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STUTTGART/ Liederhalle: 5. KAMMERKONZERT DES STAATSORCHESTERS „LEBENSPFADE“

12.03.2026 | Konzert/Liederabende

 5. Kammerkonzert des Staatsorchesters „Lebenspfade“ am 11.3.2026 im Mozartsaal der Liederhalle/STUTTGART

Vom Bild inspiiert

Todesahnungen begleiteten den schwerkranken Dmitri Schostakowitsch, als er seine bedeutende Sonate für Viola und Klavier op. 147 schrieb, die jetzt mit Alexander Akimov (Viola) und Julia Brusentsova (Klavier) im Mozartsaal erklang. Pizzicati der Viola wurden vom Solisten in präziser Weise ausgekostet. Der zweite Satz spielt mit seinem Polka-Rhythmus auf das Theaterstück „Die Spieler“ von Nikolai Gogol an. Der tänzerische Charakter des Allegretto wurde jedenfalls sehr gut getroffen. Und die weitgespannte melodische Linie des Adagio im letzten Satz kam zur breiten Entfaltung und erklang morendo sehr abgeklärt. Er erinnerte in seiner pathetischen Art zudem an Ludwig van Beethovens „Mondscheinsonate“. Als Uraufführung war dann „Frustrated Tolerance“ für Oboe, Violine, Viola, Violoncello und Schlagzeug von Ivan Danko zu hören, der Solooboist des Staatsorchesters Stuttgart ist. Rhythmische Tänze und groteske Passagen hielten sich hier die Waage. Außerdem fielen subtile Spaltklänge der Oboe in besonderer Weise auf. Das Werk ist inspiriert vom gleichnamigen Künstler Albin Brunovsky und bewegt sich zwischen expressiver Dramatik und folkloristischen Motiven. Die Zeichnung zeigt eine sitzende, weibliche Figur, die in ein Netz aus Blättern, Ästen und Weintrauben gekleidet ist. Ivan Danko (Oboe), Gustavo Surgik (Violine), Madeleine Przybyl (Viola), Vache Bagratuni (Violoncello) und Christoph Wiedmann (Schlagzeug) brachten auch die ironischen Gesten dieser Musik prägnant zum Ausdruck. Besondere Bedeutung hatte hier das Schlagzeug mit kleinen Trommeln, Marimba, Tam-Tam, Ratsche, Flexaton und Rohrglocken – so wurde eine explosive Atmosphäre geschaffen. Im ersten Satz „Verstörte Wurzeln“ mischte sich die Trommel feinnervig mit den Streicher-Pizzicati. Den Klang von Röhrenglocken begleitete auch ein einfühlsames col legno-Spiel der Streicher – so begann der zweite Satz. Diesem Satz „Trance der Glocken“ folgte der dritte Satz „Broken Scherzo“, der als verzerrter Walzer erschien. Die anschließende zarte Melodie der Oboe prägte sich tief ein. Im letzten Satz „Mechanismus der Frustration“ kam es zu spukhaften Wellenbewegungen der Streicher, die sehr gut musiziert wurden. Die weit ausschwingende Melodielinie der Violine fesselte hier die Zuhörer nachhaltig. Und eine abfallende Terz in den Streichern und der Marimba erschien als verzweifelter Ruf. Geheimnisvoll endete dieser Satz mit dem mystischen Klangbild der Röhrenglocken. Ganz hervorragend gelang dem Ensemble zuletzt die Wiedergabe von Antonin Dvoraks Klavierquintett Nr. 1 in A-Dur op. 5, wo der Melodiker und schwärmerisch-leidenschaftliche Romantiker Dvorak wahre Triumphe feierte. Leitmotivische Gesten im Stil Wagners stachen bei dieser suggestiven Interpretation in eindringlicher Weise hervor. Die Vorhaltsmelodik kam ebenfalls stark zum Ausdruck. Verminderte Septakkorde prägten die Harmonik. Der erste Allegro-Sonatensatz entfaltete sich bei dieser Wiedergabe wahrhaft heroisch und leidenschaftlich. Die Durchführung verarbeitete dann fast alle Themen. Das Andante in F-Dur überzeugte als bewegend gespielter Liedsatz. Und der Scherzo-Charakter des Finales erreichte einen fröhlich-ausgelassenen Grundton. Musikantische Musizierlust kam hier in beglückender Weise zum Vorschein. Thomas Bilowitzki (Violine), Amelie Wünsche (Violine), Charlotte Kirst (Viola), Jaelin Lim (Violoncello) und Gavin Brady (Klavier) ließen den böhmischen Esprit in vergnüglicher Weise aufleben! Die Entwicklung zum freien Sonatensatz-Rondo war hier jederzeit nachvollziehbar. Die Interpretation geriet zum Höhepunkt dieses Konzerts. Deutlich und bedeutungsvoll wurde auch der Dominantseptakkord von B-Dur akzentuiert. Harmonische Wendungen und Steigerungen rissen die Zuhörer mit. Begeisterter Schlussapplaus des Publikums.  

Alexander Walther

 

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