Gaechinger Cantorey mit Mozart-Programm am 5.2.2023 in der Liederhalle im Beethovensaal/STUTTGART
Transparentes Klangbild

Katharina Konradi, Sopran, Anna Harvey, Alt, Patrick Grahl, Tenor, Krešimir Stražanac, Bass, Isabelle Faust, Violine, Gaechinger Cantorey, Hans-Christoph Rademann, Dirigent. Foto: bachakademie
Der „Salzburger Mozart“ stand diesmal im Mittelpunkt dieses Programms. Zunächst erklang die kraftvoll-majestätisch interpretierte „Vesperae solennes de Dominica“ in C-Dur KV 321, deren Uraufführung im Salzburger Dom stattfand. Die sechs Sätze wurden von der Gaechinger Cantorey unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann mit zügigen Tempi interpretiert, wobei die dynamischen Kontraste in reizvoller Weise herausgearbeitet wurden. Die homophon-imitatorische Behandlung des Chores wurde von den Interpreten präzis unterstrichen. Im zweiten Satz überzeugte die glanzvolle Sopran-Stimme von Katharina Konradi, die von den anderen Solostimmen in bewegender Weise begleitet wurde. Die e-Moll-Kontraste zeigten einen erstaunlichen Klangfarbenreichtum. Und der dritte B-Dur-Satz fesselte mit erfrischender Klarheit und gesanglicher Leuchtkraft. Die übrigen Gesangssolisten Anna Harvey (Alt), Patrick Grahl (Tenor) und Kresimir Strazanac (Bass) überzeugten mit Intonationssicherheit und ausdrucksvoller stimmlicher Reife. Davon profitierte dann auch der kontrapunktisch reiche vierte F-Dur-Satz. Und das abschließende Finale kehrte als überwältigendes Magnificat wieder nach C-Dur zurück.
Isabelle Faust (Violine) interpretierte anschließend das Violinkonzert in A-Dur KV 219 von Wolfgang Amadeus Mozart, wo sie vom Orchester der Gaechinger Cantorey unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann einfühlsam begleitet wurde. Mit wunderbar federnder Leichtigkeit kam das erste Thema im Kopfsatz daher. Mit schmeichlerischer Innigkeit gestaltete dann das Orchester das zweite Thema. Dann setzte zu raunender Orchesterbegleitung die Solovioline ein, der Isabelle Faust einen schwelgerisch-improvisierenden Ausdruck verlieh. Über dem Orchesterthema entfaltete sich die selbstbewusste, schwungvolle Melodie. Die beiden Linienzüge kreuzten sich dabei vielversprechend. Gerade die schwärmerische Melodik erfasste Isabelle Faust hier ganz ausgezeichnet. Das Adagio gefiel mit inniger Wärme und makelloser klanglicher Schönheit, die Isabelle Faust fast magisch beschwor. Reizvoll gestaltet wurde außerdem das Finale, das als facettenreich musiziertes Menuett begann – wobei sich der exotische Lärm eines „türkischen“ Intermezzos nicht ohne Ironie bemerkbar machte. Der Zwischenfall wurde jedoch rasch vergessen und das Werk verklang sehr geschmeidig und klanglich ausgesprochen transparent.
Bei der kompakten Wiedergabe von Wolfgang Amadeus Mozarts „Krönungsmesse“, der Missa in C, betonte der umsichtige Dirigent Hans-Christoph Rademann zusammen mit der Gaechinger Cantorey die sinfonischen Elemente dieser vielschichtigen Komposition. Sie erklang zum ersten Mal im Jahre 1779 im Salzburger Dom. Sie entstand zur Zeit von Mozarts Auseinandersetzung mit dem Erzbischof von Salzburg Hieronymus Graf Colloredo, der ihn demütigte. Trotzdem bat er nach seiner Kündigung auf Druck des Vaters um Wiedereinstellung. Mozart wurde schließlich sogar Hoforganist. Diese höfischen Momente sind in der berühmten „Krönungsmesse“ deutlich zu spüren, denn zu den Violinen und dem Basso continuo gesellt sich außerdem ein umfangreiches Bläserensemble. Solostimmen und Chor agieren jedoch deutlich getrennt, was bei der Aufführung sehr präzis zu Gehör kam. Der Chor der Gaechinger Cantorey brillerte gleich beim „Kyrie“ mit großer Eindringlicheit und gesanglicher Reife, deren Intensität sich verstärkte. Auch die homophonen Passagen des „Gloria“ wechselten sich nuancenreich mit den Solostimmen ab. Beim stürmischen Credo wählte Rademann mit dem Ensemble wiederum sehr zügige Tempi. Und die Sopranarie des „Agnus Dei“ gewann dank Katharina Konradi eine erstaunliche Intensität. Überhaupt gelang es den übrigen Gesangssolisten Anna Harvey (Alt), Patrick Grahl (Tenor) und Kresimir Strazanac (Bass) in imponierender Weise, den formalen Reichtum der Partien zu betonen. Die Paukeneinsätze waren bei dieser Interpretation ausgesprochen robust, auch wenn der lyrische Bogen der Streicher manchmal fehlte.
Insgesamt jedoch überzeugte die Wiedergabe aufgrund ihrer erfrischenden Klarheit und bewegenden Leuchtkraft. „Bravo“-Rufe.
Alexander Walther

