bis zur Präsidentschaft Buschs nicht geändert. Einhergehend mit dieser Tendenz, wo der Macho Pinkerton sich in der ‚Hochzeitsnacht‘ noch einigermaßen zurückhält, ist die Eliminierung aller exotisch-japanischen Folklore in den Inszenierungen zu sehen. Wahrscheinlich nur die Wr.Staatsoper bemüht sich noch, Butterfly authentisch mit Japanerinnen zu besetzen. Selbst die Szene mit der japanischen Großfamilie und der Verfluchung durch den Onkel Bonzo oder der spätere Auftritt des Yamadori könnte beliebig auch in anderen Opern verwendet werden, da es archetypische Vorgänge sind, und so möchte man auf nationales Kolorit verzichten. Daß Monique Wagemakers Regie von 2006 nicht in Reizlosigkeit verfällt, ist bei leerer Bühne nur einem großen Deckenspiegel zu verdanken, der die Auftritte aus dem Hintergrund schon lange vorher aus der Vogelperspektive perzipieren läßt, ein wunderbarer Effekt, dessen sich Wagemakers meines Wissens auch bei anderen Inszenierungen bedient hat, hier realisiert von Karl Kneidel. Besonders wenn man Butterfly zwischen all ihren Blumen, wie aus dem Fenster gefallen, liegen sieht.

 Anastasija Harms ist als Kind sehr aufgeweckt und wird zuletzt von Butterfly in einem kleinen Kimono (Kost.: Silke Willrett) zu seinen neuen Eltern geschickt. Die Kurzrolle des Yamadori hat Dominic Große vom Operstudio inne. Heinz Göhrig ist der Goro, patzt fast in jedes Fettnäpfchen und kann dabei mit seinem soliden Tenor als Moderator der Veranstaltung punkten. Den Kurzauftritt von Kate Pinkerton leistet die schlanke Simone Jackel vom Opernchor. Motti Kastón stellt den Sharpless etwas hilflos oder teilweise fast flapsig  dar mit seinem angenehm timbrierten Bariton, mit dem er sich auch gut ins Ensemble einfügt. Fredrika Brillembourg hat als Suzuki einen ausdruckskräftigen dunkel gefärbten Mezzosopran zu Verfügung. Der Tenor Rafael Rojas übernimmt Pinkerton, und seine dunkel gefärbte Stimme überzeugt durch alle Register. Butterfly singt mit schön aufblühender Phrase Catherine Naglestad und wird im Liebes- und Leidensausbruch zur wahrhaften Heroine.   

Der aus Mailand stammende Dirigent Giuliano Carella steht für eine authentisch-glanzvolle Wiedergabe ein, die die melodisch-harmonischen Apartheiten der Partitur jederzeit ins rechte Licht rücken. Dabei sekundiert ihm das Staatsorchester Stuttgart jederzeit punktgenau und entwickelt einen samtigen Klang(rausch).

 Friedeon Rosén                         

 

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