Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

STUTTGART/ Liederhalle: BEETHOVENS ERSTE SINFONIE / Cornelius Meister

14.06.2020 | Konzert/Liederabende
Beethovens erste Sinfonie mit dem Staatsorchester unter Meister am 13. Juni 2020 im Beethovensaal der Liederhalle/STUTTGART
Haydn und Mozart lassen grüßen
 
Das erste Konzert des Staatsorchesters Stuttgart nach drei Monaten erzwungener „Corona“-Abstinenz eröffnete den Reigen des Beethoven-Zyklus, der mit den weiteren Sinfonien auch im Juli fortgesetzt wird. Das Orchester sitzt im Halbrund in der Mitte des Saales, das Publikum hat ebenfalls in einer Art Reigen im Hintergrund Platz genommen. In der langsamen Einleitung der Sinfonie Nr. 1 in C-Dur op. 21 mit dem Pizzicato-Akzent ist der ganze Beethoven auch bei der Wiedergabe durch Cornelius Meister und dem Staatsorchester Stuttgart voll zu spüren. Die dramatische Spannung fällt nicht weg. Kraft, Feierlichkeit und Anmut setzen sich hier rasch durch. Der Halbtonschritt der Anfangsakkorde brennt sich im Gedächtnis fest, was das Staatsorchester sehr gut betont. Elastische Energie prägt dann das rhythmisch prägnante Hauptthema. Oboe und Flöte spielen sich hier graziös das Seitenthema zu – die lyrische Variante beschließt das Hauptthema. Der Durchführungsteil verarbeitet bei dieser konzentrierten Interpretation mit Cornelius Meister gewissenhaft den Hauptgedanken. Und flüchtig klingen auch erste Erinnerungen an die Klaviersonate in f-Moll auf, was Meister mit dem Staatsorchester gut akzentuiert. Das Thema kehrt zum Schluss aufstrahlend wieder. Das Orchester musiziert aus einem Guss. Die Melodie des Andante cantabile con moto des zweiten Satzes wirkt schlicht und ruhig, fast sphärenhaft. Sie entwickelt sich fugenartig über einem anmutig schreitenden Thema. Und der dritte Menuett-Satz erscheint wie ein erfrischendes Scherzo, dessen Ausgelassenheit die Zuhörer unmittelbar mitreisst. Es stürmt kühn dahin. Die zierlichen Spielereien von Flöten und Violinen über dem Rhythmus der Pauken hinterlassen einen elektrisierenden Eindruck. Aparte Klangregionen und kontrastreiche Melodik wechseln sich nuancenreich ab. Bei allem Schwung wirkt das Thema harmlos-heiter, wobei Cornelius Meister stets die Balance wahrt. Im Trio werden Bläser und Streicher fast neckisch miteinander konfrontiert. Cornelius Meister lobt gerade diesen Satz für seine „Coolness“. Haydn lässt nochmals höchst temperamentvoll im Finale grüßen. Der Zweiviertel-Rhythmus weist deutlich auf dieses Vorbild hin. Aus einer betont langsamen Einleitung erwächst munter das Violin-Thema. Fast verwegen wirkt der Seitengedanke, der bei Cornelius Meister nicht zu kurz kommt. Nach der imposanten Durchführung meldet sich Trompetengeschmetter. Und mit wild wirbelnden Motiven verabschiedet sich diese Sinfonie von den lange und ergriffen applaudierenden Zuhörern.
 
Alexander Walther

 

Diese Seite drucken