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STUTTGART/ Kammertheater: „LIFE CAN BE SO NICE“ von Anne Lepper. Uraufführung

08.01.2023 | Theater

Uraufführung „Life can be so nice“ von Anne Lepper am 7.1.2023 im Kammertheater/STUTTGART

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Fabian Raabe, Valentin Richter, Jannik Mühlenweg, Sebastian Röhrle. Im Hintergrund der gemischte Frauenchor. Foto: Björn Klein

Jetzt kommt das große Geld

 „Dir geht es ja nur um mein Geld!“ Mary macht ihrem Freund Nicki als reiche Frau schwere Vorwürfe. Auf einmal ist es mit der großen Liebe vorbei.  Es gibt kein Versace und kein Armani mehr. Marys Zuneigung gilt jetzt dem gemischten Frauenchor. „It’s a long way to go. But you gonna get there“ lautet das Motto.

In der subtilen Inszenierung von Jessica Glause (Bühne: Mai Gogishvili; Kostüme: Florian Buder) wird das Problem der sozialen Ungleichheit auf die Spitze getrieben. Sie will die Trennung. Jannik Mühlenweg als Nicki und Christiane Roßbach als Mary liefern sich hier immer wieder ein kompliziertes Katz- und Maus-Spiel, wobei der Chor das Leitmotiv bietet: „Kiss me once,  kiss me twice, life can be so nice.“ Mit der Belle Etage ist es jetzt auch vorbei. Der einfachste Weg nach oben geht über die Liebe, meint Dirk, den Sebastian Röhrle mit Hintersinn mimt. Die Sehnsucht nach  der reichen Frau lässt sich nicht stillen. „Denn wir haben nichts zu verkaufen als uns selbst. Wir müssen reich werden, wenn wir aufhören wollen, zu arbeiten.“ Nicki muss Mary zurückgewinnen. Doch dies wird ihm nur gelingen, wenn er den Chor beseitigt.

So verschwindet der alte Chor mit Cosima Aichele, Nikola Denkinger, Antonia Hoffmann, Olena Shvab, Jenny Sprenger-Müller, David von Szilagyi, Deborah Yates und Yanqiu Zhao plötzlich von der Bildfläche. Die rabiate Küchenbrigade mit Fabian Raabe, Celina Rongen und Valentin Richter hat dabei ihren Anteil dazu beigetragen. Und es entsteht eine neue Formation, die von der reichen Frau erst anerkannt werden muss: „Was hat der Chor gesagt?“

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Küchenbrigade: ValentinRichter, Sebastian Röhrle, Celina Rongen, Fabian Richter. Im Hintergrund der gemischte Faruenchor. Foto: Björn Klein

Das Stück besitzt viele originelle Einfälle, obwohl manche Passage auch aufgesetzt wirkt. Aber Jessica Glause ist eine flotte und witzige Inszenierung gelungen. Man stellt sogar fest, dass eine Freundschaft mit Richard Wagner unbedingt empfehlenswert wäre. Und man ist sich fast sicher, dass jetzt das große Geld kommen kann. Aber Richard Wagner sei tot. Und deswegen erklingt in diesem einstündigen Stück auch keine Wagner-Musik. Wagner ist zu lang, das Werk ist zu kurz. Für Komposition  und Live-Musik hat vielmehr Joe Masi gesorgt. Reichtum und Armut sowie schwierige Klassen- und Geschlechterverhältnisse werden dabei drastisch beschrieben. Auf der High-Tech-Bühne regnet es riesige Luftblasen und die glitzernd leuchtenden Metallstäbe verformen sich in raffinierter Weise. Gleichzeitig machen Nicki und die reiche Frau aber auch die Erfahrung, dass sie in der Gesellschaft sehr begehrt sind.

Die Autorin blickt ironisch auf das Geschehen. Die deutsche Gesellschaft versinkt hier rettungslos im Kapitalismus. Sie lässt sich unter kapitalistischen Voraussetzungen nicht überwinden. Dem Publikum gefiel die Aufführung, es gab tosenden Applaus (Chorleitung: Amelie Erhard).

Alexander Walther

 

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