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STUTTGART/ Liederhalle: „MUSIC FOR FUTURE der Staatsoper Stuttgart . Benefizkonzert für die Ukraine

27.06.2022 | Konzert/Liederabende

„Music for the Future“ der Staatsoper Stuttgart am 26.6.2022 im Beethovensaal der Liederhalle/STUTTGART
Benefizkonzert für die Ukraine

Leidenschaftliche Melodik

Unter dem Motto „Musik aus der Ukraine – Musik für die Ukraine“ konnte man wunderbare und in Deutschland weitgehend unbekannte Musik kennenlernen. Es gastierten ukrainische und slowenische Musiker im Alter von 14 bis 25 Jahren, von denen viele seit Beginn des Ukraine-Krieges ihre Heimat verlassen mussten. Die Dirigentin Oksana Lyniv und Intendant Viktor Schoner sprachen Grußworte. So entstand ein slowenisch-ukrainisches Konzertprogramm, das die Zuhörer tief beeindruckte. Die Kooperation des Youth Symphony Orchestra of Ukraine und des Slovenski Mladinski Orkester (des Slowenischen Jugendsinfonieorchesters) entstand auf Initiative der ukrainischen Dirigentin Oksana Lyniv. Dieses Benefizkonzert soll ukrainischen Musikern und Musikerinnen eine Perspektive in diesen schweren Zeiten geben. Gleich zu Beginn überraschte nach der Nationalhymne das Ensemble mit Mykola Lyssenkos Ouvertüre zur Oper „Taras Bulba“, wo die thematischen Verbindungslinien überzeugend herausgearbeitet wurden. Geschildert wird hier in dramatischen Klängen der ukrainische Kampf gegen die polnische Belagerung im 17. Jahrhundert. Der Komponist Mychajlo Mychajlowytsch Werbyzkyj schrieb die Nationalhymne. Von ihm erklang dann auch die kontrapunktisch und satztechnisch reizvolle Sinfonie in D-Dur, die sich an klassizistischen Formen orientiert (Bearbeitung: Stanislav Lydkevich). Vor allem der Hang zur Sonatensatzform ist hier auffallend und wurde vom Orchester stilsicher interpretiert. Von dem slowenischen Komponisten Slavko Osterc war das pathetisch musizierte „Religioso“ aus der „Suite for Orchestra“ zu hören, wobei die lyrischen Einschübe bei einigen Passagen mit stark verinnerlichter Melodik und spieltechnischer Reife überraschten. Als Hauptwerk erklang Antonin Dvovaks Sinfonie Nr. 8 in G-Dur op. 88, wo das Ensemble immer wieder mit leidenschaftlichem Überschwang triumphierte. An Temperament, an Stimmungen und gegensätzlichen Klangschönheiten ist diese so genannte „englische Sinfonie“ reich. Sie überrascht mit einem betont balladenhaften Grundzug, den das Orchester überzeugend betonte. Auch das G-Dur-Motiv der Flöte blitzte reizvoll hervor. Das sinfonische Prinzip wird allerdings etwas zurückgedrängt, was beim Konzert gut zur Geltung kam. Die Melancholie des Adagio besaß bei dieser Wiedergabe starken Klangzauber und einen rhapsodischen Zug. Das Scherzo überzeugte als böhmisch gefärbter Walzer mit feurigem Schwung.  Und zuletzt riss das tanzfrohe Nationaltemperament die Zuhörer regelrecht mit. Majestätisch ertönten die glanzvollen Fanfaren, die die Überfülle tschechischer Thematik in imponierender Weise offenbarten. Nach der Fanfare folgte eine Reihe von Variationen über ein vogelrufartiges Thema, das an den Kopfsatz erinnerte. Die Coda in turbulenter Stretta-Form führte zu einem atemlosen Schluss. 
Als letztes Werk erklang noch die melancholische Melodie in a-Moll von Myroslav Skoryk, deren geheimnisvoller Schmerz den Kriegsausbruch zu thematisieren scheint. Standing Ovations gab es nicht nur für die beiden souveränen Dirigentinnen Ziva Ploj Persuh aus Slowenien und Olga Khoma aus der Ukraine, sondern natürlich auch für die Musikerinnen und Musiker.  Bei der Spendenaktion kamen fast 3000 Euro zusammen, die der Unterstützung für die Ukraine zugute kommt.   

Alexander Walther

 

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