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STUTTGART/ Liederhalle: Mozart-Festival „DER JUNGE MOZART“ mit dem Staatsorchester

06.07.2021 | Konzert/Liederabende

Mozart-Festival „Der junge Mozart“ mit dem Staatsorchester am 5. Juli 2021 im Beethovensaal der Liederhalle /STUTTGART

Reigen seliger Geister

Unter der inspirierenden Leitung von Cornelius Meister erklangen Werke des jungen Wolfgang Amadeus Mozart bei diesem Festival-Konzert mit dem Staatsorchester Stuttgart höchst erfrischend und impulsiv. Sinnlichkeit und Geist strahlte die Harmonik hier von Anfang an aus, was sich bereits bei der elektrisierenden Wiedergabe der Sinfonie Nr. 4 D-Dur KV 19 bemerkbar machte, deren thematische Vielfalt Meister mit dem Orchester minuziös offenlegte. Vor allem beim Presto-Finale triumphierte der geradezu schwärmerische Elan des jungen Komponisten, der sich dann bei der Sinfonie Nr. 5 B-Dur KV 22 „Haager“ fortsetzte. Cornelius Meister spornte die Musiker dabei zu einer leidenschaftlichen Musizierweise an, die auch die Seitengedanken in ein helles Licht rückte. Kontrapunktische Meisterschaft offenbarte sich dabei mit sphärenhafter Leichtigkeit und Noblesse, drängende Erregung begleitete die chromatischen Aufschwünge. Auch bei dieser Sinfonie sprudelten die Themen des Finalsatzes Allegro molto wie aus einer geheimnisvollen Quelle hervor. Renaud Capucon (Violine) musizierte mit wunderbarer Ausdruckstiefe das Violinkonzert Nr. 3 G-Dur KV 216, wobei er vom  Staatsorchester wie auf Händen getragen wurde. Anmut und Wärme kennzeichneten den Bogenstrich – und das Adagio blühte in makelloser melodischer Schönheit auf. Auch hier spürte man, wie die Harmonik schon weit über das „Galante“ hinausging. Formale Vollkommenheit wurde von Renaud Capucon aber nicht plakativ herausgestellt, sondern sehr dezent betont. Hinzu kam eine bestrickende klangliche Durchsichtigkeit, die Cornelius Meister mit dem Staatsorchester Stuttgart immer weiter auffächerte.

Als Zugabe spielte Renaud Capucon noch den berühmten „Reigen seliger Geister“  aus der Oper „Orpheus und Eurydike“ von Christoph Willibald Gluck, wobei der bestrickende melodische Zauber zu intensiver Entfaltung kam. Zum Abschluss erklang noch die Sinfonie Nr. 6 F-Dur KV 43, wo Cornelius Meister mit dem Staatsorchester die Themen und Motive wie bei einem raffinierten Mosaik zusammenfügte. Man hatte dabei wirklich den Eindruck,  dass der Reigen seliger Geister hier seine gebührende Fortsetzung fand. Im Wechselgespräch der einzelnen Instrumentalgruppen erreichte der musikalische Ausdruck eine ungewöhnliche Intensität. Herzlicher Schlussapplaus des Publikums im spärlich besetzten Beethovensaal.

Als Zugabe erklang noch der atemlos musizierte Presto-Satz aus Mozarts Sinfonie Nr. 15 in G-Dur KV 124.

Alexander Walther

 

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