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STUTTGART: DON PASQUALE

25.11.2018 | Oper


Enzo Capuano, Ana Durlovsky. Foto: Martin Sigmund

Stuttgart: Don Pasquale  24.11.2018

Das war wohl die letzte Zusammenarbeit des Regie- und Dramaturgieteams Jossi Wieler und Sergio Morabito in Stuttgart, da sie jetzt das Haus nach der Intendanz Wielers verlassen haben. Innerhalb von 20 Jahren  gehen viele gute, teils bahnbrechende Inszenierungen auf das Konto dieses scharfsinnigen Duos, wie, um nur zwei zu nennen, der Dr.Faustus von Busoni und Händels Ariodante. 

Don Pasquale, der im März Premiere hatte, ist vielleicht nicht so ihr großer Wurf, aber besonders in der Personenregie solide und gut gearbeitet. Zu Donizettis langer Ouvertüre, die die Handlung in etwa vorausahnt, und die vom Staatsorchester unter Francesco Angelico schmissig gespielt wird, wird ein Animations-(Zeichentrick-)Film des Studio Seufz abgespielt, der im Stil der 60/70er Jahre an Yellow Submarine der Beatles denken läßt und die Liebesbeziehung von Norina und Ernesto auf witzige Art abhandelt. Die Einheitsbühne von Jens Kilian zeigt das weiß-silbrige Designerstudio Pasquales auf der Drehbühne. Die Kostüme für Norina sind schrill heutig bis prollig, ganz heutige, eher schlichte Straßenklamotten gibt es für die Männer (Teresa Vergho). Wenn Ernesto seine Liebe davonfließen sieht, stilt er sich von einem Jungen mit Kapuzenpullover und großen Ohrhörern zum Indianerhäuptling um, da er auf Südseereise gehen und vergessen will. Auch Norina mutiert vom hautengen Tiger-Hosenkostüm zu einer Braut mit Riesenperücke und Gesichtsschleier, aber Minikleid, so daß sie der lüsterne Pasquale am liebsten noch vor der Hochzeitszeremonie vernaschen würde. Der weitere Verlauf der Geschichte wird nicht verfremdet, höchstens daß der gedöppte Pasquale auch mit einer Pistole herumhantiert, was seiner Autorität aber nicht gerade Auftrieb gibt.

Da das Orchester und der selten eingesetzte Chor auch gut mitagieren, gerät das Komisch-burleske an diesem Abend zur vollen Zufriedenheit. Carlotto, Cousin des Dr Malatesta und als ‚Notar‘ die gefakte Hochzeit abnehmend, wird von Elliott Carlton Hines köstlich und mit focussiertem Bariton gegeben. Malatesta selber ist Johannes Kammler, der sein Italienisch wie ein Muttersprachler darbietet. Sein Bariton steht ihm dabei vortrefflich zu Gebote, und er erweist sich als pfiffiger Intrigant. Enzo Capuano kommt als Pasquale eigentlich ganz soigniert und leger herüber, doch von 3-4 Gegenspielern läßt er sich dann doch übertölpeln. Es steht ihm dabei ein eher sanfter Baß zu Verfügung, den er flexibel und virtuos zum Einsatz bringt. Dem Ernesto Petr Nekoranec steht ein ganz heller liedhafter Tenor zu Verfügung, ein tschechischer Tenore leggero, der dann in Larmoyanz verfällt. Norina ist Ana Durlovski, in bester Erinnerung als gefeierter Waldvogel bei der letzten Bayreuther Ring-Inszenierung. Mit ihrem etwas synthetisch klingenden Sopran, was aber gar nicht abwertend gemeint sein soll, setzt sie sich gegen den Hagestolz durch. Die Stimme klingt eben nicht ’natürlich‘, sondern weist sicher gewollt dieses künstlich-synthetische Timbre auf. Gerade in dieser Rolle macht das einen einzigartigen Effekt und ist vielleicht Durlovskis Alleinstellungsmerkmal als große Koloratursängerin.

Friedeon Rosén

 

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