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STUTTGART/ CVJM: KONZERT MIT DEN PREISTRÄGERN DES KARL ADLER WETTBEWERBS im CVJM Stuttgart

18.11.2018 | Konzert/Liederabende

Konzert mit den Preisträgern des Karl-Adler-Wettbewerbs im CVJM Stuttgart – 18. November 2018

MIT VIEL EMOTION

 Dieses Jahr fand der Wettbewerb zum zwölften Mal statt. 68 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben mitgemacht. Mit von der Partie sind jüdische Jugendliche, künftig wird sich auch der Zentralrat der Juden für die Finanzierung dieses Wettbewerbs einsetzen. Wieder wurde der Wettbewerb von der Musikpädagogin Margarita Volkova-Mendzelevskaja organisiert. Mit dem Karl-Adler-Jugendmusikpreis wird an den jüdischen Musikwissenschaftler Karl Adler erinnert (1890-1973).

Endrik Schmidt interpretierte Aram Chatschaturjans Etüde in c-Moll mit folkloristischer Melodik und Rhythmik, die sich enorm steigern konnte. David Grishchuk (Violine) spielte den Tanz für Violine Solo von Krzysztof Penderecki mit nie nachlassendem Elan und spieltechnischem Feuer. Differenzierte Klangfarbenkunst und Reminiszenzen an Bartok traten deutlich hervor. Samuel Endler (Schlagzeug) spielte den „Spanish Dance“ von Kai Stensgaad mit feinen dynamischen Nuancen und Staccato-Tupfern. Alina Bakman (Klavier) überzeugte die Zuhörer bei Frederic Chopins Walzer in cis-Moll mit dezenter Anschlagstechnik, die nachhallte. Markante modulatorische Steigerungen und noble Kantabilität stachen hier hervor. Valentin David Niederer (Trompete) und Elena Wackenhut (Klavier) gefielen dann bei Francesco Maria Veracinis Sonate in d-Moll (zweiter Satz). Al-fresco-Wirkungen und stilistischer Feinschliff fesselten bei dieser dezenten Wiedergabe. Maria Tusak (Alt) überzeugte zusammen mit Julia Lerner (Klavier) bei „Sephardic Traditional Durme hermoza doncella“ und den „Papirossen“ von Herman Yablokoff aufgrund des weichen, tiefen Timbres ihrer Stimme. Anastasija Ostapenko (Klavier) gestaltete die Etüde Nr. 3 „Un sospito“ aus „Trois etudes de concert“ von Franz Liszt mit wildem Feuer, wobei die Verschleierung der harmonisch-vertikalen Basis in geheimnisvoller Weise hervortrat. Ein besonderer Genuss war die berührende Interpretation von Sergey Rachmaninovs „Vocalise“ mit Eyal Heimann (Violoncello) und Ofer Stolarov (Klavier). Taisia Schuk (Violine) erwies sich bei Fritz Kreislers Präludium und Allegro im Stile von Gaetano Pugnani mit der Klavierbegleitung von Ilonka Heilingloch als ausgesprochenes Talent, das die kunstvoll-figurative Bogentechnik schon in reifer Weise beherrschte. Dafne Boms (Sopran) aus Brasilien interpretierte in gesanglich bewegender Weise George Gershwins „Someone watch over me“ und Maurice Ravels „Kaddisch“, wobei der impressionistische Zauber sphärenhaft hervorragte. Maya Yoffe (Violine) begeisterte noch mit Andante und Allegro aus Johann Sebastian Bachs Sonate in a-Moll, wo sie mit spieltechnischer Reife agierte. Dass Franz Liszts Klavierstück „Apres une lecture du Dante“ als „Fantasia quasi Sonata“ praktisch eine sinfonische Dichtung für Klavier ist, ließ Ofer Stolarov (Klavier) einmal mehr deutlich werden. Die fantastisch ausschweifende al-fresco-Malerei wurde bei dieser Wiedergabe auf die Spitze getrieben. Tritonus-Intervalle riefen den Höllenrichter herbei, es kam zu einer wirklich gespenstischen Steigerung. Das chromatische Motiv mündete in einen fieberhaft gespielten Choral, auch der Liebesgesang ging nicht unter. Wuchtige Akkordfolgen begleiteten die gewaltige Coda. Auch für diese Wiedergabe gab es enthusiastischen Schlussapplaus.

Das Konzert wurde im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen veranstaltet. 

Alexander Walther

 

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