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STUTTGART/ Junge Oper im Schauspiel Nord: GOLD von Leonard Evers – alles dreht sich ums Meer. Premiere

14.01.2017 | Oper

Gold“ von Leonard Evers bei der Jungen Oper Stuttgart

ALLES DREHT SICH UMS MEER
Premiere „Gold“ von Leonard Evers als Produktion der Jungen Oper am 14. Januar 2017 im Schauspielhaus Stuttgart/STUTTGART
 
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Marta Klimasara, Philipp Nicklaus . Copyright: Christoph Kalscheuer
Da gibt es doch tatsächlich einen flinken Fisch, der alle Wünsche erfüllt. Das Libretto von Flora Verbrugge nach dem Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ der Gebrüder Grimm erzählt mit der einfallsreichen Musik von Leonard Evers diese interessante Geschichte des jungen Jacob, der sich Schuhe, Haus, Schloss und Personal auf einmal wünscht und nicht genug davon bekommen kann. In Videosequenzen sieht man vor allem Aufnahmen eines Meeres, dessen Wellen den Bühnen-Strandraum auszufüllen scheinen. Für den kleinen Jacob, den Philipp Nicklaus mit ebenmäßigen Kantilenen singt, könnte alles noch viel schöner und größer sein. „Los, Jacob, lauf zum Strand!“ wird er ultimativ aufgefordert. Zwischen Walzerrhythmen und Staccato-Attacken des Schlagzeugs, das von der Stuttgarter Musikhochschulprofessorin Marta Klimasara mit nie nachlassender Intensität interpretiert wird, befindet sich Jacob auf einer Drehbühne in ständiger Bewegung und findet nicht zur Ruhe. Jacob hat dem Fisch das Leben gerettet. Er singt: „Fisch aus dem Meer, gib mir die ganze Welt, nur für uns drei.“ Jacob ist auf der Suche nach dem Glück. Der Fisch hat ihm in dieser Kinderoper schließlich versprochen, dass er ihm jeden Wunsch erfüllt, wenn Jacob ihn am Leben lässt. Jacob ist so arm, dass er barfuß laufen muss. Als nächstes wünscht sich Jacob ein Bett für sich und seine Eltern. Und das Haus genügt den Ansprüchen der Eltern schon bald nicht mehr: Angestellte müssen her, alles soll viel größer sein.
 
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Philipp Nicklaus. Copyright: Christoph Kalscheuer

Die Familie verliert schließlich ihren Zusammenhalt, manche Wünsche sind wichtiger als andere. Das macht die subtile Regie von Jörg Behr deutlich (musikalische Leitung: Till Drömann). Die Bühne von Line Sexauer lässt der Fantasie der Zuschauer freien Lauf, Jacob sucht krampfhaft den Stern des Glücks, den er nicht finden kann. Ein Gewitter naht heran, Blitze zucken, alles ist von Dunkelheit umgeben. Das sind dann starke Bilder, die diese Inszenierung prägen. Der Fisch wird leider immer magerer – und die hohen Wellen verschlucken all den Reichtum wieder. Das Problem der unstillbaren Gier wird bei dieser Aufführung in reizvoller Weise thematisiert: „Nicht wer wenig hat, sondern wer viel wünscht, ist arm.“ Die hervorragende polnische Schlagzeugerin Marta Klimasara bedient das Schlagzeug hier in allen raffinierten Schattierungen. Es passt sich dem wandlungsfähigen Tenor von Philipp Nicklaus in exzellenter Weise an. Da werden irisierende Klangflächen hervorgezaubert, die sich plötzlich immer weiter verfeinern. In suggestiven harmonischen Schleiern, Arabesken, Kaskaden und Girlanden erscheinen Jacobs Traumbilder in einem neuen Licht. Kerstin Nägeles Kostüme unterstreichen die Strandatmosphäre. In der Mitte steht ein großer schwarzer Kasten, den Jacob hinaufklettert. Das junge Publikum darf hier verkleidet das Meer mit seinen wilden Wellen spielen, was den Kindern besonderen Spaß macht. Alles ist in lebendiger Bewegung, da kommt nie Langeweile auf (Dramaturgie: Ann-Christine Mecke). Dichter Nebel umfängt den Protagonisten, es flimmert und flirrt, er wirft den Fisch schließlich ins Publikum, das ihn auffängt und weiterreicht. Die Wellenbewegungen des Meeres scheinen sich auf den gesamten Zuschauerraum zu übertragen, was Marta Klimasara mit erheblichen dynamischen Schattierungen betont. Jacob erscheint mit Kopfhörer, hört auch den tobenden Wind, der die Töne einfängt.

Die Suche nach dem Glück endet schließlich mit einem großen Fragezeichen. Für das gesamte Team gab es zuletzt begeisterten Schlussapplaus.

Alexander Walther

 

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